Stadtwerke langen zum Sommer hin

Mühlheim - Für viele Mühlheimer war der Gang zum Briefkasten dieser Tage mit einer unangenehmen Überraschung verbunden: Ein Schreiben der Stadtwerke informierte rund 3800 Gaskunden darüber, dass sie mit Wirkung zum 1. Juli tiefer in die Tasche greifen müssen. Von Barbara Hoven

Ein Schritt, den die Mühlheimer Stadtwerke nicht alleine gehen. Deutschlandweit haben aktuell viele Unternehmen Preissteigerungen angekündigt, im Schnitt um etwa zehn Prozent. Da liegen die Stadtwerke jedoch drüber.

Im gängigsten Tarif „m.gas“ verteuert sich das Heizmittel von 5,39 auf 6,25 Cent inklusive Mehrwertsteuer - was gegenüber dem seit 1. Januar berechneten Preis eine Erhöhung von etwa 16 Prozent bedeutet. Konkret heißt das: Eine vierköpfige Familie, die in einem Haus lebt und im Jahr 20 000 Kilowattstunden Gas verbraucht, zahlt künftig 1300 Euro. Nach bisherigem Tarif wären 1170 Euro fällig geworden. Wolfgang Kressel, Geschäftsführer der Stadtwerke, nannte gestern im Gespräch mit unserer Zeitung zwei Gründe dafür, dass der Gaspreis derzeit anziehe. „Zum einen wird durch die Debatten zum Atomausstieg derzeit verstärkt Gas nachgefragt, das gilt auch international“, sagt Kressel. Ein wichtiger Grund für den Preisschub seien zudem die Auswirkungen der Krisen in Nahost und Nordafrika. Diese hätten zu steigenden Ölpreisen und damit - im Zuge der sogenannten Ölpreisbindung - auch zu steigenden Einkaufspreisen beim Gas geführt. „Wir lagen jetzt eine Zeit lang auf Discount-Niveau, aber jetzt sind wir gezwungen nachzuziehen.“

Das gefällt den Verbrauchern natürlich nicht, die ersten Beschwerden gibt es auch schon. „Wer im Internet recherchiert, erfährt vergleichbare Konkurrenzpreise, die schon bisher deutlich günstiger liegen als in Mühlheim“, schreibt etwa Gaskunde Rudolf Helpensteller. „Mit der neuerlichen „Preisanpassung“ sind in Zukunft vergleichbar bis zu rund einem Viertel mehr für Gasenergie in Mühlheim aufzubringen - eine bemerkenswerte Preisdifferenz.“ Dabei, meint der Mühlheimer, habe man doch in dieser Stadt nicht nur unabhängig sein wollen, sondern die Bürger auch günstig(er) mit Strom und Gas versorgen wollen. Helpensteller fragt: „Warum können andere Versorger so viel preiswerter das Gas anbieten?“

Die, die Gas günstiger anbieten, seien Discounter ohne eigenes Netz, erklärt Wolfgang Kressel. „Die haben im Gegensatz zu uns nicht die Verpflichtung, eine Grundversorgung sicherzustellen, müssen keine Barzahlung akzeptieren und haben es administrativ sehr viel leichter.“ Entscheidend sei aber vor allem das Thema Beschaffung: „Die Discounter können sich da sehr viel freier am Markt bewegen, wir müssen viel langfristiger planen und Risiko-minimiert arbeiten, damit können wir natürlich nicht der Billigste sein.“ Kressel geht davon aus, dass auch viele der freien Anbieter noch in diesem Jahr die Preise anheben werden.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare