Soziologin Dr. Karin Stiehr berichtet im Kontakt-Werk

Sicherheit für Ehrenamtler

Soziologin Dr. Karin Stiehr referiert im Kontakt-Werk.
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Soziologin Dr. Karin Stiehr referiert im Kontakt-Werk.

Mühlheim - Im Kontakt-Werk, den Räumen des gemeinsamen Projekts von Engagementlotsen und Stadt, hat die Soziologin Dr. Karin Stiehr im Auftrag der Hessischen Staatskanzlei über Ehrenamt und Versicherungsschutz referiert. Von Michael Prochnow

Auch aus anderen Kreisstädten kamen Vertreter aus Vereinsvorständen, um sich zu informieren. „Sie sind versichert. Sie wissen vielleicht nicht wie und wo, aber sie sind versichert.“ So lautete die klare Botschaft und gute Nachricht gleich zu Beginn des Vortrags der Soziologin Dr. Karin Stiehr. Den Gästen, von denen die meisten viele Jahre in Sportclubs, Kirchengemeinden oder der Flüchtlingshilfe Verantwortung übernehmen, sind sich der Risiken bewusst: „Manche haben Lieder am Adventskranz gesungen, und kurz darauf ist das Gemeindehaus abgebrannt“, ließ die Fachfrau ihre Zuhörer zusammenzucken. Es gibt Verletzungen beim Sport, aber auch Schäden am Eigentum, etwa durch einen Autounfall auf dem Weg zur oder von der Übungsstunde. Ein Mitglied ist auf der berühmten Bananenschale ausgerutscht und hat sich ein Schienbein gebrochen.

Bei körperlichen Verletzungen ist die Frage, ob eine gesetzliche oder eine private Unfallversicherung die Behandlung übernimmt? „Die gesetzliche ist eine sehr deutsche Einrichtung“, erläuterte Dr. Stiehr. Sie stamme von der Arbeiterbewegung, entstand wegen unzumutbarer Arbeitsbedingungen, und weil Arbeitnehmer bei Krankheit und Alter sowie Arbeitsunfällen nicht versorgt waren. Auch die Familien waren unversorgt. Reichskanzler Otto von Bismarck habe die Forderungen der Arbeiter aufgegriffen, gelte heute als „Vater der Sozialversicherung“.

Die Kranken-, Renten- und Unfallkasse sei heute mit der Berufsgenossenschaft zuständig bei einem Arbeitsunfall eines Angestellten, die Genossenschaft tritt ein, wenn durch eine dauerhafte Behinderung gar das Haus des Betroffenen behindertengerecht umgebaut werden muss. „Hier ist der Personenkreis des Sozialgesetzbuchs VII automatisch eingeschlossen“, betonte der Gast, „also auch alle ehrenamtlich Tätigen, die auf dem direkten Weg zum und vom Treffpunkt verunglücken“. Der Wegeschutz gelte selbst, wenn der Verunglückte bis zu zwei Stunden von der regulären Zeit abweicht.

Wenn die Stimmung umschlägt: Jobs mit aggressiven Kunden

Ungebremst aggressiv: Für manche Berufstätige sind solche Begegungen trauriger Alltag - umso wichtiger ist, dass sie dafür gut geschult sind. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn
Jürgen Hennigfeld ist Pressesprecher des Jobcenters in Düsseldorf. Foto: Jobcenter Düsseldorf/dpa-tmn
Victor Ocansey ist Polizeihauptkommissar und Pressesprecher beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen. Foto: LAFP Polizei NRW/dpa-tmn
Axel Schad ist Vorsitzender der Nahverkehrsgewerkschaft (NahVG). Foto: NahVG/dpa-tmn
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Ein Verunglückter bekomme jedoch kein Geld, dafür werden selbst Behandlungen in Spezialkliniken und Reha-Einrichtungen bis zum behindertengerechten Fahrzeug finanziert. „Für die meisten Freiwilligen ist die Berufsgenossenschaft (BG) für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege zuständig“, unterrichtete die Sprecherin. „Sie sind fast vorbehaltlos versichert auf Gebieten von Sozialem und Gesundheit, das gilt auch für Flüchtlingshelfer.“ Welche Versicherung letztlich greife, komme auf den Satzungszweck des Vereins an. So sei die Verwaltungsberufsgenossenschaft für Mitarbeiter im Vorstand von kirchlichen und Sportvereinen zuständig, für Personen von Vereinigungen, die gemeinnützig in Bildung, Kultur und Umweltschutz tätig sind. Sie können sich selbst für 3,20 Euro pro Amt und Jahr versichern, bei Sportlern im LSBH ist der Betrag im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Ein Fall für die Unfallkasse Hessen sei, wer im Auftrag von Kommunen und Ländern in der Flüchtlingshilfe oder U-Plus-Betreuung an einer Schule aktiv ist sowie dann, wenn kein Schutz über die BG besteht. „Man muss nicht Vereinsmitglied, sondern einfach für das Gemeinwohl tätig sein“, hieß es.

Die private Unfallversicherung dagegen zahle bei Invalidität, die durch einen Unfall verursacht wurde. Mitglieder im Landes-Feuerwehrverband seien auch bei Vereinsaktivitäten abgesichert. Wird ein Laptop oder Handy beschädigt, trete die Vereinshaftpflichtversicherung ein. Sie biete auch Rechtsschutz, „deckt alle Grade der Fahrlässigkeit ab“. Daneben ließen sich Verpflichtungen als Veranstalter eigens versichern. Infos: gemeinsam-aktiv.de.

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