Spuk im Mühlheimer Wald

Zwischen Escape-Room und Theater: Vierte Finsternacht steht bevor

Vorbereitung für die Finsternacht: Mit der Planung haben Lasse Westphal (von links), Ulrich Noll und Tim Wunderle alle Hände voll zu tun.
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Vorbereitung für die Finsternacht: Mit der Planung haben Lasse Westphal (von links), Ulrich Noll und Tim Wunderle alle Hände voll zu tun.

Es passieren unheimliche Dinge im Mühlheimer Wald. Holzfiguren hängen im Geäst, Menschen verschwinden, Steckt die Bachliesel dahinter? Eine Frau, die im 18. Jahrhundert in der Mühlenstadt lebte und der nachgesagt wurde, sie sei eine Hexe? Jedenfalls wurde sie in einem Anfall von Lynchjustiz, so erzählt man sich, auf einem Wagen gefesselt im Wald ausgesetzt. Ein paar Tage später war sie verschwunden und der Spuk nahm seinen Lauf.

Mühlheim – Ein kleiner Ausschnitt der diesjährigen Finsternacht-Geschichte. In der vierten Auflage des interaktiven Mühlheim-Rollenspiels zieht es die Teilnehmer in den „Wald des Grauens“. Wer am Freitag, 30. Oktober, mitmacht, findet sich als Protagonist in einer Geschichte wieder, in der Können und Geschick den Ausgang der Finsternacht bestimmen.

Dafür haben mehr als 20 Mühlheimer um Ulrich Noll, Lasse Westphal, Tim Wunderle, Svenja Martius und Patrick Messer erneut viel Kreativität und Zeit investiert. Ein 40-Sekunden-Trailer auf Youtube gibt einen Vorgeschmack auf das, was die Teilnehmer erwartet. „Es ist kein Halloween-Party“, stellt Noll klar. „Wir sind kein Theater, kein Escape-Room, sondern irgendwas dazwischen“, umreißt Westphal das Konzept. „Die Teilnehmer werden in ein Szenario reingeschmissen und müssen damit klarkommen“, beschreibt Wunderle. „Sie sind die einzige Komponente, die kein Skript haben.“

Die Schauspieler, die unter anderem aus der Frühbeet-Gruppe kommen, sehr wohl. Zumindest eine Handlungsanweisung. „Jeder Schauspieler bekommt die Rolle, die am besten zu ihm passt und in der er sich entfalten kann“, sagt Westphal. Dafür proben die Akteure coronakonform in Kleingruppen mit Sicherheitsabstand. Für Kostüme und Kulissen sorgen die Mühlheimer ebenfalls selbst. Und auch zur Story, für die Noll das Grundgerüst geschrieben hat, trägt jeder im Team etwas bei. „Jeder hat eine andere Perspektive“, sagt Westphal, „wir ergänzen uns sehr gut“.

Finsternacht trifft den Nerv

Wie in den vergangenen Jahren starten die Teilnehmer bei der Finsternacht in verschiedenen Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten vom Schanz (zwischen 17 und 21 Uhr) aus zu den einzelnen Stationen, an denen Aufgaben zu lösen sind. 40 Teilnehmer können so pro Stunde in Achtergruppen aufgeteilt ihre ganz eigene Finsternacht erleben. Das trifft wohl den Nerv, mehr als die Hälfte der Tickets sind schon verkauft, informiert Noll.

Die Stationen, an denen die Schauspieler agieren, werden regelmäßig desinfiziert, und die Teilnehmer sind dort auch angehalten, Maske zu tragen, betont der Architekt aus Dietesheim, der für den Abend festes Schuhwerk und eine Regenjacke empfiehlt. „Wir sind etwa zwei Stunden im Wald“, kündigt Westphal an.

Bereits im Januar hat die Gruppe mit den Planungen begonnen „Es war klar, wir machen es wieder“, sagt Wunderle angesichts der durchweg positiven Rückmeldungen in den vergangenen Jahren. Die Ideen waren da, eine Story schon im Kopf.

Viel Zeit an der frischen Luft

Es sollte eine „Finsternacht-Prom“ werden, ein klassischer Abschlussball der 80er Jahre, und dann schlägt die Finsternacht im Stil der Zeit zu, sagt Noll. Auch das Rathaus als Kulisse hatte Bürgermeister Daniel Tybussek in Aussicht gestellt. Dann kam Corona. „Eigentlich wollten wir die Finsternacht dann ganz absagen“, blickt der Dietesheimer zurück. Zu schwierig war es, die ganze Planung voranzutreiben, zu ungewiss, ob die Finsternacht überhaupt so über die Bühne gehen könnte. Doch vonseiten des Schanz kam der Einwand: „Ihr seid die coronakonformste Veranstaltung“, berichtet Wunderle. „Und das stimmt“, meint er, „wir sind schließlich die ganze Zeit an der frischen Luft“. Seit August wurden die Planungen für den „Wald des Grauens“ intensiviert und gehen nun in die heiße Phase. „Logistisch ist die Finsternacht ein riesen Aufwand“, sagt Westphal über das Projekt, das im Zeltlager von St. Markus seinen Ursprung hatte.

Mittlerweile ist die Gruppe losgelöst vom Zeltlager und sammelt Jahr für Jahr Erfahrungen bei der Planung. „Wir werden von mal zu mal professioneller“, sagt Westphal, „und verlieren uns nicht mehr so im Detail“. Diesmal soll es weniger Rätsel und mehr Horror geben, kündigt Wunderle an. Zudem gibt’s an dem Abend ein Buch mit der Story, Fotos und Berichten vom vergangenen Jahr. Dafür können noch Werbeplätze gekauft werden, sagt Noll. Wer also das Projekt unterstützen möchte schreibt an finsternacht@web.de. (Ronny Paul)

Der Trailer für die vierte Veranstaltung baut Spannung für den „Wald des Grauens“ auf.

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