Parteienvielfalt nimmt zu - SPD bleibt stärkste Kraft

Mühlheimer Stadtverordnetenversammlung wird bunter

Doppelt und dreifach geschützt sind die Wahlhelfer in den Wahllokalen: Wie in den neuen Räumen der Sport-Union (links), in denen sonst das Blasorchester übt. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter tragen medizinische Masken und sitzen zwischen mobilen Plastikwänden. Zur Mittagszeit herrscht reger Andrang, im Gang stehen Wähler mit Abstand in langen Schlangen. In den Saal darf nur jemand eintreten, wenn eine andere Person seine Kreuzchen gesetzt, die großen Bögen gefaltet, in der zur Wahlurne umfunktionierten Tonne versenkt und den Raum verlassen hat.
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Doppelt und dreifach geschützt sind die Wahlhelfer in den Wahllokalen: Wie in den neuen Räumen der Sport-Union (links), in denen sonst das Blasorchester übt. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter tragen medizinische Masken und sitzen zwischen mobilen Plastikwänden. Zur Mittagszeit herrscht reger Andrang, im Gang stehen Wähler mit Abstand in langen Schlangen. In den Saal darf nur jemand eintreten, wenn eine andere Person seine Kreuzchen gesetzt, die großen Bögen gefaltet, in der zur Wahlurne umfunktionierten Tonne versenkt und den Raum verlassen hat.

Noch sind es nur Trendergebnisse, da die Bewerberstimmen erst noch in den kommenden Tagen ausgezählt werden müssen. Aber wenn der Trend so bleibt, vergrößert sich die Stadtverordnetenversammlung in Mühlheim erheblich. Zwar hätte „Die Partei“ mit einem Sitz keine Fraktionsstärke, es würden aber sieben, anstatt der bisher vier Farben zukünftig um die Geschicke der Stadt debattieren.

Mühlheim – Die bisherige Regierungskoalition aus SPD und CDU hätte – Stand gestern Abend – die Mehrheit von 23 Sitzen knapp verpasst. Es kann aber, das soll ausdrücklich erwähnt sein, noch einige Verschiebungen geben.

Das sieht auch SPD-Spitzenkandidat Harald Winter so. Er habe die Rückmeldung aus dem Wahllokalen bekommen, dass mehr als 50 Prozent der Bürger kumuliert und panaschiert haben. Von daher gehe er davon aus, sagt der Stadtverordnetenvorsteher, dass die SPD „noch drei Sitze dazubekommt“. Er sei mit dem Ergebnis zufrieden, „wir bleiben mit Abstand die stärkste Kraft“, betont er und blickt auf einen „fairen Wahlkampf“ mit einer „super Stimmung im Team“ zurück.

„Alles weitere sehen wir, wenn das amtliche Endergebnis steht“

Ebenso wie Winter vom bisherigen Koalitionspartner will CDU-Spitzenkandidat Marius Schwabe das Trendergebnis mit Vorsicht genießen. „Wir wissen von den vergangenen Wahlen, dass sich die Zahlen noch deutlich in alle Richtungen verändern können.“ Er wolle allen Wählern danken, die der CDU das Vertrauen geschenkt haben und sei auch mit dem Wahlkampf unter den schwierigen Bedingungen zufrieden, sagt Schwabe. Er sei allen Beteiligten dankbar, „wir haben im Team super funktioniert“.

Kräftig zugelegt haben die Grünen. Deren Spitzenkandidatin und ehemalige Erste Stadträtin Gudrun Monat freut sich, ihr Bauchgefühl habe sie nicht getrübt. Das „motivierte Team“ mit vielen jungen Kandidaten habe einen „super Wahlkampf hingelegt“. Man sei stets bei den Inhalten geblieben. „Alles weitere sehen wir, wenn das amtliche Endergebnis steht“, betont Monat.

„Es sieht nicht so schlecht aus“, sagt Dr. Jürgen Ries, Spitzenkandidat der Bürger für Mühlheim mit Blick aufs Trendergebnis. „20 Prozent für uns stimmen mich ziemlich glücklich – angesichts der Konkurrenz.“ Trotzdem wolle er die Auszählung abwarten, da das Trendergebnis schwierig zu interpretieren sei. Ries schwärmt von einer „tollen Truppe“, die einen „super Wahlkampf“ gemacht hat. „Wir waren noch nie so gut aufgestellt.“

„Noch nie so zufrieden gewesen“

FDP-Spitzenkandidat Michael Bill findet das Trendergebnis der Freien Demokraten „nicht so schlecht“, vor allem, wenn man sich die Ergebnisse der vergangenen beiden Kommunalwahlen anschaue. Da schnitt die FDP mit einem (2011) beziehungsweise keinem Sitz (2016) schlechter ab. „Wenn’s bei zwei Sitzen bleibt, sind wir zufrieden“, sagt Bill, hofft aber noch, dass vielleicht noch der ein oder andere Sitz nach dem Auszählen der Bewerberstimmen hinzukommt. Zufrieden sei er, „wenn es denn so bleibt, dass die Große Koalition ihre Mehrheit verloren hat. Dann wäre unser Ziel erreicht“.

Dieses Ziel hat auch Die Partei verfolgt, sagt Spitzenkandidat Helge Kuhlmann. Er spricht von einem Megawahlergebnis, mit dem er nicht gerechnet habe. Er sei mit den Kandidaten „noch nie so zufrieden gewesen“. Aber er wisse auch, dass sich das Ergebnis noch verändern werde.

Erstmals ins Parlament einziehen wird wohl auch die AfD, die nach dem Trendergebnis auf zwei Sitze kommt.

Wie es letztendlich ausgehen wird, werden die kommenden Tage zeigen. Ab heute werden alle Stimmzettel, bei denen die Wähler kumuliert und panaschiert haben von den gebildeten Auszählungswahlvorständen im Rathaus erfasst. Dies kann sich nach Auskunft von Tristan Gerfelder, Fachbereichsleiter Allgemeine Dienste, durchaus einige Tage hinziehen, bevor dann ein vorläufiges Endergebnis vorliegt. Die Stimmzettel der Ausländerbeiratswahl werden nach Abschluss der beiden Wahlen (Gemeinde und Kreis) ausgewertet.

Es wurden rund 6950 Briefwahlunterlagen beantragt, etwa 6500 davon sind zurückgekommen heißt es aus dem Wahlamt. Insgesamt 186 Freiwillige haben ehrenamtlich in den Wahllokalen beim Auszählen geholfen. „Beeindruckend, was die leisten“, heißt es anerkennend aus dem Rathaus. (Ronny Paul)

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