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Stop and Go auf dem Untermain

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Vier auf einen Streich: Derzeit ist rund um die Mühlheimer Schleuse viel Verkehr. Immer wieder kommt es zu Staus. © M.

Mühlheim - Nicht nur auf den Autobahnen der Republik staut sich in diesen Wochen der Verkehr. Was sommerferienbedingt meist samstags auf der A 3 zwischen Würzburg und Nürnberg im Verkehrsfunk gemeldet wird, spielt sich aktuell auch im Frachtverkehr auf dem Main ab. Von Heiko Wiegand

Besonders auffällig stellte sich das Stop-and-Go-Gezuckel der Mainschiffe gestern früh zwischen Hanau und der Staustufe Mühlheim dar: Während gegen 7 Uhr ein talwärts fahrender Frachter bereits an der Steinheimer Brücke die Motoren abstellte und sich sanft Richtung überlasteter Mühlheimer Schleuse treiben lies, warteten vor der Staustufe bereits einige Lastkähne auf Durchlass in Richtung Mainmündung. Die Kammern waren zu diesem Zeitpunkt voll belegt. „An normalen Tagen schleusen wir rund 50 Schiffe pro Tag. Im Moment sind es bis zu 70 - und das bereits seit eineinhalb Wochen“, sagte Katja Schmidt, Leiterin des Hanauer Außenbezirks des Wasser- und Schifffahrtsamtes Aschaffenburg.

Der Transitverkehr Richtung Süden, zur Donau hin, sei Hauptgrund für die stark benutzte Bundeswasserstraße. Unterwegs seien in diesen Tagen aber auch mehr Fahrgastschiffe: „Die Ausflugsreeder versuchen die hohe Nachfrage zu befriedigen. Das Wetter ist im Moment herrlich, wir haben Sommerferien. Das passt alles hervorragend zusammen“, so die Leiterin der Hanauer Außenstelle.

Verkehrsstaus wegen der Sommerferien - ein durchaus bekanntes Phänomen in unseren Breiten... Erschwerend komme für Mühlheim allerdings hinzu, „dass diese Staustufe nur über eine Schleusenkammer verfügt - im Gegensatz etwa zu Offenbach. Dort gibt es zwei Kammern“, erläutert Katja Schmidt.

Zäh fließender Verkehr auf dem Untermain wegen erhöhten Verkehrsaufkommens, während andernorts in Deutschland von einer Krise in der Binnenschifffahrt gesprochen wird, die der allgemeinen Wirtschaftskrise folgt: „Ich war neulich in Norddeutschland unterwegs. Denen da oben geht‘s im Moment erheblich schlechter“, hat Schmidt beobachtet. Zurückgegangen seien die Tonnagezahlen vor allem im Agrarbereich und beim Benzin- bzw. Öl-Transport.

Aber auch an der rund 60 Kilometer entfernten Mainmündung seien die Transportzahlen in der Binnenschifffahrt zurück gegangen. „Die Schleuse Mainz-Kostheim zählt als Tor in den Main. Dort wurden im gesamten Jahr 2008 insgesamt 16,8 Millionen Tonnen Güter gezählt. Im ersten Halbjahr 2009 waren es gerade mal 5,3 Millionen Tonnen“, rechnet die Leiterin der Hanauer Außenstelle vor. Das ist innerhalb eines Halbjahres also nicht einmal ein Drittel der Gesamttonnage des vergangenen Jahres an dieser Stelle.

Ist der starke Verkehr auf dem Untermain seit eineinhalb Wochen also auch ein erster positiver Indikator für eine langsam sich wieder erholende Wirtschaft in unserer Region? Niemand weiß, ob sich der Verkehr auf dem Main demnächst wieder normalisiert. Vielleicht am Ende der Sommerferien?

Schleuse seit fast 30 Jahren in Betrieb

Hintergrund zur Kanalisierung des Mains seit dem Ende des 19. Jahrhunderts

Es war das Jahr der deutschen Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land, als mit dem Ausbau des Mainabschnitts zwischen Offenbach und Großkrotzenburg begonnen wurde. Mitte der 70-er Jahre starteten in diesem Abschnitt beispielsweise auch die Arbeiten zur Begradigung des Mains in Höhe der Altstadt des Hanauer Stadtteils Steinheim. Zudem wurden die alten Staustufen Mainkur und Kesselstadt durch die neue Staustufe Mühlheim ersetzt, die am 22. Januar 1980 in Betrieb genommen wurde. Seither dient die ehemalige Schleusenanlage Mainkur als Sportboothafen.

Die Staustufe Mühlheim verfügt zudem über ein Wasserkraftwerk. Sie besteht darüber hinaus aus Schleuse und Wehr. Die Fallhöhe - also der Unterschied zwischen Ober- und Unterwasser - beträgt in Mühlheim exakt 3,77 Meter; die Schleusenkammer ist 300 Meter lang und zwölf Meter breit, die Bootsschleuse hat ein Ausmaß von 20 mal vier Metern.

Begonnen wurde mit der Kanalisierung des Mains allerdings schon Ende des 19. Jahrhunderts - genauer: im Oktober 1883. Drei Jahre später vollendeten Wasserbauer den Frankfurter Westhafen. Während die Mainschifffahrt vor 1886 jährlich nur rund 18 000 Tonen transportiert hatte, waren es dank der Kanalisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits mehr als zwei Millionen Tonnen.

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