Zeit für neue Horizonte

Mühlheim - Die Plakate hängen, das Bürgerhaus wird hergerichtet, sogar das Stadtparlament hat seine März-Sitzung vorverlegt wegen der Premiere der Schlagerrevue „Karamba“. Von Barbara Hoven

Langsam wird die baldige Ankunft des legendären Hamburger Schmidt Theater in Mühlheim spürbar - weshalb sich Redakteurin Barbara Hoven von Programmchef Mirko Bott über den Stand der Vorbereitungen informieren ließ.

Die Premiere in Mühlheim rückt näher. Steigt die Aufregung schon? Wie laufen die Vorbereitungen?

Mirko Bott

Auswärts ist die Aufregung natürlich immer noch etwas größer als bei einem Heimspiel. Vor allem steigt die Vorfreude auf etwas Neues, wenn man so offen aufgenommen wird, wie wir das in Mühlheim erfahren. Die Show steht, nun müssen noch einige logistische Aufgaben bewältigt werden, technische Besprechungen, Unterbringung, Anfahrt - das ist aufwendiger, als man denkt. Und deshalb sind unsere Mitarbeiter auch immer wieder vor Ort. Aber wir sind gut in der Zeit, alles läuft planmäßig. Das war aber zu erwarten, da wir aus Mühlheim jede Unterstützung erfahren, das macht vieles leichter. Wir haben nicht das Gefühl, dass wir dort als irgendein Mieter der Halle gesehen werden, sondern als - neben Gerdas Kleiner Weltbühne natürlich - Mühlheims neues Theater. Die Brandt-Halle ist ja ein funktionsfähiges Haus mit vielen Möglichkeiten. Wir werden Licht und Ton noch ein wenig aufstocken und versuchen, zum Beispiel durch Beleuchtung die Atmosphäre in Foyer und Halle noch ein wenig ansprechender zu machen.

Wann reist das Ensemble an, wann geht´s los mit dem Feinschliff vor Ort?

Unsere Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen sind schon seit einiger Zeit immer wieder vor Ort, aber die heiße Phase beginnt knapp eine Woche vor der Premiere. Die Show ist ja fertig, aber die Bühnenmaße und -verhältnisse sind etwas anders als im Schmidt Theater, so dass noch ein wenig was umgestellt werden muss. Licht und Ton müssen eingerichtet werden und das dann mit Solisten und Orchester zusammengebracht werden.

Wie läuft denn der Vorverkauf bisher?

Der Vorverkauf läuft durchaus zufriedenstellend, einige Vorstellungen sind schon ziemlich voll – aber noch bekommt man Karten. Wir verkaufen die meisten Karten aber eh nicht im Vorfeld, sondern über die Empfehlung zufriedener Besucher - und da liegt es leider in der Natur der Sache, dass das immer erst so richtig nach der Premiere losgehen kann.

Wann wird die Entscheidung fallen, ob das Gastspiel die ersten drei Monate überdauert? Wie muss die durchschnittliche Auslastung sein, damit eine Verlängerung lohnt?

Man kann nicht unbedingt erwarten, dass man irgendwo neu hinkommt und dann ist es im Automatismus ausverkauft. Man muss sich etablieren, durch Qualität überzeugen und die Menschen gut unterhalten. Das „Schmidt“ war auch nicht vom ersten Tag an Deutschlands erfolgreichstes Privattheater, das ist eine Entwicklung von zwei Jahrzehnten. Die Auslastung sollte aber schon bei Zweidritteln liegen, damit es sich rechnet.

Gibt es Vergünstigungen für die Mühlheimer?

Ja, im Mühlheimer Buchladen gibt es Kontigente nur für die Mühlheimer mit fünfzig Prozent Rabatt.

Wieso eigentlich ausgerechnet Mühlheim?

Der Kontakt kam über „Schmidt“-Chef Corny Littmann, der mit dem Team von Gerdas Kleiner Weltbühne gut befreundet ist. Bei seinen Besuchen dort wunderte er sich, dass es dort nebenan ein funktionstüchtiges Theater gibt, das kaum bespielt wird. Da blutet des Theatermannes Herz und da Corny ein Mann der Tat ist, ging er sofort dagegen an.

Passt so eine großstädtische Produktion hierher? Passen die Mentalitäten zusammen?

Bei „Griechischer Wein“ oder „Fiesta Mexicana“ wird überall mitgesungen, in Hamburg wie in Mühlheim. „Karamba“ ist eine temporeiche Revue mit den Schlagern der 70er – das passt überall, egal welche Mentalität!

Die Darsteller werden hier zwangsläufig in sehr engem Kontakt zum Publikum stehen. Ist das eine Umstellung?

Das ist keine Umstellung, im Schmidt Theater ist man vor den Darstellern auch im Zuschauerraum nicht sicher, da gibt es definitiv keine Berührungsängste. Wir sind ein Theater zum Anfassen und Mitmachen.

Fühlen Sie und das Team sich bisher gut aufgenommen? Oder gab´s Anlaufschwierigkeiten?

Überhaupt keine, von Anfang an war das ein super Miteinander – von den Mitarbeitern der Willy-Brandt-Halle bis zum Bürgermeister. Die wollen da was in Mühlheim auf die Beine stellen und die Halle beleben, das spürt man sofort - und wenn das ausgestrahlt wird, will man gern gemeinsam was wagen.

Wie groß ist das Ensemble? Und wo werden die Darsteller wohnen?

Das Ensemble besteht aus sechs Solisten, unserem Original-Tivoli-Orchester, den Kollegen, die Technik, Maske und Kostüm betreuen - mit Produktionsleiter Bernd von Arnim sind es ca. 15 Kollegen in Mühlheim, wo sie selbstverständlich auch wohnen werden. Theaterleute schaffen es nach der Vorstellung nur in die nächste Bar, nicht noch über den Main.

Sie sprachen jüngst noch von einem „Knüller für die Region“?

Dem Schmidt eng verbunden ist die Hamburg School of Entertainment, an der junge Musiktheaterdarsteller ausgebildet werden. Dort haben wir im Abschlussjahrgang ein komödiantisches und musikalisches Ausnahmetalent, Frederik Manuel Laube, den wir für „Karamba“ in Mühlheim neu engagiert haben. Dann erfuhren wir, dass er aus Bad Vilbel kommt und in seiner Heimat sein Bühnendebüt geben wird. Seine Eltern werden sich also vor der Haustür davon überzeugen können, dass sich die Investition in seine Ausbildung gelohnt hat.

Gibt´s für die Zuschauer eigentlich auch was zu trinken?

Es ist gute „Schmidt“-Tradition, dass man auf seinem Theatersitz nicht vertrocknet. Bei uns gibt es während der Show auch ein Bier, ein Glas Wein oder auch nur einen Saft, wer´s mag. Das gehört für uns zu einem entspannten Theaterabend genauso dazu wie gute Unterhaltung.

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