„Wir müssen die Richtung vorgeben“

Stadtverordnete wollen bei Gestaltung des Lämmerspieler Ortskerns mitreden

Diskussion um Lämmerspiels Mitte: Die Stadtverordneten wollen die Planungshoheit über das Areal des Landhauses Waitz und der TG Lämmerspiel behalten. Foto: häsler
+
Diskussion um Lämmerspiels Mitte: Die Stadtverordneten wollen die Planungshoheit über das Areal des Landhauses Waitz und der TG Lämmerspiel behalten.

Einigkeit herrscht in der Mühlheimer Stadtverordnetenversammlung, dass man die Entscheidungshoheit darüber behalten möchte, was in Lämmerspiels Mitte passieren soll, wenn das Landhaushotel Waitz Ende Oktober schließt.

Mühlheim - Einig darüber, was dort passieren soll, sind sich die Fraktionen aber noch nicht. Ein Entwicklungskonzept soll her, fordern die Grünen. Dieses soll nicht nur das Waitz-Gelände, sondern auch die umliegenden Flächen miteinbeziehen. Die Fraktion nennt das Gelände rund um den Spielplatz an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße und das der TG Lämmerspiel. Zwischen TG und TSV etwa gibt es die Idee, eine gemeinsame Heimat am Offenbacher Weg zu finden. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Auch SPD und CDU wollen in Lämmerspiels Kern die „städtebaulichen Interessen“ der Stadt gewahrt sehen. Doch noch haben sich die vier Fraktionen nicht zu einem gemeinsamen Antrag durchringen können, der erklärte Zielsetzung ist. Ein Papier könnte noch bis zur letzten Stadtverordnetenversammlung vor der Sommerpause – am Donnerstag, 19 Uhr, in der Willy-Brandt-Halle (Dietesheimer Straße 90) – folgen.

Zumindest sehen die Fraktionen schnellen Handlungsbedarf. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bauwesen, Sicherheit und Umwelt deutlich. Der CDU-Stadtverordnete Peter Helmle verkündete, mit dem Waitz-Gelände sei irgendetwas im Busch. Er habe mit Hotelier Steffen Waitz gesprochen und der habe etwas von 150 Wohnungen erwähnt. „Da müssen wir schnell reagieren“, forderte der in Lämmerspiel verwurzelte Christdemokrat. Dass dort etwas im Busch sei, vermutete auch Ewald Renner (Bürger für Mühlheim): „Hier geht es nicht um Kleinigkeiten, das ist ein riesen Areal.“ Man habe noch Hoffnung gehabt, dass noch ein bisschen Zeit sei, sagte Grünen-Fraktionschef Volker Westphal. Nun benötige man schnell einen Bebauungsplan: „So können wir mitreden und nicht nur hinterherlaufen.“ Das sah auch Richard Rocker (SPD): „Wir müssen die Richtung vorgeben.“

Eine Bauvoranfrage gebe es bislang nicht, versicherte Till Böttcher, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften. Für ihn und seine Mitarbeiter sei es jetzt wichtig, dass man wisse, in welche Richtung es gehen soll, sagte Böttcher vor den Stadtverordneten. Auch Bürgermeister Daniel Tybussek (SPD) bat um eine inhaltliche Diskussion. Die Richtung, in die ein Entwicklungskonzept gehen solle, sei für ihn noch unklar: „Ein Aufstellungsbeschluss muss mit einer Zielsetzung verbunden sein.“ Er wünsche sich eine Leitlinie und eine Prioritätenliste vom Parlament, etwa bezogen auf Geschosshöhen, Stellplätze und Gewerbe, die der zuständige Fachbereich in einen Entwurf einarbeiten könne. Zudem verwies Tybussek auf einen bereits bestehenden Bebauungsplan (L9) für einen Teil des Areals.

Einige Gestaltungsvorstellungen nennen sowohl die Grünen als auch SPD und CDU in ihren Anträgen. So möchte die Große Koalition das „Edvino“ als Gebäude erhalten, den Durchgangsverkehr zwischen Bischof-Ketteler- und Dietrich-Bonhoeffer-Straße vermeiden und Möglichkeiten für eine fußläufige Querung umsetzen. Zudem will die Groko den vorhandenen Schulweg zur Brüder-Grimm-Schule sichern, ein Stellplatzkonzept entwickeln, „das auch dem Umfeld gerecht wird“ und kein zusätzlicher Parkdruck entsteht. Zudem solle „eine hohe Aufenthaltsqualität im neuen Quartier etwa auch nach ökologischen Gesichtspunkten“ sichergestellt werden.

Die Grünen wünschen sich eine „attraktive Mischung aus locker angeordnetem Geschosswohnungsbau in maximal drei bis viergeschossiger Höhe“ sowie für Raum für Dienstleistungen und Einzelhandel. Wohnungen über Verkaufsräumen zu bauen und Parkplätze unterirdisch anzulegen eröffne neue Perspektiven für Lämmerspiel und helfe, die Attraktivität des Stadtteils auszubauen, finden die Grünen.

Von Ronny Paul

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare