Torte und ein offenes Ohr

Im Café Zeit der evangelisch-methodistischen Christuskirche ist der Name Programm

Sie backen und hören zu: Ingrid Stahl, Anne Hecker, Monika Redemann sowie weitere Helferinnen stecken hinter dem Café Zeit.
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Sie backen und hören zu: Ingrid Stahl, Anne Hecker, Monika Redemann sowie weitere Helferinnen stecken hinter dem Café Zeit.

Eine Reihe schicker Cafés verleihen der Mühlenstadt Flair. Bei einem steht Zeit auf der Karte. Und die gibt’s da wirklich. Im Café Zeit nehmen sich die Freizeit-Konditorinnen und Hobby-Kellnerinnen genau diese und gesellen sich für ein Gespräch zu den Gästen. Auf Wunsch, versteht sich. Viele Besucher genießen auch einfach die Ruhe und die gute Atmosphäre in den Räumen der evangelisch-methodistischen Christuskirche.

Mühlheim – „Bei uns macht jeder alles“, fasst Ingrid Stahl das Konzept zusammen. Mit den Rezepten für die Leckereien im gläsernen Kühlschrank war das zum Start vor zehn Jahren etwas schwieriger. „Wir haben gar nicht so viele Kuchenbäcker in unseren Reihen“, gesteht die Mitinitiatorin. „Ich selbst habe früher lieber Brot gebacken“, und das bot zumindest eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan des Cafés. Um ein attraktives Angebot unterbreiten zu können, „haben wir viel gelernt, Rezepte ausprobiert“. Heute kreieren Ingrid Stahl, Anne Hecker, Monika Redemann sowie weitere Helferinnen allwöchentlich drei Torten. „Marmorkuchen kann man sich selber daheim backen“, begründet die Sprecherin die Mühen. „Unser Kreis hat da einen gewissen Anspruch entwickelt“, konkretisiert sie und grinst.

Mehr als 50 unterschiedliche Variationen haben sie im Rezeptbuch, darunter typisches Gebäck aus Schweden, Frankreich und Österreich, Eisbecher und frische Waffeln – „die riechen dann schon lecker“, erinnert sich Ingrid Stahl. Dabei geht es im Café Zeit nicht um kulinarische Genüsse allein. „Wir haben ein offenes Ohr, können uns mit einem Gast auch in einen kleinere Raum zurückziehen“, erläutert die Mitbegründerin. „Das tut manchen Menschen gut, das merkt man.“ Dabei können die Damen bei den meisten Problemen keine Hilfestellung leisten, aber „einfach mal reden tut vielen Leuten schon gut“. Bei älteren Menschen geht es zumeist um Krankheiten, „Und der Tod ist irgendwie dabei“, bemerkt Ingrid Stahl. Jedoch entstünden selbst in Verbindung mit dem Lebensende manchmal heitere Momente. „Am Anfang sind wir einmal reingefallen, als eine Frau mit Blumen uns erzählte, dass sie ihren Mann besuchen gehe“ – auf dem Friedhof gegenüber.

„Die meisten kommen ganz bewusst zu uns“, beobachtet die Hausenerin. Schön wäre es, wenn hin und wieder jüngere Leute mit Kindern vorbeikämen. „Aber wir liegen etwas weg vom Schuss“, sagt sie. Dafür haben sich schon einige Stammtische gebildet, Freunde, die auch aus Rodgau, Seligenstadt, Maintal und Offenbach anreisen. „Viele haben gefragt, wann’s wieder losgeht, die sind selbst bei 40 Grad an jedem Donnerstag da.“ Ein Dutzend saß bereits zum Neustart nach dem Lockdown an den auseinandergerückten Tischen.

Mit 10 000 Euro, der Hälfte ihrer Einnahmen aus dem Café und vom Stand auf dem Weihnachtsmarkt, hat die Gruppe in den ersten Jahren einen Schulbau in Ghana unterstützt. Jetzt fördert sie eine Schule für Gehörlose in Liberia. Auch dort wirken Missionare der Methodisten. Zum zehnjährigen Bestehen war eine Ausstellung im März geplant. Das Fest soll nun später steigen.

Das Café Zeit in den Räumen der evangelischen-methodistischen Christuskirche (Südring 30) ist jeden Donnerstag von 14 bis 17 Uhrgeöffnet. Reservierungen sind möglich bei Ingrid Stahl unter 0174 9998103. (Von Michael Prochnow)

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