Kegeln und Gemeinschaft

Beim SKV Mühlheim gehen auch noch Aktive der ersten Stunde zum Kegeln

Eingeschworene Gruppe: der SKV Mühlheim nach dem Training. Foto: wac

Seit 1984 wird beim SKV Mühlheim gekegelt. Auch wenn seitdem schon fast 40 Jahre vergangen sind, sind nocht viele Mitglieder der ersten Stunde dabei.

  • Beim SKV Mühlheim wird seit fast 40 Jahren gekegelt
  • Miteinander und Fleiß haben den SKV Mühlheim erfolgreich gemacht
  • Nachwuchs fürs Kegeln fehlt dem SKV Mühlheim

Mühlheim – „Scottish Dynamite“ schallt es durch den Seitenflügel von Mühlheims „Gud Stubb“, als Werner Mac Dougall gerade mit einem anspruchsvollen Wurf den letzten Kegel abgeräumt hat. Sein Name kommt nicht von ungefähr, sondern ist angeheiratet.

Mac Dougall ist Mühlheimer durch und durch. Und er war 1984 eines der Gründungsmitglieder des SKV Mühlheim, der damals noch an er Dieselstraße Jagd auf „alle neune“ machte. Der einzige, der dem Verein schon so lange die Treue hält, ist er längst nicht

Beim SKV Mühlheim ist Kegeln Leistungssport

Wer nun denkt, Kegeln sei mehr Kneipen- als Leistungssport, der könnte sich neben den Punktspielen auch bei den dienstäglichen Trainingsrunden in der Willy-Brandt-Halle eines Besseren belehren lassen. Bevor’s zum gemütlichen Teil übergeht, der für die Gruppe selbstredend auch dazu gehört, sieht man so manches über die Schultern gelegte Handtuch und verschwitzte Trikot.

„Bei 200 Würfen am Stück kommt’s besonders auf die Beinmuskulatur an“, weiß Thorsten Rast, ebenfalls Gründungsmitglied und Sportwart. „Wenn ich mal eine Woche Pause mache, dann merke ich das.“ Mit der richtigen Herangehensweise klappt es aber offensichtlich noch in gesetzterem Alter mit dem Kegelsport. Auch Thorsten Rasts Vater Wolfgang gehört mit seinen 80 Jahren zu den Aktiven.

SKV Mühlheim renovierte Kegelbahn in Eigenregie - mit Erfolg

Dafür, dass es wieder so richtig läuft auf den Bahnen, hat der SKV zusammen mit dem KV Mühlheim vor rund zehn Jahren selbst gesorgt, und vom Fußboden bis hin zu den Automaten und den Anläufen renoviert, was in Eigenregie möglich war. „Ohne die Unterstützung der Bürgerhaus GmbH und der Stadt wäre das hier aber natürlich nicht möglich“, betont der Vorsitzende Volker Hatzebruch.

Auch Bürgermeister Daniel Tybussek zeige großes Interesse – und das gerade auch in der Praxis, wenn die Vorbereitung für das Bürgermeister-Turnier ansteht. Hatzebruch hält mit 1013 Holz den Bahnrekord und weiß: „Kegeln ist ein Konzentrationssport, unter Druck wird’s schwieriger, aber wenn man einmal im Tunnel ist, dann läuft’s, dann könnten die hinten im Publikum auch eine Fastnachtssitzung machen, man trifft trotzdem.“ – „Aber das machen wir doch sowieso“, tönt es von einem anderen Tisch herüber.

Finanzielle Sorgen kennen die Kegler vom SKV Mühlheim nicht

Wenn ein Spieler mal nicht sonderlich gut aufgelegt ist, füllt das zumindest die Vereinskasse. „Jeder Fehlwurf kostet 15 Cent“, informiert Thorsten Rast, wird aber gleich daraufhin von einem Mannschaftskollegen korrigiert. „20 sind das inzwischen.“ „Ich musste halt lange nicht mehr bezahlen.“

Das Geld von den Mitgliedern komme ohnehin immer zuverlässig, bemerkt Kassenwart Mac Dougall – und bekommt daraufhin wegen der für die zweite Mannschaft nur bedingt zufriedenstellenden Saison von einem grinsenden Thorsten Rast den Rat: „Vielleicht sollten wir mal Siegprämien einführen.“

Besser schaut’s derzeit bei der ersten Mannschaft in der Gruppenliga 3 aus. Weil ab der nächsten Saison allerdings Ligen zusammengelegt werden, muss auch diese noch um den Klassenverbleib zittern. Das soll sich mit einem Sieg im letzten Heimspiel gegen Wiesbaden am kommenden Samstag um 11.30 Uhr ändern.

Kegeln beim SKV Mühlheim ist auch viel Miteinander

Zwar wolle man immer gewinnen, betont der Kegler Thomas Reisenbüchler, „aber bei uns geht’s ums miteinander“. Der ein oder könne sicherlich auch eine Liga höher spielen, allerdings müsste er dann eben auch auf die Gemeinschaft verzichten. Schließlich verbringen die Kegler oft den ganzen Samstag zusammen. Bei Heimspielen beginnt die erste Mannschaft immer um 11.30 Uhr, um 16.30 Uhr ist die zweite dran.

Das Anfeuern gehört genau so dazu wie der Ausklang danach. „Der Berufsalltag ist schon anstrengend genug, da sind der körperliche Ausgleich und die Gemeinschaft eine tolle Abwechslung“, erklärt Stephan Röhrig, weshalb er so gerne Teil der Gruppe ist. Und die nimmt auch sonst gerne Teil am gesellschaftlichen Leben in der Mühlenstadt. So durfte sich der SKV Mühlheim auch schon Stadtmeister im Boule nennen, organisiert außerdem zahlreiche Ausflüge und Feste.

SKV Mühlheim sucht nach Kegel-Nachwuchs

Eine Entwicklung der Vereinslandschaft macht aber auch und gerade keinen Bogen um die Kegler: Der Nachwuchs ist überschaubar bis nicht vorhanden. Dabei nehme man eigentlich jeden, so lange er einigermaßen versiert darin sei, mal einen Spruch auszuteilen und einzustecken. Allerdings, bedauert Hatzebruch, würde es den berufstätigen Aktiven auch an der Zeit fehlen, unter der Woche noch ein zusätzliches Training anzubieten.

VON CHRISTIAN WACHTER

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare