Schwarz und gelb und wasserscheu

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Besuch bei einem Bienenstock.

Mühlheim/Obertshausen - Kein Problem für die Biene. Im Gegensatz zu ihren Besuchern machte dem kleinen Summer das regnerische und wenig sommerliche Wetter wenig zu schaffen. Von Michael Prochnow

Hobbyimker Rudolf Beck empfing am Sonntag 15 Interessierte an seinen Bienenstöcken auf dem Gailenberg, Ziel des jüngsten Ausflugs der Ortsgruppe Mühlheim in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW).

„Das war das erste Mal, das wir uns in die Autos gesetzt haben“, erklärte Vorsitzender Heinz Bruch. Auf diese Weise legten sie den als Spaziergang geplanten Weg vom Lämmerspieler Friedhof bis auf die Wiesen auf der höchsten Erhebung der Mühlenstadt zurück. Auch Becks Bienen verließen angesichts der Feuchtigkeit offenbar nur unwillig die unauffällig gestapelten Kunststoffkästen. Aber grundsätzlich sei Regen natürlich eher gut, „der Regen lässt die Pflanzen erneut blühen und bringt neue Nahrung“, argumentierte der Obertshausener für seine schwarz-gelben Mieter.

Der Gastgeber pflegt sein Hobby seit 1948. Damals war sein Vater mit einem Bienenschwarm in einem Schuhkarton aus der Gefangenschaft heimgekehrt. Seit 1987 unterhält der einstige Werkstattmeister mit Wurzeln im Sudetenland eine Hütte und rund ein Dutzend Stöcke im Wald zwischen Lämmerspiel und Steinheim. „Ich wusste bis dahin nicht, wie viele Ämter es in Deutschland gibt“, erzählte er mit seinem Tropenhut bei nachlassendem Regen von den Anstrengungen, alle notwendigen Genehmigungen für sein Steckenpferd zu erhalten.

Dabei hilft sein Honig sogar Allergikern der Region - weil die Bienen nunmal auch solche Blütenpollen sammeln, die unerwünschte Reaktionen auslösen. Werden die Pollen mit dem Brotaufstrich eingenommen, könne sich der Körper langsam an die „Fremdkörper“ gewöhnen, zitierte Beck die Medizin.

„Vom Krokus bis zur Herbstzeitlosen wächst hier fast alles“, beschreibt er den Vorteil des Gailenbergs. Die kleinen Arbeitstiere könnten über viele Wochen Blütenstaub einsammeln, denn auf der Lichtung gedeihe eine große Vielfalt an Pflanzen, von der Akazie über Wiesenblumen bis zu Kräutern.

Der Imker fürchtet jedoch den Drang der Landwirte zu Monokulturen wie weite Kartoffel- und Maisfelder. Raps sei sogar tödlich für seine Schützlinge. Das Saatgut für die leuchtend gelben Blüten werde „eingelegt“, erläuterte der Züchter, um es vor Vögeln und Mäusen zu schützen. Wolle eine Biene mit Staub von der Rapspflanze in ihren Stock zurückkehren, werde sie am Eingang von Artgenossen daran gehindert oder gar umgebracht.

Die lange Trockenheit im Frühling beschert Bienenfreund Beck voraussichtlich weniger Honig - dafür aber von besserer Qualität. Das treffe dann auch auf Propolis zu, ein Antibiotikum, das aus dem Stoff gewonnen werde, den die Bienen für das Verkleben ihrer Waben produzieren. Wenn ein Volk 20- bis 40 000 Bewohner zähle, informierte Beck weiter, teile es sich. Der Fachmann sammle die Brummer, die sich in einer Traube an einem Baum zusammenrotten, mit einem Eimer ein und gebe die Gemeinschaft in einen neuen Kasten mit vorgegebenen Rahmen.

Zwar haben die kleinen Flieger eine Lebenserwartung von lediglich sechs Wochen. Dafür könne die Königin bis zu 1000 Eier am Tag legen. Rudolf Beck unterstützt die Jungvölker dazu mit Zuckerwasser. Die gefüllten Waben nimmt er dann stets mit nach Hause, um sie auszuschleudern und die Honigprodukte fertig zu stellen.

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