Talentschmiede und Treffpunkt

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Der Hofsommer hat seit 20 Jahren Tradition.

Mühlheim - Lady Gaga und Mark Medlock waren noch nicht da. Aber sonst traf sich schon alles, was Rang und Namen hat, wo einst Hühnerstall und Blumenbeete den Launen der Natur frönten. Von Michael Prochnow

20 Jahre ist es her, dass aus dem beschaulichen Pfarrgarten vorm Vereinsheim der katholischen Kirchengemeinde St. Markus ein attraktives Festgelände wurde. Das war die Geburtsstunde des Hofsommers, der sich zu einer der beliebtesten Talentschmieden und Treffpunkte gemausert hat.

Damals grübelte Edith Petri mit einigen Sangesfreunden aus dem Kirchenchor, dass man den neuen Platz mit Leben erfüllen müsste. Die Anfänge waren bescheiden, der Erfolg durchschlagend: Zehn der schweren Tische und Stühle aus dem Gemeindehaus hatten die emsigen Helfer ins Freie geschleppt, ein paar Kästen Bier und Limonade besorgt. „Nichts davon reichte aus“, erzählt die langjährige Vorsitzende des Chors schmunzelnd, „im ganzen Haus gab´s keine Flasche Wasser mehr.“

Auf das Plateau vorm Eingang zum Foyer hatten sie das Klavier geschoben, an dem Wolfgang Petri und Tochter Barbara klimperten. „Er hat das nie gelernt“, verrät die Ehefrau in leisem Ton. Es muss gut geklungen haben, die Leute standen auf dem Pflaster, die Jugend hockte auf den Mauern. Und Erich Kilian, der damalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, stand sprachlos im Eingang, erinnert sich die Initiatorin noch gut.

Stolz auf den Ehrenbrief der Stadt

Dann habe einmal „Hemo und Spahni“ zu den Gitarren gegriffen. Die Gruppenleiter haben im Zeltlager die Idee zum „Duo Ohrenschmaus“ geboren, heute grinsen die Lehrer von zahlreichen CD-Hüllen. Ihre künstlerische Karriere ist eng mit dem Hofsommer verbunden, bis heute zählen sie zu den Stammgästen. Wer einmal da war, kommt wieder, scheint es - und das gilt für den Kirchenchor wie für die Band Exodus, eine der ältesten Sakro-Pop-Formationen im Land.

Mehrfach standen die Females vom Sängerkranz schon auf dem Podest vor der Küche, das Trio Opa-Pa mit Enkel, Vater und Großvater und der „Sternenstaub“ mit besinnlich-heiteren Texten des evangelischen Pfarrers Ralf Grombacher. So förderte die Idee unterm Kirchturm obendrein noch die Ökumene in der Mühlenstadt.

Mit Stolz erfüllt Edith Petri bis heute die Verleihung des Ehrenbriefs der Stadt, die der frühere Bürgermeister Karl-Christian Schelzke auch an so einem Abend vor der stattlichen Kulisse vorgenommen hat. Bereits 1991 überreichte er die Radnadeln und würdigte die „immer größere Beliebtheit“ der Einrichtung, wünschte, dass sie auf Dauer bestehen bleiben möge.

Fotos aus 20 Jahren Hofsommer gesucht

Daran lassen die Organisatoren Claudia und Jürgen Oberbeck, Claudia Wunderle und Helga Groß keinen Zweifel. Auch das war nicht immer so: Vor dem Start grübelten die Macher lange, ob so etwas denn in der Schulferienzeit möglich sei, wenn doch „keiner da“ sei.

In dieser Hinsicht taugt die Initiative als Lehrstück für Vereinsführungen: Wer keine schulpflichtigen Kinder hat, verreist nicht in der Hauptsaison - und sucht daheim nach Kurzweil. Der Hofsommer ist mittlerweile generalstabsmäßig organisiert, an jedem Veranstaltungstag übernimmt eine Gruppe der Pfarrei die Bewirtung.

Derzeit stellt der Festausschuss, der sich aus Vertretern der Helfergruppen zusammensetzt, das Programm für den Jubiläumsabend zusammen. Und die Macher suchen Fotos zu den „20 Jahren Hofsommer“. Diese sollen mit dem Programm 2011 am 1. Juni präsentiert werden. Wer Bilder hat, kann die im Pfarrbüro abgeben.

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