Theaterensemble „Teilzeitdenker“

Ein Märchen zum Schluss

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In der Probe legen sich die Schauspieler voll ins Zeug, damit dann beim Auftritt vor großem Publikum jede Bewegung und jedes Wort sitzt.

Mühlheim - Das Theaterensemble „Teilzeitdenker“ bringt Charles Dickens Weihnachtsgeschichte auf die Bühne und hat schon mit dem Vorverkauf alle Rekorde gebrochen. Es ist das vorerst letzte Stück der Gruppe - Regisseur Philippe Bender muss aufhören. Von Sarah Neder 

London im Jahr 1840. Im gesamten britischen Königreich herrscht Armut. Einer der wenigen privilegierten Bürger ist der Geschäftsmann Ebenezer Scrooge, der so von Geiz zerfressen ist, dass er nicht einmal in der Weihnachtszeit etwas von seinem Vermögen abgibt – bis ihn eines nachts die Geister aufsuchen, um ihm eine Lektion zu erteilen.

Die Schauspielgruppe Teilzeitdenker zeigt an diesem Samstag, 29., und Sonntag, 30. November, sowie am Sonntag, 7. Dezember, im Schanz (Carl-Zeiss-Straße 6) „Eine Weihnachtsgeschichte“. Das gesellschaftskritische Original „A Christmas Carol“ schrieb der große englische Schriftsteller Charles Dickens. Teilzeitdenker-Regisseur Philippe Bender hat sich aller Ehrfurcht zum Trotz nicht gescheut, am Plott zu schrauben. „Die Grundzüge des Stücks sind aber die Gleichen, ich habe nur neue Aspekte hinzugefügt“, sagt er. Manche Rollen habe er vergrößert, andere ersetzt. Mit Gesangs- und Rap-Szenen, etwa von Mrs. Fezziwig, sowie fünf Filmsequenzen, dank derer das Publikum in Zukunft oder Vergangenheit reist, verpasst der 25-Jährige dem Klassiker einen modernen und individuellen Anstrich.

Dieser Bendersche Fingerabdruck ist vielen Zuschauern schon von vorherigen Inszenierungen, wie „Die Zeit und die Conways“ oder „Für niemand“, bekannt: Mehrere Bühnen, Kurzfilme und Interaktion mit dem Publikum sind mittlerweile Markenzeichen der Teilzeitdenker, die in diesem Winter zum vorerst letzten Mal in gewohntem Ensemble auftreten werden. Regisseur Bender pausiert, weil Studium und Beruf keinen Raum mehr für die aufwendigen Proben lassen.

Auch wegen dieses Abschieds habe sich die Gruppe für „Eine Weihnachtsgeschichte“ entschieden. „Es war immer ein Wunsch von mir, das Stück einmal aufzuführen“, gesteht Bender. Die Gruppe habe den Vorschlag gerne angenommen. „Ein Märchen ist für alle etwas Besonderes, vor allem weil das Stück im vergangenen Jahr zeitgenössisch war.“

Dass eine Groteske, wie diese Art von Schauspiel heißt, aber auch Tücken birgt, habe sich bei den ersten Proben gezeigt. „Die Darsteller müssen den Text überzogen rüberbringen, damit es beim Publikum gut ankommt.“ Das sei vor allem für Neulinge schwer“, meint Bender. Von den 16 Schauspielern stehen drei zum ersten mal auf der Bühne.

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Anfangs probte die Gruppe im Wochentakt in den Räumen der Bürger- und Seniorenhilfe. Jetzt, so kurz vor der Premiere, ist sie täglich auf der Bühne. In diesem Jahr seien die Vorbereitungen besonders aufwendig. „Das Stück hat enorm viel Text, der bei jedem einzelnen perfekt sitzen muss.“ Außerdem sei es eher schwer gewesen, zur damaligen Zeit passende Requisiten und Kostüme zu finden. „Manche Kleider haben wir extra schneidern lassen“, so der Regisseur.

Fürs Drehen der Kurzfilme habe die Hobby-Theatergruppe zwei Wochenenden geopfert. Die professionellen Ansprüche, die die Teilzeitdenker an sich selbst stellen, haben sich in den letzten sechs Jahren herumgesprochen. Weniger, das ginge nicht mehr. Und dann ist da noch die gewissermaßen schlechte Nachricht: Die Vorstellungen waren diesmal schon Wochen vorher ausverkauft. Ein absoluter Rekord, freut sich der Regisseur.

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