Theatergruppe mit Drama

Vollzeitjob für Teilzeitdenker

+
Bei der Theatergruppe Teilzeitdenker wird bis zur Perfektion geprobt. Dazu gehört auch, die musikalischen Einlagen zwischen den Szenen einzustudieren.

Mühlheim - Mit viel Fleiß will die junge Schauspielgruppe dieses Jahr mit dem Drama „Für Niemand“ auf der Bühne überzeugen. Von Sarah Neder

Du bist ja ganz nass!“ übt Laura Mücke den Text ihrer Rolle. „Nicht so verwundert. “, korrigiert Philippe Bender, der Regisseur der „Teilzeitdenker“. „Du bist ja ganz nass!“, versucht es Laura noch einmal, diesmal mit mehr Entschlossenheit in der Stimme. Mehrere Male werden Szenen und Dialoge wiederholt und nachjustiert, bis es allen Beteiligten und vor allem dem Regisseur gefällt.

Dass die Mühlheimer Theatergruppe Teilzeitdenker aus Perfektionisten besteht, hat sie schon mehrmals vor großen Publikum im Schanz bewiesen. Ein Besuch bei den Proben des Stücks „Für Niemand“ verrät, dass es auch dieses Jahr abwechslungsreich, spannend und tragisch zugehen wird. Am Samstag, 28. September, findet der Auftakt der insgesamt drei Vorstellungen in der Kulturhalle Schanz statt. Philippe Bender versucht, wie auch in vorherigen Inszenierungen, der Umsetzung des Jugendromans von Tobias Elsäßer, seine persönliche Note zu verleihen. „Ich möchte vor allem mit dem stärkeren Einsatz neuer Medien die Modernität des Stücks in den Vordergrund stellen“, beschreibt der 24-Jährige. Insgesamt 17 Kurzfilme und vier musikalische Einlagen mit Gesang, Gitarre, Klavier und Geige sollen die Schauspielszenen unterbrechen und ergänzen, um das Stück kurzweiliger zu gestalten.

Wer schon bei einer Vorstellung der jungen Schauspieltruppe war, weiß dass ihre Inszenierungen nicht gerade leichte Kost sind. Auch dieses Jahr haben sich die Teilzeitdenker mit „Für Niemand“ eine tragische Geschichte ausgesucht. Es geht um drei Jugendliche (Sammy, Nidal und Marie), die der selbe grausame Wunsch verbindet: Selbstmord. Für das gemeinsame Sterben verabreden sich die Drei anonym über einen Internet-Chat. Was Jeden von ihnen dazu bewegt, sich das Leben zu nehmen, bringen drei parallel zueinander verlaufende Episoden dem Publikum näher. „Es ist sicher das berührendste Stück, das wir je aufgeführt haben, da es sehr nah an der Realität ist“, erläutert Bender.

Doch die bedrückende Handlung und die schweren Lebensgeschichten, die die Schauspieler charakterisieren müssen, nehmen den jungen Theaterbegeisterten keineswegs den Spaß am Proben. Jeden Mittwoch ab 19.30 Uhr trifft sich die Gruppe in den Räumen der Bürger- und Seniorenhilfe Mühlheim. Dort bekommt man den Eindruck einer freundschaftlichen Runde, wenn man sie zusammen die Texte und Choreographien einstudieren sieht. Sie lachen und überziehen ihre Rollen, indem sie scherzhaft ein paar Sätze aus dem Skript zitieren, das sie bereits minuziös auswendig gelernt haben. „Natürlich gibt es auch mal die einen oder anderen Zankereien“, berichtet Bender, der das Projekt seit nunmehr fünf Jahren leitet.

Zwölf Laiendarsteller

Es sei für einige unheimlich stressig, vor allem jetzt im Endspurt. Die „Intensivphase“, nennt der junge Regisseur die kommenden zwei Wochen, in denen an jedem Abend ausnahmslos geprobt wird. Das bedeutet auch für den 17-jährigen Dennis Sportaro eine enorme Doppelbelastung. „Ich muss jeden morgen um vier Uhr raus!“, erklärt der Jüngste der Mühlheimer Theatergruppe, der im Moment seine Ausbildung zum Industriemechaniker mit der Leidenschaft zum Theater vereinen muss.

Den anderen zwölf Laiendarstellern geht es ähnlich: Viele studieren oder arbeiten, opfern ihre knappe Freizeit für die Bühne. Jedoch sehen sie die Übungen nicht als zusätzliche Belastung und nehmen sich die Zeit für die intensiven Proben, um dem Publikum auch dieses Jahr ein perfektes Ergebnis zu präsentieren.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare