Drama mit viel Dynamik

+
Mit ihren Aufführungen des Dramas „Für Niemand“ überzeugte die Theatergruppe „Teilzeitdenker“ im Schanz.

Mühlheim - Dass die Mitglieder der Theatergruppe „Teilzeitdenker“ nur in Teilzeit denken scheint eher unwahrscheinlich. Von Peter Back

Zu ausgeklügelt ist das Arrangement, zu tiefgründig sind die Texte, zu ausgefallen das Bühnenbild und der Einsatz moderner Medien, um nicht an einen Fulltime-Job zu glauben. „Die letzten beiden Wochen vor der Premiere liegt unser normales Leben brach“, bestätigte Regisseur Philippe Bender, der damit auch die Beschränkung auf drei Aufführungen des neuesten Stücks „Für Niemand“ verstehen lässt. Zu groß wäre bei weiteren Präsentationen die zeitliche Belastung der Protagonisten, die so ganz nebenbei in ihrem Studium oder Beruf erfolgreich sein wollen. Das Publikum zeigte mit seinem Zuspruch durch bislang zwei ausverkaufte Vorführungen, dass auch vermeintlich schwere Kost gern konsumiert wird.

Die Lebenswelten der drei Jugendlichen Sammy, gespielt von Nicole Kopp, Nidal, verkörpert von Hans-Christian Kwol und Marie, in Szene gesetzt von Annalisa Stephan, die sich zufällig in einem Chatroom treffen und die der Wunsch nach dem Ende ihres Lebens vereint, wird in parallelen Szenen berührend und doch kurzweilig dargestellt. Bis zur letzten Minute starrte das Publikum gebannt auf die Szenen, die sich nicht nur auf sondern auch vor der Bühne, als Film an der Wand neben der Theke und im Zuschauerraum als Interaktion mit den Gästen abspielten. Kurzum, die gesamte Kulturhalle Schanz wurde zur Bühne.

Außer ihrer ersten Aufführung „Geschlossene Gesellschaft“, die die „Teilzeitdenker“ mit nur vier Schauspielern 2009 im Pfarrheim von St. Sebastian in Dietesheim präsentierten, war das Schanz an der Carl-Zeiss-Straße immer der Aufführungsort der Theatergruppe. „Der vielseitig nutzbare Raum des Schanz hat sich bewährt und wird schon bei unseren Proben gedanklich mit einbezogen“, betonte Philippe Bender. „Wir wollten ein sozialkritisches Drama spielen, das viel Dynamik in sich trägt“, begründete Germanistikstudent Bender die Auswahl.

Teilzeitdenker präsentieren „Für Niemand"

In einem Seminar an der Uni war er auf den Roman des Stuttgarter Autors Tobias Elsäßer, in dem sich drei Jugendliche in einer Internetplattform treffen, um zu sterben, aufmerksam geworden und hatte ihn nach den Vorstellungen der Theatergruppe umgeschrieben. „Ich finde es toll, dass sich die Schauspieler von meiner Vorlage gelöst haben“, betonte Elsäßer, der es sich nicht nehmen ließ, eigens für die Premiere ins Schanz zu kommen und ergänzte: „Einfach großartig inszeniert. Man sieht, dass die Schauspieler alles gegeben haben“. Gleichzeitig lud er sie zu weiteren Vorführungen in seine Heimatgemeinde ein. „Unser multimediales Konzept mit Gesangseinlagen findet guten Anklang, weil es sehr abwechslungsreich ist“, fand Philippe Bender einen Begründung für den guten Besucherzuspruch.

„Während das Publikum gestern mehr gelacht hat ist das heutige bei der Beantwortung der Fragen aktiver“, bemerkt Bender einen Unterschied im Verhalten der Zuschauer. „Jedes Publikum geht anders mit dem Stück um“, hatte er auch schon bei früheren Aufführungen festgestellt. „Die Akustik ist für die Künstler eine große Herausforderung, da sie sich mit drei Headsets begnügen müssen“, lobte Sebastian Viet vom Schanz , der zusammen mit Martin Jerulank für einen guten Ton sorgte, die sprachliche Leistung der Protagonisten. Für die dritte und letzte Auffführung des Stücks „Für Niemand“ am Sonntag, 6. Oktober, ab 19 Uhr in der Kulturhalle Schanz in der Carl-Zeiss-Straße 6 sind noch wenige Restkarten erhältlich Karten gibt es im Vorverkauf für acht Euro im Mühlheimer Buchladen in der Bahnhofstraße und im Le Bel Etage in der Elisabethenstraße 32. Soweit vorhanden, gibt es Karten für neun Euro an der Abendkasse.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare