Temposchub für die Aufholjagd

Mühlheim - Temposchub für die städtische Aufholjagd in Sachen Kinderbetreuung: Der Betreuungsverein „Die wilden Zwerge“ soll von seinem bisherigen Domizil in der Alten Post an der Dietesheimer Straße in die Räume des früheren Horts an der Hallgartenstraße umziehen. Von Barbara Hoven

In der Alten Post könnte dann stattdessen der Frau-Mutter-Kind-Verein seine Kindertagesstätte eröffnen. Und in der St. Markus-Kita sollen „bis zu zwei Gruppen“ für unter Dreijährige („U3“) etabliert werden, ohne dass dafür - wie bisher befürchtet - das bisherige Angebot für Drei- bis Sechsjährige („Ü3“) eingedampft werden muss.

Diese Ziele gibt der Auftrag vor, den die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag dem Magistrat erteilte. Der Antrag aus dem rot-grünen Lager bekam nicht nur die Stimmen der Koalition, sondern auch die der „Bürger“. Letzteres allerdings eher „schweren Herzens“, wie Dr. Jürgen Ries zu Protokoll gab. Er monierte ebenso wie die CDU - die ihre Enthaltung bei der Abstimmung als Zeichen des Protestes gegen eine Überrumpelung durch den Koalitionsvorstoß (der Antrag stammt vom 25. Mai) gedeutet wissen will - dass den Oppositionsfraktionen im Vorfeld des Parlaments keine Zeit blieb, die Vorschläge der neuen Mehrheit zu diesem wichtigen Thema gründlich unter die Lupe zu nehmen. Eine von der CDU geforderte Ausschuss-Sondersitzung, bei der alle Volksvertreter „auf einen Wissensstand“ gebracht werden könnten, wird es vorerst nicht geben.

Einfach Umsiedeln geht nicht

Die Versorgung des Mühlheimer Nachwuchses wird Kommunalpolitik und Verwaltung mit Blick auf deutliche Lücken sowohl im U3- wie auch im Ü3-Angebot allerdings noch oft und lange beschäftigen. Schon die Umsetzung des nun beschlossenen Antrags etwa ist an einige Bedingungen geknüpft: Zum einen müssten alle Beteiligten mit den Plänen einverstanden sein - weshalb zum Arbeitsauftrag an den Magistrat zunächst Verhandlungen mit Betreuungsvereinen und Kirche gehören, die dem Vernehmen nach schon weit fortgeschritten sind.

Zum anderen ist so ein großes betreuungspolitisches Verschiebepuzzle ein Spiel mit hohem Einsatz. Denn einfach umsiedeln, das geht nicht. Sowohl die Alte Post wie auch der Hort Hallgartenstraße müssen erst saniert oder umgebaut werden. Deshalb wurden mit den Standortzielen auch gleich 15.000 Euro Planungskosten für die Post und 250.000 Umbau-Euro für das potenzielle Domizil der Wilden Zwerge beschlossen. Die St. Markus-Kita wiederum könnte so viele Gruppen wie gewünscht gar nicht unterbringen, müsste also erweitert werden. Die Parlamentsmehrheit reservierte dafür 220.000 Euro. Außerdem soll der Magistrat nach weiteren Gebäuden suchen, in denen Kinderbetreuung unter der Verantwortung der Stadt erfolgen kann.

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