Surreales aus dem Corona-Alltag

Der Mühlheimer Künstler Klaus Puth liefert Heiteres in schweren Zeiten

Die „Bricklebritt“- Szene aus dem Grimm-Märchen „Tischlein deck dich“ hat Künstler Klau Puth unter dem Eindruck der Pandemie neu interpretiert.
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Die „Bricklebritt“- Szene aus dem Grimm-Märchen „Tischlein deck dich“ hat Künstler Klau Puth unter dem Eindruck der Pandemie neu interpretiert.

Bekannt und beliebt ist der Mühlheimer Zeichner, Karikaturist und Illustrator Klaus Puth nicht nur im Rhein-Main-Gebiet. Seit der Verleihung des Mühlheimer Kulturpreises 1999 hat der vielseitige Künstler seinen Aktionsradius auf ganz Deutschland ausgeweitet, bei neuen Projekten zuletzt bis hin ins Ausland.

Mühlheim – Dabei haben es auch Spitzenkünstler wie er in Corona-Zeiten keineswegs leicht. Die Zeiten, als der 68-Jährige dicht hintereinander große Ausstellungen in Basel und Badenweiler, in Penzberg am Starnberger See, in der Eifel und in der badischen Grimmelshausen-Stadt Renchen bespielte, sind erst mal vorbei. Puths Hausverlag Eichborn, bei dem dessen Yoga-Kühe und Gänse-Cartoons Verkaufsschlager wurden, existiert nicht mehr. Dieses Jahr entfielen beide Buchmessen in Leipzig und Frankfurt, sodass Puth seine neue Reihe „Kultur küsst Business“ nicht vorstellen konnte. Geplante Lesungen fielen aus.

Gerne hätte der Künstler auch beim überregional bekannten „Sammelsurium“ in Offenbachs Stadthalle mitgemacht, das dem November-Lockdown zum Opfer gefallen ist. Nun sind auch die Museen, in denen man Puths Märchenillustrationen und Malereien bewundern kann, erneut geschlossen. Das Brüder-Grimm-Haus in Steinau muss aktuell selbst ums Überleben kämpfen. In Frankfurts Caricatura-Museum hat der anerkannte Karikaturist bisher noch keine eigene Präsentation bekommen.

Puth lässt sich dadurch nicht entmutigen und hat neue Projekte begonnen. So zeigt das Weinkulturgut Longen-Schlöder im Moselstädtchen Longuich bei Trier bis Ende Januar eine Auswahl seiner Werke. Im Elsass-Weinort Andlau hat Bio-Winzer Marc Kreydenweiss gar seinen gesamten Jahrgang 2017 mit Puth-Zeichnungen aus Walnusstusche etikettiert. Davon gehen 70 000 Flaschen in die ganze Welt, etwa nach China, Russland oder in die USA. In Norddeutschland erhalten Puth und seine Yoga-Kühe ein zweiseitiges Porträt im Landwirtschaftsjahrbuch. Auch der Wetzlarer Kunstverein möchte Puths Arbeiten noch in diesem Jahr präsentieren – oder später.

Bei der Deutschen Botschaft in Paris ist man ebenfalls auf den Mühlheimer aufmerksam geworden. Diese veranstaltet alljährlich einen Mal- und Zeichenwettbewerb für französische Grundschulkinder. 2020 sind die Märchen der Brüder Grimm als Thema ausgewählt worden und Puth wurde in die international besetzte Jury eingeladen. Die Preisträger erhalten sein Gemälde „Märchenland“ als Kunstplakat.

Was den Mühlheimer jüngst beschäftigt, war vor dem Lockdown in der Galerie des Bundes Offenbacher Künstler zu sehen: Corona-Märchen. Dazu hat Puth Grimmsche Märchen in Bilder mit satirischen Texten verwandelt. Nun arbeitet er an einem neuen englischsprachigen Grimm-Märchenbuch, das auf Anregung des Grimm-Experten Burkhard Kling neben historischen Illustrationen von George Cruikshank, Ludwig Emil Grimm und Otto Ubbelohde als Kontrapunkt Modernes von Puth enthalten soll. Das Werk soll etwa den vielen internationalen Touristen als Mitbringsel dienen, die Steinaus Grimm-Haus besuchen. Für das Projekt zeichnet Puth 20 Bilder. Dabei arbeitet er mit einer sperrigen Rohrfeder und Schreibtusche, um beim Zeichnen genügend Widerstand zu spüren. Dies fördere die Konzentration bei der Ausarbeitung von Motiven zu „Die treuen Tiere“ oder „Der Mond“.

Daneben aquarelliert Puth eine „Bricklebritt“-Szene aus Grimms „Tischlein deck dich“ oder skizziert eine freie surreale Arbeit für Wetzlar. Geplant ist auch eine Bilderserie zum Barockdichter Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, In dessen absurder Welt ist Puth ebenso zu Hause wie im Märchen-Weltkulturerbe oder im Surrealen des Corona-Alltags.

Infos im Internet: klausputh.de

(Von Reinhold Gries)

Für seine Zeichnungen nutzt Klaus Puth gerne eine schwere Rohrfeder und Schreibtusche.

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