Präventiv gegen Blutsauger

Stadt Mühlheim geht mit Protein gegen Stechmückenplage vor

Kinderstube für Mücken: An diesem Waldtümpel in Lämmerspiel hat die Stadt bereits Larven bekämpft.
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Kinderstube für Mücken: An diesem Waldtümpel in Lämmerspiel hat die Stadt bereits Larven bekämpft.

Schon 2017 hatte der Magistrat von Mühlheim beschlossen, gegen Mücken vorzugehen. Jetzt gibt es einen Ansatz.

Mühlheim – Das Summen einer Mücke bei Nacht, kann einen um den Schlaf bringen. Mückenschwärme den ganzen Sommer lang sind eine Plage. Die ist im vergangenen Jahr wegen der starken Trockenheit in den Sommermonaten, die die Brutstätten von Stechmücken auf natürliche Weise dezimiert hat, ausgeblieben.

Doch dieses Jahr könnten die Brummer geballt zurückstechen. Denn in Teilen des Stadtgebietes sind Überflutungsflächen entstanden, etwa an den Rodauauen oder an den Waldrändern in Lämmerspiel und Markwald. Eine ideale Kinderstube für die Insekten könnte man annehmen. Daher hat die Stadt sich vor Kurzem mit Experten einen Überblick über die Situation verschafft und den Rat mitgenommen, eine gute Strategie bei der Bekämpfung der unterschiedlichen Arten auszuarbeiten.

Verschiedene Mückenarten plagen Mühlheim

Den Auftrag, Möglichkeiten zur Eindämmung der Stechmücken-Vermehrung auszuloten, hatte die Große Koalition dem Magistrat 2017 auferlegt, daher arbeitet die Verwaltung seit rund zwei Jahren mit der Speyerer Firma ICYBAC Mosquitocontrol GmbH zusammen. Diese sei unter anderem für die Erfolge entlang der Nidderauen verantwortlich, wie es vonseiten der Stadt heißt. Die beiden ICYBAC-Vertreter Dirk Reichle und Dr. Olaf Wittke haben Mitarbeitern des Sachgebiets Umwelt und Freiraum sowie Bürgermeister Daniel Tybussek bei der Begehung, die unter anderem entlang der gefluteten Wiesen des Talweges führte, Einblicke in die Lebenszyklen, die Ausbreitung sowie die präferierten Brutstätten der unterschiedlichen Stechmückenarten gegeben. An erster Stelle steht laut der Experten die Bestimmung der Mückenarten, da jede Spezies spezifische Brutstätten nutze. 

So hätten Untersuchungen der vergangenen Jahre ergeben, dass in Mühlheim sowohl Hausmücken als auch Wald- und Überschwemmungsmücken lästig werden können, deren Lebensweisen sich stark voneinander unterscheiden. Denn während die gemeine Stech- oder nördliche Hausmücke ihre Eier in stehendes Wasser, wie etwa in Regentonnen Übertöpfe oder Gießkannen ablegt und nur einen kleinen Aktionsradius von wenigen hundert Metern besitzt, entwickeln sich Waldmückenlarven über die Wintermonate in staunassen oder überfluteten Waldgebieten und werden dann bereits im Frühjahr für den Menschen lästig. Auch diese etwas größere, schwerfälligere Mückenart fliege auf der Suche nach ihrer Blutmahlzeit nicht sehr weit, informierten die Experten weiter.

Gute Aussichten trotz wandernden Mücken?

Langstreckenflieger sind dagegen die Überschwemmungsmücken, die auf der Suche nach Blut und neuen Brutstätten Strecken von bis zu zehn Kilometern zurückzulegen. Diese Mückenart lege ihre Eier in feuchten Boden, wo sie lange Jahre überdauern können. Werden die Flächen dann überflutet, können sich aus den Eiern bei günstiger Witterung, also meist im Sommer, innerhalb von wenigen Tagen über mehrere wasserlebende Larvenstadien flugfähige Brummer entwickeln. Bei wechselnden Wasserständen könnten so auf einer Fläche auch mehrere Generationen pro Jahr entstehen, betonten die Experten. So gelte es, den unterschiedlichen in Mühlheim vorkommenden Arten mit einer guten Strategie Herr zu werden und zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle einzugreifen.

Bürgermeister Tybussek meint, nun durch das vermittelte Expertenwissen eine gute Grundlage für zukünftige Entscheidungen über mögliche Maßnahmen zu haben. Eine erste wurde gestern schon eingeleitet. Da in den Waldgebieten von Markwald und Lämmerspiel bereits erste Larven gesichtet wurden, haben ICYBAC-Mitarbeiter ein spezifisch auf Stechmücken wirkendes Protein (BTI) ausgebracht. Das soll die Larven zum Absterben bringen und so die Population reduzieren. „Mir sind die Meldungen zahlreicher Anwohner an den Waldrändern von Lämmerspiel und Markwald noch gut im Gedächtnis“, erinnert sich Bürgermeister Daniel Tybussek an die Situation vor rund zwei Jahren. Die Stadt hofft, trotz der großen Anzahl potenzieller Brutstätten im wechselfeuchten Mühlheimer Wald, in den Gewässerauen und der teilweise großen Wanderfreudigkeit der Tiere einen guten Effekt zu erzielen.

Weniger Mücken für mehr Lebensqualität

An den Rodauauen haben die Experten hingegen noch keine Larven entdeckt. Damit sei dort erst zu rechnen, wenn die Flächen zwischenzeitlich abtrocknen und dann erneut überstaut werden. Nur durch diesen Wechsel entstehe der erforderliche Schlupfreiz für die Mückeneier.

Doch nicht nur die Stadt könne etwas gegen eine mögliche Mückenplage tun, auch jeder einzelne: „Wir brauchen natürlich auch die aktive Mitarbeit der Bevölkerung, die sich um ihre Gartenteiche und Regentonnen, die ideale Brutgebiete für die Hausstechmücke darstellen, kümmern müssen“, appelliert Tybussek. Im Sinne einer guten Nachbarschaft und für ein gutes Miteinander könne man nur gemeinsam die Lebensqualität auch in der warmen Jahreszeit erhalten. ron

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