Pro Quadratmeter 8,20 Euro

Bald 30.000 Mühlheimer - Stadt legt Schwerpunkt auf den Wohnungsbau

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Vorne dank historischem Wasserturm am Ende der Dammstraße ein Wohnort mit reizvollem Ausblick, hinten mit Blick auf Lärmschutzwände, die das einstige Güterbahnhofgelände von der Bahnlinie abschirmt, ein Standort-Kompromiss – und so oder so ein großer Schritt im Rennen um neuen Wohnraum in Mühlheim: Das Luftbild aus dem Archiv unseres Fotografen Axel Häsler zeigt, wo die Reihenhaus-AG momentan mehrere Dutzend Reihenhäuser und Doppelhaushälften hochzieht. Die Niedrigenergie-Immobilien waren günstig und schnell verkauft. Vor allem an junge Familien und Frankfurt-Pendler.

Mühlheim - Es wird sehr bald 30.000 Mühlheimer geben. Eine Statistik mit Hindernissen. Denn mit der Einwohnerzahl wächst auch der Bedarf an Infrastruktur – Supermärkte etwa, Kitas und Wohnungen. Von Marcus Reinsch 

Mühlheim hat vorletztes Jahr 127 Wohnungen genehmigt, davon 56 in Mehrfamilienhäusern. Damit führt die Stadt die Statistik an. Für die Bedarfsdeckung braucht es allerdings viel mehr.

Was die Zahl der Genehmigungen für letztere betrifft, hat Mühlheim im Kreis die Nase gerade vorn. Das reicht allerdings noch nicht. Mühlheim wächst weiter. Schon bald wird es 30.000 Menschen geben, die ihren Haupt- oder Zweitwohnsitz in der Stadt angemeldet haben. Im Rathaus wertet man das Knacken der nächsten Zehntausender-Grenze nicht ohne berechtigten Stolz als ein Zeichen, dass „Mühlheim als attraktive Wohnstadt im Rhein-Main-Gebiet sehr gefragt“ ist. Bürgermeister Daniel Tybussek findet es „natürlich erfreulich, dass immer mehr Menschen hier wohnen wollen und können“. Wobei das eben auch Herausforderungen an den Ausbau der dafür nötigen Infrastruktur bedeute. Also etwa den „Erhalt der dezentralen Einkaufsmöglichkeiten in den Wohngebieten, der öffentliche Personennahverkehr, die ärztliche Versorgung oder die Bereitstellung von Betreuungsplätzen für Familien“. Die Voraussetzungen für Letzteres habe im Sommer der für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Liegenschaften verantwortliche Fachbereich VII mit dem Konzept für den Bau einer Kindertagesstätte in der Wilhelm-Busch-Straße auf den Weg gebracht (wir berichteten).

Seit Jahren Bumerang-Thema, nicht nur in Mühlheim und nicht nur in Wahlkämpfen: der Wohnungsbau. Da kann sich die Stadt vom Handlungsbedarf nicht freisprechen, nun aber durchaus mit einem Zahlenwerk des Regionalverbands beweisen, dass die Entwicklung positiv ist. Mit der Genehmigung von 127 Wohneinheiten im Jahr 2015 (davon 56 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern), nimmt Mühlheim im Kreis Offenbach den Spitzenplatz ein. Auf Platz zwei folgte Dreieich, auf drei Rodgau, auf vier Seligenstadt. Schlusslichter waren Dietzenbach und Heusenstamm.

Im vergangenen Jahr seien Bauanträge für 86 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern genehmigt worden, zählt Tybussek vor. Und für die letzten zehn Jahre ergebe sich eine Gesamtzahl von 700 Wohnungen, davon 440 im Geschosswohnungsbau. Eine wesentliche Voraussetzung dafür sei die Schaffung von Planungsrecht für Wohnungsbauvorhaben durch die Stadtplanung gewesen. Dabei sei es natürlich wichtig, dass Wohnraum in Mühlheim bezahlbar sei und bleibe. Erfreulich sei deshalb „in besonderem Maße, dass die Durchschnittsmiete in der Mühlenstadt mit 8,20 Euro pro Quadratmeter unter dem Schnitt des Regionalverbandes von 8,94 Euro pro Quadratmeter liege.

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Hierfür leiste die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft Wohnbau GmbH einen wichtigen Beitrag. Denn rund ein Drittel ihrer 1 300 Wohnungen ist heute noch öffentlich gefördert. Die Durchschnittsmiete aller Wohnungen, darunter auch alle neu sanierten und frei finanzierten Objekte, liege sogar unter sechs Euro pro Quadratmeter. Weil Mühlheim weiter wachsen werde, habe die Stadt auf eigenen Grundstücken, vor allem aber auf Arealen privater Eigentümer ein „großes Potential ausgemacht, da diese entweder überhaupt nicht bebaut sind oder deren planungsrechtliche Möglichkeiten nicht ausgeschöpft werden“. Letzteres zu ändern, bedürfe einer Entscheidung der Eigentümer, die in den letzten Jahren „davon rege Gebrauch gemacht haben“.

Außerdem werde die Wohnbau ihren Schwerpunkt auf die Schaffung von Wohnraum ausrichten. In den vergangenen Jahren hatte sie einen zweistelligen Millionenbetrag vor allem in den Substanzerhalt und die energetische Sanierung des Bestands investiert. Jetzt, nachdem der Doppelwohnblock an der Seewiese nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft gebraucht wird, „rückt mit dem Neubau die Ausweitung des Wohnungsbestands in den Fokus“. Am Gymnasium sollen Wohnungen für Familien und Senioren entstehen.

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