...wenn sich alle korrekt verhalten

Testphase für Einspurigkeit auf B43 naht 

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Die Grafik aus dem Ingenieurbüro Habermehl & Follmann zeigt – wegen der Länge des Gebiets in drei Abschnitten und mittig für den besseren Überblick zusammengesetzt – die bisherige Planung für den einjährigen Verkehrsversuch auf Mühlheims nördlicher Ortsdurchfahrt. In Lila zu erkennen: die Verkehrsführung während des Versuchs mit, in Grün, den Stellen, an denen die Autos zum Beispiel von Leitblechen gelotst werden.

Mühlheim - Die Testphase für die Einspurigkeit auf Mühlheims nördlicher Ortsdurchfahrt rückt näher. Der Verkehrsversuch soll mit den Herbstferien im Oktober starten. Beim zweiten Infoabend der Stadt im Vorfeld ging es ins Detail. Von Stefan Mangold 

Im Juz offenbarten sich die Befürchtungen der Bürger. Zur Begrüßung merkt Bürgermeister Daniel Tybussek an, dass er mehr Bürger erwartet habe beim zweiten Infoabend der Stadt zum nahenden Verkehrsversuch in Sachen Einspurigkeit der B43 zwischen den Einmündungen in Ludwigstraße und Albertstraße. Daraus folgere er: „Wer nicht kommt, hat nichts dagegen“, sei also damit einverstanden, dass die Autos auf dieser Achse mindestens während der auf ein Jahr angelegten Testphase nur einspurig rollen statt wie heute zweispurig.

Und es gibt ja auch Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind – mehr Platz für Gehwege und Fahrräder und Parkplätze, was nicht Autofahrer freut, sondern auch die Läden vor Ort. Edwin Mayer, Ingenieur des wegen seiner Spezialisierung auf solche Großprojekte von der Stadt beauftragten Planungsbüros Habermehl & Follmann, fasst das zusammen: „Ziel ist es, den Abschnitt für Fußgänger und Fahrräder zu optimieren.“ Sollte das funktionieren, sei der nächste Schritt der vom Provisorium zum Dauerzustand.

Tybussek betont das Außergewöhnliche am Projekt: „Es handelt sich um eine Bundesstraße, die wir nach unseren Bedürfnissen umgestalten wollen.“ Deshalb laufe das Ganze nur in Absprache mit Hessen Mobil. Die Landesbehörde ist Herrin über jeden Wandel und hat der Stadt erstmal den Versuch erlaubt, will danach genau wissen, ob sie sich die Einspurigkeit trauen soll oder nicht.

Manche Anwohner haben da ihre Zweifel. Theo Johann erinnert an die Zeit vom November 2009 bis Dezember 2010. Da gab’s schon mal nur eine Spur, damals aber unfreiwillig, weil die zweite Spur für den Bau des DRK-Seniorenheims gebraucht wurde. „Das reinste Chaos war das“, sagt Johann. Laut Edwin Mayer wird das nicht mehr passieren. Links sei ein 2,50 Meter breiter Streifen geplant, zum Parken und Entladen. Die Fahrspur selbst soll dreieinhalb Meter breit sein – plus anderthalb Meter für den sogenannten Schutzstreifen. Der ist für den Fahrradverkehr bestimmt, „aber nicht als reiner Radweg zu verstehen“.

Damit beantwortet Mayer auch die Frage, wie es hinter Abbiegern in die Bahnhofstraße zu keinem Rückstau kommen soll: „Auf dem Schutzstreifen lässt sich vorbei fahren.“ Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 50 Stundenkilometern bleiben, eine intelligentere Ampelschaltung für besseren Verkehrsfluss sorgen.

Besonders an einer Stelle halten die Nachbarn Ursula Göb und Theo Johann den Plan für reine Theorie. Denn Mayer erklärt, es komme selbst auf der Höhe der Post zu keinem Rückstau, noch nicht mal, wenn gleichzeitig Postwagen links parkten und gegenüber der Linienbus stoppe. „Es läuft, wenn sich alle korrekt verhalten“, setzt Tybussek auf die Vernunft.

Das entspreche nicht seiner Erfahrung, entgegnet Johann. Vor dem Imbiss neben der Haltestelle parkten bis zu einer halben Stunde Autos auf dem Bürgersteig, „aufgeschrieben wird dort nie“. Er hat da einen Vorschlag: Sollte der Verkehr an dieser Stelle so ins Stocken geraten, wie er es vermute, könnte die Haltestelle Lerchenweg doch 50 Meter nach Osten verlegt werden. Tybussek sieht das als Option, „wenn etwas nicht funktioniert, sind wir für jeden Hinweis dankbar“.

Edwin Mayer spricht auch über die Parkplatzsituation. Zwischen Fährenstraße und Lerchenweg etwa gebe es dann 32 Parkplätze, alle bequem nach vorne anzufahren. Davon sollen 22 auf eine halbe Stunde begrenzt sein, der Rest auf eine Stunde.

Das hält der Kinderarzt Dr. Jürgen Hintze für unrealistisch: „In einer halben Stunde lässt sich gar nichts machen.“ Weder ein Besuch in seiner Praxis noch ein Gang über die Bahnhofstraße – „und selbst eine Stunde beim Friseur Euler reicht für eine Frau nach meinem Kenntnisstand nicht aus“.

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Der Argumentation will sich der Bürgermeister nicht entziehen, „die vier Parkplätze vor der Post bleiben bei einer halben Stunde, für die 28 anderen schlage ich zwei Stunden vor.“ Überhaupt seien die Bürger ständig zum Dialog aufgefordert. Man werde in einem Vierteljahr gemeinsam resümieren.

Das hört Ursula Göb gerne. Sie lädt Tybussek und Mayer für den Fall zu sich nach Hause ein, dass es dann so schlecht laufe, wie sie befürchte, um sich die Malaise zu betrachten. Tybussek nimmt an, „ich bring‘ den Kuchen mit“.

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