Stadtmeisterschaft im Schach

Kein Favorit, dafür viel Spannung

Ein aktueller und ein ehemaliger Stadtmeister im Schach: Reiner Kästle (links) will seinen Titel verteidigen, Andreas Rönsch gehört zu denen, die das verhindern wollen. Foto: man
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Ein aktueller und ein ehemaliger Stadtmeister im Schach: Reiner Kästle (links) will seinen Titel verteidigen, Andreas Rönsch gehört zu denen, die das verhindern wollen. 

Die alljährlich von der Schachabteilung der Sport-Union organisierte Stadtmeisterschaft in den Vereinsräumen an der Friedensstraße hat begonnen. 

Mühlheim – Beim Spiel der Könige strahlt nicht jede Figur in jeder Phase des Spiels die gleiche Gefahr aus. Eine Stunde, bevor das Turnier losgeht, trainieren die beiden Teilnehmer Michael Apel und Jugendwart Reiner Liebske die siebenjährigen Elias und Alexander sowie den zehnjährigen Niklas. „Der Turm ist wertvoller als das Pferd“, erklärt Apel, „aber man darf ihn nicht zu früh bewegen“. Je stärker sich mit der Zeit das Brett lichtet, desto mehr Felder deckt der Turm ab. Liebske rät seinem Gegenüber, „passive Züge zu vermeiden“. Die ergeben meist nur gegen Ende einer Partie einen Sinn, wenn das Ergebnis auf ein Remis hinausläuft.

Im anderen Raum an der Friedensstraße, wo sonst das Blasorchester der Sport-Union Mühlheim probt, baut Andreas Rönsch mit dem amtierenden Stadtmeister Reiner Kästle die Bretter auf. Vor einem Jahr nahm Kästle noch als Gastspieler teil. Mittlerweile trat der Rumpenheimer dem Verein bei. 2019 gewann Kästle gegen den am Ende zweitplatzierten Michael Apel im entscheidenden Spiel mit knappem Vorsprung die Stadtmeisterschaft. „Eigentlich sah es so aus, dass ich verliere“, blickt er auf das Duell gegen den Gewinner von 2017 zurück.

Rönsch, der nicht genau weiß, ob er die Meisterschaft 2011 oder 2012 gewann, sitzt selbst am Brett und agiert außerdem als Leiter des Turniers. Ehe es losgeht, zeigt der 55-Jährige den Teilnehmern, auf welchem Zettel sie die Ergebnisse eintragen müssen. Falls er dann selbst noch spiele, bittet der Turnierchef, „mir nicht auf die Schultern zu tippen, um mitzuteilen, ,ich habe gewonnen’“.

Bei der Schachstadtmeisterschaft in Mühlheim geht es anders zu als so manches Mal in der Fußballbundesliga. Keiner kann verlässlich darauf setzen, wessen Name nach dem Finale neu eingraviert auf dem Sieger-Teller steht. „In den letzten zehn Jahren gab es sieben verschiedene Gewinner“, sagt Rönsch, der generell die Ausgeglichenheit in der Schachabteilung schätzt. „Egal, wer gegen wen spielt, einen klaren Favoriten gibt es nicht“. Eigentlich könne man in der Mannschaft, die in der Kreisbezirksoberliga spielt, die Plätze an den Brettern eins bis acht auch losen. Alleine deshalb nimmt es Titelverteidiger Kästle nicht übel, wenn Rönsch betont, mancher wolle, dass er nicht wieder gewinne, „aber nimm das bitte nicht persönlich“.

Für die Stadtmeisterschaft kann sich jeder anmelden. Pünktlich auf den Glockenschlag erscheint Tim Neidig, der im vergangenen Jahr auf dem dritten Rang landete. Der 22-Jährige, der in Frankfurt Physik studiert, ist mit Abstand der Jüngste im Feld. Im Plausch während der Auslosung, die bestimmt, wer als erstes gegen wen antritt, erzählt Dr. Georg Hechler, einer seiner Söhne habe mit Tims Vater einst in Darmstadt Elektrotechnik studiert. Hechler gewann vor 52 Jahren zum ersten Mal die Stadtmeisterschaft von Offenbach. Der 87-Jährige ist der älteste Spieler im Verein.

Das Los entschied, dass er heute nicht ans Brett darf. Denn einen Tag zuvor hatte sich der Abteilungsleiter Andreas Curth kurzfristig wegen eines beruflichen Termins abmelden müssen. Alle sind damit einverstanden, dass Curth seine Partie gegen Hechler in der nächsten Woche nachholen kann, wodurch sich der Entscheid verlängern wird. Im weiteren Verlauf wird jeder gegen jeden spielen. Wie schon im vergangenen Jahr meldete sich auch diesmal keine Frau an.

VON STEFAN MANGOLD

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