Silvester verschärft in Delhi

„Reismomente“: Mühlheimer schildern Asien-Reisen in Buch

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Kein Jahr nach der Rückkehr der Reiseautoren Anke und Robert Bär aus Asien kam Tochter Elena Kinarlee zur Welt.

Mühlheim - Zwei Mühlheimer sind dann mal weg. Das Ehepaar Bär verabschiedete sich für ein dreiviertel Jahr aus Deutschland. Jetzt veröffentlichen die beiden ein Buch über ihre Reise durch Asien.

Angeblich wittern manche Personalchefs durch die geschlossene Bewerbungsmappe die Zwischenluft in Berufsbiographien. Lassen sich zwischen Abitur mit 17 und Auslandssemestern in Harvard und an der Sorbonne zwei Wochen nicht belegen, ziert ein Fragezeichen den Rand.

„Dann habt ihr doch eine Lücke im Lebenslauf?“ fragt tatsächlich eine Frau, die von Robert Bär (31) auf dem Flohmarkt erst wissen wollte, warum das Paar „so viele schöne Sachen“ verkaufe. Er und seine Frau Anke (32) hatten neben der Wohnung ihre Jobs als Softwareentwickler und Erzieherin gekündigt, um nach Asien zu fliegen. Ihre Lebenslauflücken füllten sich während neun Monaten mit Erfahrungen, die zehn Jahre Job nicht hergeben. Während der Reise schrieben sie ihre Eindrücke auf. Diese fassten die Mühlheimer zu einem Buch zusammen, das unter dem Titel „Reismomente – Mit Rucksack und offenen Augen durch Asien“ erscheint.

Die erste Station ist Delhi. Die Bärs kommen zum Lichterfest an. Das beschreibt Robert als eine Art verschärftes Silvester. „Die Explosionen von Böllern ertönen wie entfernte Raketeneinschläge“, er fühle sich wie in einer tobenden Schlacht. Plötzlich rennen Passanten los. Jemand schreit. „In Zeitlupe sehe ich den Grund über den staubigen Boden rollen: Ein riesiger Böller.“ Wie Bär die Wirkung des folgenden Knalls beschreibt, hätte die nordindische Metropole auch als ‘Die Stadt, in der mein Tinnitus begann’ in Erinnerung bleiben können. „Die Lautstärke zerreißt mich. Dann höre ich nichts mehr. Totale Stille. Es folgt ein schrilles Pfeifen.“

Im selben Kapital mag es manchem ähnlich gehen wie etwa beim Lesen eines Berichts von der Durchquerung des Amazonasgebiets: Schaurig interessant, aber du willst nicht unbedingt dabei gewesen sein. Das erste Hotelbett der Reise wirke zwar frisch überzogen, „doch der Stoff ist übersät mit gelblichen Flecken“. Und dennoch am Ende des Tages: „Ich fühle mich auf eine Weise lebendig, wie ich es zu Hause nicht sein kann.“

In diesen Ländern lebt es sich am besten

Der Leser merkt, da schreiben zwei, die es unbedingt in die Ferne zog. Romantische Flausen haben die Routiniers in Sachen Unterwegssein keineswegs. Sie gehören nicht zu den deutschen Touristen, die ihre Ziele durch einen Weichzeichner sehen oder sich wie von einem Liebhaber, der sich als windig erweist, enttäuscht fühlen. Die Bärs ziehen mit unverstelltem Blick durch die asiatischen Städte und Landschaften.

Anke und Robert Bär besuchten 2013 und 2014 sechs Länder in neun Monaten. Die Eindrücke aus Indien, Thailand und Laos beschreiben sie facettenreich auf 423 Seiten in „Reismomente - Mit Rucksack und offenen Augen durch Asien“. Erscheinen über epubli Berlin für 12,90 Euro.

Anke Bär erzählt beim Fototermin vom Geschehnis auf einer thailändischen Autobahn. Das Ehepaar muss zum Flughafen. Irgendwann stoppt das Taxi. Der Fahrer steigt aus und gibt zur Straße hin ein Zeichen. Ein Rollerfahrer nimmt ihn mit. Da stehen die Mühlheimer mit Taxi, aber ohne Fahrer. „Du lernst, dem Schicksal zu vertrauen“, sagt Anke Bär. Der Chauffeur kommt, entgegen der Fahrtrichtung, zehn Minuten später mit einem Benzinkanister auf dem Roller zurück. Und die Bärs erreichen ihren Flug.

An einer Stelle im Buch schreibt Anke vom gesteigerten Wissensdurst der beiden, nicht nur über das jeweilige Land, sondern über die ganze Welt, und auch über Deutschland: „Es gibt jedoch immer ein Aber. Wir hatten keine Zeit, keine Lust oder waren zu geschafft.“ Meist habe die Kraft gefehlt, sich mit Neuem zu beschäftigen. (man)

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