Schwestern am Puls der Mode

Margot Lotz und Carmen Winkler führen das Mühlheimer Modehaus Dahlheimer

Gemeinsam führen Margot Lotz und Carmen Winkler das Modehaus ihrer Familie auch durch schwierige Fahrwasser wie die Corona-Krise.
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Gemeinsam führen Margot Lotz und Carmen Winkler das Modehaus ihrer Familie auch durch schwierige Fahrwasser wie die Corona-Krise.

94 Jahre Tradition, zwei Schwestern und eine Mission: Wäsche. Die Herzen der „Mädche’ vom Kappe’-Dahl“ schlagen für Strümpfe, Schals und T-Shirts sowie für alles, was im Bett und am Leib getragen wird. Margot Lotz und Carmen Winkler kennen die Moden eines halben Jahrhunderts, führen das älteste Fachgeschäft am Platz und die neuesten Trends im Modehaus Dahlheimer.

Mühlheim – „Bei uns kriegt man alles“, sagt Carmen durch die Maske, „wir sind schließlich ein Vollsortimenter“. Sie ist die „große Schwester“, zwei Jahre älter als Margot. Beide sind geborene Dahlheimer, waschechte Müllemer, erblickten im Haus an der Zimmerstraße 2 das Licht der Welt. Carmen begann bereits 1968 im Laden der Eltern eine Lehre zur Textilfachverkäuferin, Margot folgte zwei Jahre später. „Wir wurden beide übernommen“, vervollständigt die Ältere mit einem Schmunzeln.

Gegründet wurde das Geschäft von ihren Großeltern Anton und Johanna Dahlheimer an der Bahnhofstraße 5. Er hatte in Frankfurt den Beruf des Herrenschneiders gelernt und mit seiner Frau noch vor dem Krieg das Haus an der Ecke Zimmerstraße gekauft. „Der Laden war damals Herrenausstatter“, berichtet die ältere Enkelin. „Sie führten Hüte, Krawatten und Hemden, die Anzüge hat der Opa selbst genäht“.

Anton Dahlheimer starb bereits 1943, sein Sohn Georg musste also früh ran. Nach dem Umbau 1961 kam Damenmode hinzu, später erweiterten sie die Verkaufsfläche in den Altbau, in den eine Treppe führt. „Die 1970er waren gute Zeiten“, erinnert sich Carmen Winkler, „jeder wollte Nylon-Hemden, die man nicht bügeln muss.“ „Und Frauen wollten von Frauen bedient werden“, ergänzt Margot Lotz, „unser Vater zog sich ins Büro zurück“.

Seine Ehefrau Waltraud unterhielt damals noch eine Abteilung mit Kittelschürzen, beriet mit den Töchtern Käufer von Bettwäsche, Unterwäsche, Dessous und Miederwaren. „Wäsche geht heute wieder gut, bei Mode läuft’s verhalten, weil die Leute ja nicht weggehen können“, bewerten die Schwestern die aktuelle Lage. „Wenn eine Zeitschrift sagt, man trägt jetzt gar nix mehr am Fuß, dann verkaufen wir Daunenjacken und Schals, aber keine Strümpfe“, verdeutlicht Margot Lotz. „Wir haben die Zahl der Hersteller und unser Sortiment schon drastisch verkleinert.“

Durch Corona wurden Geschäfte vor Ort wiederentdeckt

So lange sich Frauen mit Kinderwagen daheim aufhalten, kaufen sie auch am Ort, lautet eine weitere Erkenntnis der Damen. „Wenn sie wieder arbeiten gehen, sind sie weg, ziehen den Online-Handel vor“, beobachten die Ladeninhaberinnen. Standen die Kunden früher schon um halb neun vor der Tür, kommen sie heute später. „Durch Corona haben viele die Geschäfte am Ort wiederentdeckt“, dafür sind die beiden Frauen dankbar. Sie bringen auch eine Auswahl Artikel zu älteren Kunden nach Hause.

Der erneute Lockdown bereitet den beiden Schwestern dennoch Sorgen: „Im Frühjahr sind die Bestellungen schon unter Dach und Fach, im Februar besuchen wir Messen, erledigen den Einkauf für September.“ Während der Schließung wollen die Schwestern ihre Inventur machen, „zum Glück müssen wir keine Miete bezahlen“. Aber die Corona-Hilfe brauchten sie schon, „sonst hätten wir’s nicht geschafft“, sagt die Jüngere. „Wir haben keine hohen Ansprüche, Hauptsache, es gibt was zu tun, auch im Kopf.“

„In“ seien gerade peppige Strümpfe, aber auch Feinstrumpf, Baumwolle und Wolle, „da haben wir eine riesige Auswahl“, wirbt Margot Lotz. „Unser Vater hat immer geschimpft, aber diese Sachen bringen den Umsatz.“ „Ideen haben wir genug“, gibt sie sich kampflustig, „aber in unserem Alter wird die Zeit knapp. Und der Laden lässt sich kaum vermieten“. (Michael Prochnow)

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