Querbeet-Kriminalkomödie gut besucht

Schon wieder eine Leiche

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Die geschwätzige Nachbarin Vreni Weiß (Hanna Seiwerth), die bei Familie Meuchler ein- und ausgeht, entdeckt das Fläschchen und hält von Diskretion nicht viel.

Mühlheim - Einen Toten verschwinden zu lassen, ist kein Pappenstiel. Taucht dann einer nach dem anderen auf, gestaltet sich die Aufgabe zunehmend diffiziler.

Die Laienspielgruppe Früh-Beet der St. Markus-Gemeinde zeigte in der Kriminalkomödie „Oje, schon wieder eine Leiche!“ von Brigitte Wiese und Patrick Siebler auf der Bühne im Gemeindezentrum am Wochenende, wie es klappen kann. Die Wohnung der Familie Meuchler dient im Ort als Marktplatz, wo alle ständig auftauchen. Und Ilse Meuchler, gespielt von Svenja Martius, hat auf einen Dauergast überhaupt keine Lust, auf Harry Hecht (Ducan Juli). Die windige Type hat sich bedauerlicherweise Ilses Gatten Werner (Tim Wunderle) als besten Freund ausgewählt. Allabendlich ziehen die beiden im Ort um die Häuser, besuchen Lokalitäten, die sich Probierstube und Hexestubb nennen. Ilse fürchtet, der Gatte schaut sich dort nach Frauen um. Obwohl sie der stichelnden und tratschenden Nachbarin Vreni Weiß, die abwechselnd Hannah Flach und Hannah Seiwerth mimen, versichert, ihr Werner sei eine treue Seele, „der holt sich außerhalb den Appetit, gegessen wird aber daheim“.

Ein Jahr probten die Nachwuchsschauspieler im Alter von 13 bis 24 mit den Regisseuren Daniel Schneider und Tim Rieth. Rieth spielt noch den Alexander, den Schwiegersohn in spe der Meuchlers, der Tochter Carmen (Elisa Grossmann) ehelichen will.

Alexander gilt zwischenzeitlich ebenso als Leiche wie Harry. Verantwortlich für die totenähnliche Ohnmacht ist die Einnahme eines Essens, das auf dem Wohnzimmertisch der Meuchlers rumsteht und sich „Powerporn“ nennt, „Das Stärkungsmittel für die geschwächte Manneskraft“.

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Zwar sind alle Kerle felsenfest überzeugt, auch ohne „Powerporn“ glänzend zurechtzukommen, aber ein bisschen „mal probieren“, will jeder. Was sie nicht wissen: Ilses Schwester, die Kleinganovin Toni Knast (Chiara Röder), plant mit ihrem Azubi Leo Meier (Salome Wagner) einen Kneipenwirt mittels K.-o.-Tropfen um die Tageseinnahmen zu erleichtern. Doch die ins Potenzfläschchen umgefüllten Tropfen vergisst Leo bei den Meuchlers. Und Ilse versteckt die lebenden Leichen aus Angst, die Polizei könnte sie für eine Mörderin halten.

Am Ende kippt noch der Pfarrer (Victoria Juli) aus den Latschen. Reporter Kritzler (Pascal Strauch) wittert eine Story – „Heiratsschwindler schlägt Pfarrer auf der Flucht nieder“. Denn Harry ist zwischendurch wieder erwacht. Das geplante Tête-à-Tête mit Lilli (Maja Lovric) muss er aber abschreiben. Lilli fand derweil heraus, dass Harry weder Ferrari fährt, noch Fincas besitzt und auch keinen Golfschläger schwingt. Eine Intimität mit dem Jogginganzugträger kommt für sie nicht mehr in Frage, „nie mehr will ich dich sehen“. Stets um Aufklärung mühen sich Kommissarin Müller (Caroline Wunderle) und Kollegin Metzger (Amelie Riva).

Das Publikum hatte in der fast ausverkauften Vorstellung am Samstag hörbar seinen Spaß an der illustren Komödie. Schauspieler und Regisseure nahmen die Proben augenscheinlich ernst. Dazu gehörte etwa auch, die Texthänger zu üben. Cool bleiben und abwarten bis Souffleur Daniel Schneider dezent und für die hinteren Reihen nicht mehr wahrnehmbar das Stichwort gibt, lautet die Devise. Bedauerlich ist nur, dass bei all der guten Arbeit, nach gerade mal zwei Vorstellungen bereits der letzte Vorhang fiel. (man)

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