Die Tore zum Main sind dicht

+
Gestern Nachmittag installierte die Dietesheimer Feuerwehr die beiden hintereinander gelegenen T-Träger in der Mitte des Untermaintores. Die massiven Stahlmasten stützen die Lamellen gegen den Wasserdruck ab.

Mühlheim ‐ Es war ziemlich genau 15.30 Uhr gestern Nachmittag, als das Dietesheimer Untermaintor dicht war. Etwa eineinhalb Stunden brauchten die zahlreich erschienenen Wehrleute aus der benachbarten Wache, um die Metallplanken gleich in doppelter Reihe hinter- und übereinander zu stapeln. Von Heiko Wiegand

„Der massive Stahlträger in der Mitte des Tores sorgt dafür, dass die Spundwand vom Wasser nicht eingedrückt werden kann“, erklärte Stadtbrandinspektor Heribert Hennig. Mit jeweils sechs daumendicken Schrauben fixierten Feuerwehrleute die einige hundert Kilo schweren Träger im regennassen Boden.

Knapp fünf Meter Hochwasserhöhe erwartet Hennig für heute früh - „ab dieser Höhe läuft das Wasser in die Stadt, deshalb die Vorsichtsmaßnahme sowohl am Unter- als auch am Obermaintor“.

An letzterem müsste der Main zwar noch 30 Zentimeter drauflegen, um den Straßen und Kellern der Unterstadt wirklich gefährlich zu werden. Dennoch entschieden die Verantwortlichen gestern früh, beide Tore dicht zu machen. Zahlreiche Schaulustige beobachteten die Arbeit der Feuerwehr, die von ebenso zahlreich erschienenen Helfern der örtlichen DLRG unterstützt wurden. Man ging mit Gelassenheit ans Werk, nahm sich die Zeit, die Schienen, in die die Planken eingeschoben wurden, zuvor mit einem Wasserschlauch vom Dreck zu befreien.

Hochwasser-Alarm in der Region

Hochwasser-Alarm in der Region

„Aus Richtung Würzburg-Schweinfurt kommt noch einiges runter“, prognostizierte der Stadtbrandinspektor. Am Samstag erreichte der Main am Pegel Krotzenburg, 3,60 Meter. Damit wurde die so genannte Hochwassermeldestufe 1 ausgerufen („stellenweise kleinere Ausuferungen“). In den frühen Morgenstunden des Sonntags war der Fluss bereits über die Meldestufe  2 („land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet oder leichte Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen“) geschwappt. Diese Stufe gilt im unweit gelegenen Krotzenburg ab 4,10 Meter Wasserhöhe. Bereits gestern Nachmittag pendelte der Pegel Krotzenburg bei 4,59 Metern, Tendenz weiter steigend.

Entspannter gestaltete sich die Situation derweil an der Rodau - „dort ist der Pegel am Nachmittag wieder gefallen“, informierte Heribert Hennig.

Die Hochwasserschutzbauten in der Mühlenstadt erleben in diesen Tagen ihre erste Bewährungsprobe. So hoch wie gestern haben die Fluten seit dem Jahr 2003 nicht mehr gestanden. Vor drei Jahren fanden die letzten Arbeiten zur Verstärkung unter anderem der Hochwassermauer in Dietesheim statt. „Die Deich- und Mauerhöhen sind für ein so genanntes hundertjähriges Hochwasser bemessen und können durch einen mobilen Hochwasserschutz nochmals erhöht werden“, erklärte gestern Bürgermeister Bernd Müller, der sich die Sicherungsarbeiten am Untermaintor anschaute. Dietesheim wäre durch dieses in einem Lkw-Rollcontainer gelagerte System sogar gegen ein zweihundertjähriges Hochwasser geschützt - berechnet also auf einen Pegelstand, der statistisch gesehen nur alle 200 Jahre auftreten würde. Mit diesem mobilen System wird der Hochwasserschutz im gesamten Stadtgebiet höhenmäßig auf ein Niveau gebracht.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare