Todesopfer am Canyon

Tödlicher Unfall an den Steinbrüchen: 27-Jähriger stürzt von Felskante

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In den Dietesheimer Steinbrüchen ist am Sonntagnachmittag ein 27-jähriger Mühlheimer tödlich verunglückt.

Mühlheim - Die Dietesheimer Steinbrüche haben wieder ein Todesopfer gefordert. Ein 27 Jahre alter Mann aus Mühlheim stürzte am Sonntagnachmittag neben der Canyon-Brücke etwa 14 Meter in die felsige Tiefe der Seenlandschaft. Rettungskräfte bargen und reanimierten ihn. Er erlag seinen Verletzungen am späten Abend. Die Polizei geht von einem Unglücksfall aus. Von Markus Reinsch

Ein 27-jähriger Mühlheimer ist am Sonntag in den Dietesheimer Steinbrüchen tödlich verunglückt. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei rutschte er vom Rand der zerklüfteten Felswand neben der sogenannten Canyon-Brücke ab und stürzte etwa 14 Meter tief in den See. Wie Rudi Neu als Sprecher des Offenbacher Polizeipräsidium Südosthessen mitteilt, hatte sich der Mann wohl auf einem Felsen neben der kleinen Schlucht zwischen Vogelsberger See und Oberwaldsee niedergelassen und beim Versuch, wieder aufzustehen, den Halt verloren. Wie seine Verletzungen vermuten lassen – im Einsatzbericht ist von einer Platzwunde die Rede –, schlug er beim Fall mit dem Kopf auf den Steinen auf, verlor das Bewusstsein und ging im See unter.

Der von Passanten um 16.13 Uhr alarmierten und mit mehreren Booten und Hilfe der Mühlheimer DLRG suchenden Feuerwehr gelang es, den Mann relativ schnell zu bergen. Die zur Unterstützung gerufene Egelsbacher Hubschrauberstaffel musste nicht starten. Der Rettungsdienst reanimierte das Opfer und brachte ihn in einem kritischen Zustand ins Krankenhaus. Dort erlag er seinen Verletzungen, worüber die Klinik die Polizei um 22.45 Uhr informierte. Die Ermittler, sagt Neu, gingen momentan nicht von Fremdverschulden, sondern von einem Unglücksfall aus. Ob bei dem Mann Alkohol im Spiel war, könne dabei bisher nicht ausgeschlossen werden.

Der Verunglückte war in dem beliebten Naherholungsgebiet gegen 16 Uhr zu Fuß unterwegs und auf eine fünfköpfige Gruppe junger Männer getroffen, die aus Mühlheim und Frankfurt stammt und im Naherholungsgebiet feierte und auch trank. Zur Abbruchkante sei aber offenbar ausschließlich das Opfer gegangen. Die Retter wurde von Spaziergängern herbeitelefoniert. Die 150 Hektar umfassenden Dietesheimer Steinbrüche gelten über die Rhein-Main-Region hinaus als einzigartiges Naherholungsgebiet. Gelegen zwischen den Mühlheimer Stadtteilen Dietesheim und Lämmerspiel sowie Hanau-Steinheim, locken sie jedes Jahr zehntausende Besucher aus halb Hessen an. Sie entstanden, als der Basaltabbau vor 35 Jahren beendet war und das hochdrückende Grundwasser eine beeindruckende Seenlandschaft von insgesamt mehr als 61 Hektar Wasserfläche bildete.

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Insgesamt gibt es ein knappes Dutzend teils von bizarren Festformationen umrahmte Seen in diesem Gebiet. Der Vogelsberger See und der Oberwaldsee als die größten und bekanntesten sind miteinander verbunden, die Canyon-Brücke überspannt die Lücke. Sie wird von unzähligen Spaziergängern und Radlern genutzt. Zugleich ist das riesige Areal ein teils streng geschütztes Heiligtum des Naturschutzes. Denn hier sind seltene Pflanzen und Tiere zuhause. Ganz konfliktfrei bleibt das sensible Gleichgewicht zwischen Naherholung und Naturschutz nicht. Denn ob seiner Größe ist es kaum zu kontrollieren. Die Stadt setzt in den vergangenen Jahren verstärkt auf eine Mischung aus Appellen auch seitens des Mühlheimer Präventionsrates und empfindlich verschärfte Bußgeldhöhen für so verbotene wie beliebte Freizeitvergnügungen wie Schwimmen, Zelten, Bootfahren und Grillen außerhalb des Grillplatzes.

Unglücksfälle sind kein Einzelfall. Oft schon waren sie das Ergebnis extremen Leichtsinns. In den letzten Jahrzehnten waren etwa immer wieder Opfer der „Mutprobe“ zu beklagen, den Sprung von der berühmt-berüchtigten Canyon-Brücke in den See zu wagen. Der aktuelle Fall stellt sich allerdings anders dar.

Am Sonntag waren 50 Retter der Mühlheimer Feuerwehren eineinhalb Stunden im Einsatz. Außerdem die Feuerwehr Rodgau, die Mühlheimer DLRG und der Rettungsdienst. Um Details zu klären, sucht die ermittelnde Kripo Zeugen. Sie melden sich unter Tel.: 069/8098-1234.

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