So lange keine Flugzeuge fliegen ...

Wie sich die Mühlheimer Großwäscherei Schwan während der Corona-Krise über Wasser hält

Keine Touristen, kaum Arbeit: Christoph (links) und Franz Quartier spüren die Corona-Einschränkungen in ihrer Großwäscherei Schwan am Südring erheblich.
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Keine Touristen, kaum Arbeit: Christoph (links) und Franz Quartier spüren die Corona-Einschränkungen in ihrer Großwäscherei Schwan am Südring erheblich.

Betreiber von Gaststätten, Fitnessstudios und Massagesalons gehören zu den Verlierern der Corona-Einschränkungen, die gestern verlängert wurden. Christoph und sein Sohn Franz Quartier müssen ebenfalls um ihre Zukunft zittern, denn sie leben von Gastbetrieben: Ihre Großwäscherei Schwan in Mühlheim reinigt, glättet und faltet Stoff von mehr als 50 Hotels im Umkreis von 30 Kilometern, zwischen sechs und acht Tonnen täglich. Normalerweise.

Mühlheim –„Wir haben bis März sechs Tage pro Woche gearbeitet“, beschreibt Senior Quartier den Erfolg seiner Firma, „sonst hätten wir das vom Volumen her gar nicht gepackt“. Im Februar registrierten sie sogar ihren besten Umsatz, „dann kam der Absturz“. Jetzt gibt der Betrieb am Südring nur noch montags und donnerstags vormittags Dampf. Weil die meisten Hotels geschlossen haben oder nur noch Geschäftsreisende bewirten dürfen.

„Unsere Hauptkunden sitzen in Frankfurt“, informiert Christoph Quartier. „Wir holen überwiegend Bett- und Frottierwäsche ab und bringen sie sauber zurück, in geringem Umfang auch Tischdecken.“ Auf 800 Quadratmetern stehen hinter den weißen Wänden Waschstraßen auf zwei Ebenen. Sie spucken alle zwei Minuten bis zu 40 Kilogramm Textilien aus, rund eine Tonne pro Stunde.

Säcke mit schmutziger Wäsche werden in eine Förderanlage gehängt. In luftiger Höhe öffnet sich die Unterseite, die Teile segeln durch einen Abwurfschacht in eine zehn Meter lange Trommel mit 13 Kammern. Darin durchlaufen sie Vor-, Klarwasch- und Spülbad. Eine Schnecke befördert die saubere Ware in eine Presse, wo sie von einem Stempel mit 40 Bar Druck in 30 Sekunden entwässert werden. Der „Presskuchen“ landet auf einem Band, wird in einem Schüttler aufgelockert.

Personal klammert die Ecken der Stücke an eine weitere Bahn, sie fahren bis unter die Decke der Halle, wo sie automatisch vermessen und sortiert werden. Kissen, Bettbezüge, Laken und Handtücher fallen in einen Vakuumschacht. Dort werden die Ecken ausgeschlagen, die Artikel in einer Riesen-Mangel mit drei Walzen getrocknet. Es folgen Luftstrahlfaltung, Stapelvorrichtung und Zählung. Fertig.

„Die Waschmittel werden immer ,grüner’“, ergänzt der Juniorchef, „manche sind komplett aus nachwachsenden Rohstoff.“

Sein Vater begann noch als Wäscher und Plätter. Heute beschäftigen die Textilreiniger-Meister noch 15 von 20 Mitarbeitern, darunter einen Geflüchteten, für den sich die Familie Quartier engagiert. „Wir haben eine gute Mannschaft und eine schlanke Verwaltung“, wirbt der Seniorchef. „Aber je länger die Situation andauert, desto schwieriger wird es, die Strukturen aufrecht zu erhalten.“ Die Belegschaft befindet sich in Kurzarbeit. „Das ist das wichtigste Instrument und fängt Einiges auf“, betonen die Männer. „Es wird schon viel gemacht“, lobt Christoph Quartier die Politik. Corona rege aber auch an, „sich zu besinnen, was wirklich wichtig ist im Leben“. Und dazu sammelte der Christ prägende Eindrücke in einem Entwicklungshilfeprojekt im Senegal.

Doch, „so lange keine Flugzeuge übers Haus schweben, haben wir keine Arbeit“, erklären die Geschäftsführer: Selbst nach dem Start von Impfungen erwarteten sie kaum Touristen. „Hoteliers geben auf, neue Besitzer öffnen mit neuen Konzepten“, sieht Franz Quartier Aufträge schwinden. „Vielleicht sind wir im Juni mit dem Gröbsten durch, aber wir müssen neu aufbauen“, fürchten die Geschäftsleute. „Auf das alte Niveau werden wir lange nicht kommen“, man müsse sich mit einer „neuen Normalität“ arrangieren.

(Von Michael Prochnow)

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