Kindertagesstätte an der Wilhelm-Busch-Straße erst ab 2020 / 21

Übernächste Aufhol-Schritte

Mühlheim - Die Kita in der Wilhelm-Busch-Straße wird wohl erst zum Beginn des Kindergartenjahres 2020 / 21 fertig sein. Gewollt hatte die Politik die Einrichtung eigentlich früher. Von Marcus Reinsch 

Doch das Vergaberecht sei komplex, begründet die Stadt in ihrer mittelfristigen Planung für die Betreuung. Wenn sie endlich da ist, wird die Kita in der Wilhelm-Busch-Straße einer der bisher größten Schritte in der städtischen Aufholjagd nach mehr Angebot für viel mehr Bedarf bei der Kinderbetreuung in Mühlheim sein. Ein Befreiungsschlag. Doch bisher existiert die Einrichtung bekanntlich nur in den Köpfen der Vordenker und ihren Akten. Der für 100 über dreijährige Kindergarten- und 24 jüngere Krippenkinder geplante Bau steckt auf einer zwischen Vergaberecht und dem Erzieherinnen-Mangel festgeklemmten Warteposition. Nach der mittelfristigen Ausbauplanung, die im neuen Mühlheimer Kindergartenbedarfsplan einen Zukunftsblick erlaubt, können Eltern mit dem Start nicht vor dem Kindergartenjahr 2020 / 21 rechnen.

Zweifellos hätte Bürgermeister Daniel Tybussek (SPD) die Wilhelm-Busch-Straße lieber bei den kurzfristigen als bei den mittelfristigen Erfolgen gesehen. Und auch alle Volksvertreter hatten sich die neue Kita mit Krabbelstube früher gewünscht. Weil auf Ü3- und U3-Plätze Rechtsansprüche bestehen natürlich. Und gemessen an den mit der parlamentarischen Beschleunigungsdebatte einher gehenden Untätigkeits- und Verschleppungsvorwürfen, die Große Koalition und Opposition sich und ihren Hauptamtlichen an der Rathausspitze gegenseitig gemacht haben, auch mit parteipolitischen Hintergedanken.

Aber hilft ja alles nichts. Tybussek, formuliert eine städtische Mitteilung, habe „jüngst für Klarheit im Bauzeitenplan gesorgt und die Termine an den komplexen Gegebenheiten ausgerichtet“. In der Tat würde ein privater Häuslebauer angesichts der Vorschriften für öffentlich-rechtliche Auftraggeber verrückt werden. Bei der Auswahl der Planer sind beispielsweise europaweite Ausschreibungen in einem dreistufigen Verfahren Pflicht. Die Fördermittelzusage, heißt es vom Bürgermeister, „wird nunmehr für diesen Sommer erwartet. Erst danach können weitere Planungen und vor allem die Ausschreibungen für den Bau, dessen reine Bauzeit mindestens 15 Monate beträgt, vorgenommen werden.“

Außerdem würden noch in diesem Jahr Planungen für die Erweiterung einer der bestehenden Einrichtungen aufgenommen, „um auch für die Folgejahre die steigende Nachfrage bedienen zu können“. Neben dem Bau sei da „die Personalakquise elementar. Was nützen uns die neuen Gebäude, wenn wir durch fehlendes Personal keine Kinder aufnehmen können“, sagt Tybussek.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Was das betrifft, funkt die Stadt ihre Stellenangebote längst auf allen Kanälen. Dort konkurrieren sie bekanntlich mit denen all der anderen Städte, die ihre Betreuungskapazitäten wegen der Rechtsansprüche und dem Willen zur „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ ja ebenfalls vorantreiben. Das gilt auch kurzfristig. Wie berichtet, sollen in diesem Jahr 93 zusätzliche Plätze bei Kitas geschaffen werden. 18 ab Spätsommer bei den „Wilden Zwergen“ und 75 im Dezember, wenn in einem Teil der ursprünglich für Flüchtlinge gebauten Gemeinschaftsunterkunft Schillerstraße eine neue Kita eröffnet. Das vermag wohl den dringendsten Bedarf zu decken.

Im Januar kann dann wohl die Schulkindbetreuung in Markwald mit 170 Plätzen für über Sechsjährige eröffnen. Als erste Nutzer werden die Kinder aus der derzeitigen Betreuung an der Markwaldschule und die Hortgruppe der Markwald-Kita die Räume mit Leben füllen. In den folgenden Wochen folgt dann die weitere Belegung sukzessive. Dafür werde der aktuelle Bedarf spätestens nach den diesjährigen Sommerferien bei den Eltern abgefragt.

Durch den Umzug der Hortgruppe wird in der Kita Platz für eine weitere Kindergartengruppe mit 25 Plätzen frei. Durch Umzug und Umbau würden so bis Sommer nächsten Jahres 170 Schulkindbetreuungs- und 118 Kindergartenplätze geschaffen. Davon wiederum profitiere der stark nachgefragte Krippenbereich. Denn er gewinne so Plätze, die bisher von mangels Kita-Kapazität von über Dreijährigen belegt sind.

Rubriklistenbild: © dpa

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