Leere statt Schiffe in Schleuse

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Blick ins „Leere“ an der Schleuse. Schüler und Mitglieder des Geschichtsvereins beobachten die Instandhaltungsarbeiten.

Mühlheim - Wasser für 120.000 Badewannen muss raus. Gestern koppelten sie noch Schläuche an die Pumpen und verdichteten das Tor, um die gewaltige Menge Wasser außen vor zu halten. 15.000 Kubikmeter befinden sich sonst in der Schleusenkammer, die jetzt trockengelegt ist. Von Michael Prochnow

Bis Freitag nächster Woche untersucht das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Aschaffenburg zwischen Lengfurt und der Mühlenstadt elf Anlagen im Main und erledigt dringende Instandhaltungsarbeiten.

Damit ist der Schiffsverkehr zwischen Nordsee und dem Schwarzen Meer quasi zum Erliegen gebracht. „Wir haben den Termin bereits drei Jahre vorher angekündigt“, erklärt Katja Schmidt, Leiterin des Außenbezirks Hanau des WSA. So konnten die Reedereien die Unterbrechung planen, viele nutzen den Stillstand ebenfalls, um Wartungsarbeiten vorzunehmen. Dennoch bilden sich vor den Sperren lange Warteschlangen der Gütertransporter. „Die Schiffe werden am Freitag nach einer Rangliste abgefertigt“, informiert die Bauingenieurin. 3000 Euro koste ein Schiff seinen Eigner pro Tag – auch wenn es sich nicht bewegt!

Rund 140 Mitarbeiter des Amtes und 50 Beschäftigte von Fremdfirmen überholen und warten die Schleusentore, Umlaufverschlüsse sowie elektromechanische und -hydraulische Aggregate. In Mühlheim erfolgt zudem eine Bauwerksinspektion, außerdem nehmen die Fachleute kleinere Reparaturen an Betonflächen und Pollern vor. Dazu mussten Taucher das Becken am oberen und am unteren Ende mit so genannten Revisionsverschlüssen abschotten. Diese eingesetzten Wände werden an beiden Enden der Kammer mit Sprengwerk, Querbalken zur Betonwand, gesichert.

Schüler des Friedrich-Ebert-Gymnasiums zu Besuch

Für dieses Bauwerk interessierten sich Mitglieder des Geschichtsvereins und vier Schüler der Jahrgangsstufe E2 am Friedrich-Ebert-Gymnasium. Die Jugendlichen referieren demnächst im Fach Geographie über Aufbau, Funktionsweise und die Revision der Schleuse und ließen sich von WSA-Leiterin Katja Schmidt unterrichten. Dr. Claus Spahn beackert in dem Verein die Industriekultur und freut sich über den guten Kontakt zu dem Amt, von dem er Informationen aus erster Hand erhält, die er für seine Dokumentation verwenden kann.

Die Gäste erfuhren, dass die Abdichtung des Beckens auch mit Hilfe von Schlacke erfolgt: Verschieden grob körnige Steine und Körner verschließen dank der Strömung die letzten Schlitze, so dass in dem leeren Bassin in Gummistiefeln gearbeitet werden kann.

„Leider ist ausgerechnet jetzt auch die kleine Schleuse für Sportboote geschlossen“, fährt Katja Schmidt fort. Dort sei ein Hydraulikzylinder an einem der Tore undicht und müsse ausgetauscht werden. Das dauere vermutlich bis zum 26. April, „ausgerechnet jetzt, wenn der Frühling kommt und die Leute gerne ausfahren möchten“, bedauert die Chefin. Aber die Erneuerung könne nicht aufgeschoben werden. Und für die Kapitäne der kleineren Schiffe werde es schwierig, Platz zwischen den mächtigen Lastkähnen zu finden, wenn sich die Tore der großen Schleusen wieder öffnen.

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Der Stillstand habe aber auch Vorteile. So wirbele derzeit keine Schiffschraube die Schwebstoffe im Fluss auf. Bei Windstille könne man dann bis in drei Meter Tiefe schauen, weiß ein Mitarbeiter. Der Verkehr unterhalb der Staustufe Mühlheim kann weiter fließen, da von den Doppelkammern während der Revision jeweils eine geöffnet bleibt. Die Anlage bei Dietesheim war zuletzt 2009 komplett gesperrt, erinnert sich Katja Schmidt.

Nichts zu tun haben die Arbeiten mit dem Ansinnen, neue Wege für die flussauf- und flussabwärts ziehenden Fische zu installieren. Derzeit werden verschiedene Verfahren geprüft, hieß es. Für den Zug flussabwärts seien allerdings die Kraftwerksbetreiber zuständig.

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