In ihrer Windelwerkstatt fertigt Marion Kolbe kreative Geschenke für den Nachwuchs

Teddy auf der Pampers-Harley

Im einstigen Kinderzimmer hat die Dietesheimerin Marion Kolbe ihre Windelwerkstatt eingerichtet.
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Im einstigen Kinderzimmer hat die Dietesheimerin Marion Kolbe ihre Windelwerkstatt eingerichtet.

Mühlheim – Wohl niemand kauft so viele Windeln wie sie. Von wegen „haushaltsübliche Mengen“. Wo andere Klopapier aufs Kassenband stapeln, füllt der Babybedarf den Einkaufswagen von Marion Kolbe, und das schon seit Jahren. Das Personal in den umliegenden Supermärkten kennt die gute Kundin und drückt beide Augen zu. Im Hause Kolbe wird nämlich nichts in die Windeln gemacht sondern mit ihnen: Wir haben „Marions Windelwerkstatt“ in der Wingertstraße 36 besucht.

Im einstigen Kinderzimmer parkt eine Harley Davidson. Je 25 aufgerollte Plastikwindeln mimen die fetten Reifen, ein Fläschchen dient als Scheinwerfer, zurechtgeschnittene und gefaltete Spucktücher bilden Bleche und den Sattel, in dem ein Teddybär Platz genommen hat. Rasselsöckchen hat die Künstlerin in Mulltuch eingeschlagen und zu einem Lenker gebogen. Dazu tönt aus kleinen Lautsprechern dezent „Born To Be Wild“.

Auf Wunsch hat sie schon eine Braut mit weißen Lederfransen und einen Bräutigam mit schwarzem Stirnband auf so einen „heißen Ofen“ gesetzt. Nach dem gleichen Muster formt sie Traktoren, Eulen und Schnecken. „Das sind alles Sachen, die eine Mama braucht, aber schön verpackt“, wirbt die Dietesheimerin für ihren Laden, den sie im Stil eines aufgeräumten Puppenhauses im ersten Stock ihres Privathauses eingerichtet hat.

Am 1. Februar des vergangenen Jahres hat sie ihr Steckenpferd als Geschäft angemeldet. „Mama, wir brauchen ein Geschenk, haste nicht ‘ne Idee?“ Der Hilferuf ihrer Töchter brachte ihre Kreativität in Fahrt. Marion Kolbe hatte schon einige dreistöckige Hochzeitstorten mit Schirmchen und Schleifchen verziert. In der Drogerie hatte sie eine „Windeltorte“ entdeckt, „aber die erschien mir unpersönlich, 08/15, das kann ich besser, hab’ ich mir gedacht“. So entstand eine aufwendige Tortenkonstruktion, es folgte ein Bettchen aus 35 Windeln in Größe 3. Die Schildkröte hat zehn Windeln im Kopf. „Die können Babys auftragen, bis sie ein halbes Jahr alt sind, die Kleineren wachsen rein“, argumentiert die Werkstattleiterin für ihre Universal-Modelle. „Auf Anfrage arbeite ich auch mit Höschen der Nummer 1 oder 4 – der Kunde ist König!“

Wegen der Preisunterschiede hält sie Ausschau nach Sonderangeboten, bevorzugt das Doppelpack und verlässt den Discounter schon mal mit Paketen mit 128 Windeln, verarbeitet auf Anfrage ebenso Biowindeln. „Die Teile werden gerollt, gepresst und mit haushaltsüblichen Gummibändern zusammengehalten“, verrät die Dietesheimerin ihre Technik.

„Ich lege gerne eine Nachtschicht ein, wenn die Zeit drängt“, erzählt sie. Dann bastelt sie im Schein einer Schreibtischlampe an ihrem Übereck-Holztisch, hinter ihr Plastikschubkästen mit Klämmerchen, Perlen und Geschenkband-Rollen in vielen Farbtönen. „Rosa und Himmelblau sind am meisten gefragt, aber ich verarbeite auch gerne Grün und Gelb.“ Ein Windel-Bettchen gibt’s ab 40 Euro, die individuell ausgestatteten Motorräder kosten 100 Euro, zitiert sie aus ihrer Preisliste.

Marion Kolbe war Sekretärin in der Friedrich-Ebert-Schule, dann in der Schule am Goldberg in Heusenstamm und sitzt jetzt in der Verwaltung der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Dietzenbach. Daheim verteilten sich Windeln, Tüll und Schlaufen in der ganzen Wohnung, erzählt sie. Ihr Mann entschied, „du kriegst jetzt dein eigenes Zimmer“, strich das einstige Zuhause des eigenen Nachwuchses, stellte Regale auf. Eine ihrer Töchter richtete noch ein Konto in den sozialen Medien ein. Infos gibt’s unter z 01520 8665289 und per Mail an marionkolbe64@gmx.de.

Von Michael Prochnow

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