Testlauf im Wasser-Bottich

„Nasse Füß’“ laden zur ersten Kneipp-Anwendung auf ihr neues Vereinsgelände in Mühlheim

Zu einem ersten Testlauf hatte der Verein „Nasse Füß’“ am Wochenende auf das künftige Kneipp-Gelände am Freibad geladen. Wo bald ein Becken entstehen soll, mussten diesmal noch Bottiche herhalten.
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Zu einem ersten Testlauf hatte der Verein „Nasse Füß’“ am Wochenende auf das künftige Kneipp-Gelände am Freibad geladen. Wo bald ein Becken entstehen soll, mussten diesmal noch Bottiche herhalten.

Bis zum Hals steht den Lämmerspielern das Wasser nicht, aber bis zu den Knien wollen sie bald baden gehen. Die geplante Kneipp-Anlage im Mühlheim nimmt Gestalt an, wie der Verein „Nasse Füß’“ am Samstag präsentierte. Wenn auch eine deutlich kleinere als vorgesehen: Weil die Spielwiese des Freibads zugleich als Überflutungsfläche der Rodau daneben gilt, dürfen die Wassertreter kein Areal durch einen quer zum Bachlauf stehenden Zaun einfrieden, heißt es.

Mühlheim – Also wurde der jungen Gemeinschaft eine Fläche in der Form eines Tortenstücks abgesteckt. Dieses erlaubt neben dem vorgesehenen, sechs mal drei Meter großen und 60 Zentimeter tiefen Becken vielleicht noch, zwei „Baa-Bambler-Bänke“ aufzustellen. Diese erhöhten Sitzgelegenheiten ermöglichen, die Beine baumeln zu lassen, erläutert Initiatorin Sigrit Tinat. Die Lämmerspieler Physiotherapeutin lehrt den Gästen an zehn wassergefüllten Speis-Bottichen auf dem saftigen grünen Rasen die feuchten Schritte zur Förderung der Gesundheit.

Ins kalte Wasser, das zwischen acht und 18 Grad misst, soll man nur mit warmen Füßen steigen. Also fordert Vereinsmitglied und Ärztin Dr. Beate Knauer die Kinder auf, erst über die Wiese zu rennen. Im kühlen Nass sollen die Teilnehmer immer in Bewegung bleiben und gehen – in den Bottichen freilich nur auf der Stelle treten. Wieder an Land werden Unterschenkel und Füße nicht mit dem Handtuch, sondern von der Luft getrocknet, unterrichtet die Medizinerin.

Dann gibt es noch den „Kneippschen Espresso“, bei dem vom kleinen Finger über Hand und Puls bis zur Schulter kaltes Wasser über den Arm gegossen wird. „Das macht wach“, schwärmen die Jünger des Pfarrer Kneipp. Die Besucher tanzen im Takt flotter Musik und zu den Bewegungen der Therapeutin um die schwarzen Plastikbehälter.

48 500 Euro werde die Einrichtung kosten, informiert Vereinssprecherin Gudrun Monat. Der dickste Brocken fließt aus der Stadtkasse, 41 000 Euro. Davon sind wiederum 25 000 Euro Fördermittel des Landes Hessen. Bleiben 7 500 Euro, die der junge Verein selbst aufbringen muss. Die Hälfte dieses Betrags habe man bereits zusammen, rechnet die Mitgründerin vor und bedankt sich für die stattlichen Spenden von Frankfurter Volksbank und Sparkasse Langen-Seligenstadt sowie für jede einzelne, kleine Gabe. Eigenleistung und Beiträge kommen von den Mitgliedern, deren Zahl bei der Projektvorstellung auf 34 anwuchs.

Noch vor Ablauf des Jahres soll es mit den Arbeiten losgehen, im Mai des kommenden Jahres wollen die „Nasse Füß’“ Eröffnung feiern. Das Betonbecken erhalte in der Mitte einen Handlauf aus Edelstahl. Das Areal müsse von einem zwei Meter hohen Zaun vom Rest der Freibad-Fläche abgetrennt werden, weil die Tret-Anlage früher öffnen und später schließen soll als die Einrichtung der Stadtwerke, erläutert Monat.

Der entgegen erster Planungen stark eingeschränkte Raum wird kaum noch einem Barfußpfad mit verschiedenen Materialien Platz bieten. Auch für die vorgesehenen Aktionen und Schulungen wird’s eng: Kundige Mitglieder oder Gäste sollen über Wassergymnastik, Ernährung und Heilpflanzen referieren, Yoga, Tai-Chi, Wandern und Nordic Walking vermitteln. „Kneippen ist ein immaterielles Kulturerbe“, betont der Vorstand, „es stärkt das Immunsystem des Körpers und hilft, fit zu bleiben“.

(Von Michael Prochnow)

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