Reha- und Coronar-Sportgemeinschaft

Herzsport für den Kopf

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Das Loch, in das Menschen fallen können, nachdem sie dem Tod von der Schippe gesprungen sind, ist zu füllen. Eine Mühlheimer Gruppe weiß wie. Reifenparcours, Tennisfußball, Versehrtensport... Die Reco-Gemeinschaft hat acht Gruppen.

Mühlheim - „Vorher kannst du Bäume ausreißen.“ Danach trauen sich manche nicht mal, die Hilfsangebote wahrzunehmen. Michael Jäger weiß, wie man sich nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt fühlt.

„Das Wichtigste ist die Psyche“, hat der Lämmerspieler im Kontakt mit vielen Patienten gelernt. Er ist seit 15 Jahren in der Reha- und Coronar-Sportgemeinschaft Mühlheim, kurz Reco. Die Gymnastikgruppen unterstützen beide von der Krankheit bedrängten Seiten der Betroffenen – Körper und Geist.

Acht Gruppen für Herz- und Krebskranke treffen sich wöchentlich in dem vor 28 Jahren gegründeten Verein in der Sporthalle an der Dieselstraße. Es gibt einen Kurs für Frauen, die unter Brustkrebs litten, und die Versehrtensportler, die Tennisfußball spielen. Die jüngsten Mitglieder zählen gerade 40 Lenze, die zwei ältesten stolze 92 Jahre. Die meisten Teilnehmer sind jetzt zwischen 60 und 75 Jahre alt, sie kommen bis aus Frankfurt, Hanau und Offenbach nach Mühlheim gefahren, „vielleicht weil der Zusammenhalt bei uns sehr gut ist“, vermutet der Vorsitzende.

Menschen, bei denen das Herz streikte, werden nach dem Krankenhaus-Aufenthalt erst einmal zur Kur geschickt. Danach erhalten sie eine Bescheinigung, damit die Krankenkasse die Kosten für ein halbes Jahr Rehabilitationssport übernimmt. Der Internist oder Hausarzt kann diese Frist verlängern, erläutert Jäger, und bei den meisten Patienten wird die Fortsetzung der sportlichen Aktivität bewilligt.

„Die Kasse finanziert 90 Einheiten bei Herz- und 50 bei Krebskranken“, kommt der Sprecher ins Detail. Nach Ablauf könne jeder per Vereinsbeitrag weiter machen. 215 Mitglieder haben sich dazu entschieden, Tendenz steigend. Die Übungsleiter müssen eine Zertifizierung im Hessischen Behinderten- und Reha-Sportverband (HBRS) vorweisen. Bei den Koronar-Kursen ist zudem Pflicht, dass ein Arzt anwesend ist. Reco arbeitet dabei sehr eng mit den Medizinern Dr. Erwin Berg, Dr. Carsten Riemer und Dr. Ahmet Bozer zusammen. Auch der Mühlheimer Internist und Kardiologe Dr. Siegmund Drexler, der die Gemeinschaft 1986 ins Leben gerufen hat, ist ein immer gern gesehener Gast. Die Brustkrebs-Gruppe betreut seine Frau, Dr. Birgit Drexler-Gormann.

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Daneben organisiert der Reco-Vorstand gemeinsame Veranstaltungen – aus sozialen und psychischen Gründen. Bei Fahrten an den Bodensee, in den Bayerischen Wald und nach Berlin, bei Tagesausflügen nach Alsfeld, Fulda und Koblenz (mit Weinprobe!) entstehen Freundschaften. „Viele fühlen sich ausgegrenzt, sehen dann aber, dass andere auch krank sind“, beschreibt Michael Jäger. „Das Leben hat nicht aufgehört. Es hat sich nur geändert.“

M.

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