Tückische Lügenmärchen

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Die „Enkeltrick“-Fälle in der Region häufen sich. Das ist alles andere als Zufall.

Mühlheim ‐ Die „Enkeltrick“-Fälle in der Region häufen sich. Das ist alles andere als Zufall: Nach Erkenntnissen des für Stadt und Kreis zuständigen Polizeipräsidiums Südosthessen grasen organisierte Banden, die diese Betrugsmasche meisterhaft beherrschen, die Republik von Landstrich zu Landstrich ab. Von Heiko Wiegand

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Derzeit treiben sie ihr Unwesen in Stadt und Kreis Offenbach, zuletzt auch in Obertshausen und Mühlheim. Der Trick ist ebenso schlicht wie tückisch - und wird vor allem bei einer Zielgruppe angewandt: den Senioren. „Die erhalten einen Anruf von einem Mann, der im Jargon der Betrüger ,Keiler‘ genannt wird. Das ist in aller Regel ein hervorragend Deutsch sprechender Mann, der die Senioren auf einen angeblichen Enkel anspricht“, erläutert Polizeisprecherin Andrea Ackermann.

Durch geschickte Fragen erzählten die Angerufenen dem meist irgendwo in Osteuropa sitzenden „Keiler“ schnell Namen der Enkel und andere Details. „Dann berichtet er meist über eine komplizierte, die Opfer oft verängstigende Geschichte. Und die mündet dann darin, dass der angeblich in der Klemme steckende Enkel einen ,Freund‘ schicken muss, um das Geld beim Angerufenen abzuholen, da er angeblich selbst verhindert ist“, so Ackermann. Meist gehe es dabei um viel Geld, das dann vom so genannten „Logistiker“ der Bande abgeholt werde. Dieser Logistiker „arbeitet“ für eine gewisse Zeit in einer bestimmten Region, bevor der Trick dort verbrannt ist. „Daraus erklären sich auch die vielen Fälle in der Region“, so die Polizeisprecherin.

Die einzelnen Fälle in der Übersicht

Montag, 11. Januar, 16 Uhr, Lämmerspiel: Eine 80-Jährige übergibt einem „Logistiker“ 13.000 Euro in bar, nachdem ein „Keiler“ sich am Telefon des Opfers als ihr Neffe ausgegeben und Hilfe für eine Autoreparatur erbeten hat. Die nichtsahnende Frau übergibt dem Betrüger anstandslos das Geld.

Eine Woche später, Dienstag, 19. Januar, 11.20 Uhr, Obertshausen: In letzter Minute scheitert ein Enkeltrick, weil eine aufmerksame Nachbarin dazwischen geht und sofort die Polizei alarmiert. Zuvor hat eine 87-Jährige einen Telefonanruf von einer angeblichen Bekannten namens „Karin“ erhalten, die angeblich in einer finanziellen Notlage steckt. 20.000 Euro liegen schon bereit.

Mittwoch, 20. Januar, 12.30 Uhr, Offenbach: Ein „Keiler“ meldet sich bei einer 74-Jährigen und will 10.000 Euro. Die Frau erkennt den Schwindel - ebenso wie kurzzeitig später ein anderes Ehepaar.

„Wir können die Menschen nur vor diesen Betrügern warnen“, so Andrea Ackermann. Die Polizei bereitet derzeit ein Schreiben an die Banken in der Region vor, mit dem Ziel, Angestellte am Schalter zu sensibilisieren, wenn Senioren schnell und auf einen Schlag eine hohe Geldsumme abheben wollen.

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