Kein Lockruf an Durchfahrer

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Die SPD ist entschlossen, die südlich der Bahn geplante Entlastungsstraße beim Gipfeltreffen der Mühlheimer Politik vom fast ewigen aufs ewige Eis zu legen.

Mühlheim - Für Drahtesel eine ideale Ost-West-Verbindung, aber für den Autoverkehr längst völlig ungeeignet – so lautet das einmütige Urteil der Teilnehmer an einem Spaziergang entlang der Bahntrasse.

Für die Südseite der Schienen existiert noch immer ein Plan aus dem Jahre 1972, eine Entlastungstraße zu bauen, die den lästigen Durchgangsverkehr zur Randerscheinung macht. Die SPD-Fraktion möchte dieses Vorhaben begraben und machte sich jetzt mit Gästen vor Ort ein Bild von der Lage.

Gleich zu Beginn der Besichtigung am Dietesheimer S-Bahnhof stieß die Gruppe auf eine Engstelle: Ein Zaun verengt die Durchfahrt zwischen Privatgrundstück und Gleisbett, sodass gerade noch ein Wagen auf dem Asphaltweg passieren kann. Hundert Meter weiter westwärts verengen die Vorgärten von Doppelhäusern die einst vorgesehene Trasse, danach folgen die Rampen für die Fußgänger-Unterführung und den Zugang zum Bahnsteig.

Stadträtin Erika Sickenberger besitzt einige Wohnungen auf der anderen Seite der Bahnstrecke. „Die Züge stören die Mieter kaum, aber die Autos“, berichtete sie von Schwierigkeiten, ihre Räume an der Fichtestraße zu vermieten. Die Bundesstraße 43 zwischen Offenbach und Hanau sei jedoch nur zu 50 Prozent ausgelastet, informierte Bürgermeister Daniel Tybussek über jüngste Zählungen. Und: Eine Verwirklichung des 40 Jahre alten Vorhabens müsse auch noch komplett von der Stadt geschultert werden.

Der Rathauschef schätzt eine zweistellige Millionensumme, da viele S-Bahn-Zugänge umgebaut und private Areale zugekauft werden müssten. Zudem würde die Kommune mit dem Straßenbau zusätzlichen Verkehr regelrecht anlocken - und Pendler würden bei der Durchfahrt nicht mehr anhalten, um bei der örtlichen Geschäftswelt das Frühstück einzukaufen.

Karlheinz Schmunck vom Fraktionsvorstand der Sozialdemokraten wies darauf hin, dass es sich bei der Kolpingsiedlung um eine bevorzugte Wohnlage handle, die durch eine Durchgangsstraße entwertet würde. Sinnvoller wäre es da schon, die Lücke im Südring vom Neuen Friedhof bis zum Sportgelände am Grünen See zu schließen.

In Höhe des ehemaligen Schanz-Geländes habe die Stadt bereits eine für die einst geplante Trasse freigehaltene Fläche der Montessori-Schule überlassen, die sie für Spielgeräte und Hochbeete nutzt. Ihr Vermieter und Förderer, Hans-Günter Zach, bewegt dem Gedanken, einen Anbau für das von einem Verein betriebene und gerade zur Gesamtschule erweiterte Lernzentrum zu errichten. Die städtische Fläche hinter seinem Grundstück werde von Park-and-Ride-Kunden als Parkplatz genutzt und könnte künftig auch als Zufahrt zur Schule dienen.

Mühlheims Stadtverordnetenvorsteher Harald Winter hält es für sinnvoll, die einst vorgesehene Entlastungsstraße lieber als schnelle Rad-Verbindung herzurichten. In der Parlamentssitzung morgen Abend (18 Uhr, neues Feuerwehrhaus) werde entschieden, ob die alten Pläne endgültig zu den Akten gelegt werden. Ohne Diskussion dürfte das nicht abgehen. Schon als die sozialdemokratischen Pläne vor Monaten ans Licht kamen, fühlte sich mancher Mühlheimer eines Traums beraubt.

M.

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