Vom Schauspieler getestet

Unterschiedliche Auslastung an Mühlheims beiden Corona-Testzentren

Mund auf: Im Juz hat vor einer Woche das zweite Testzentrum Mühlheims eröffnet.
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Mund auf: Im Juz hat vor einer Woche das zweite Testzentrum Mühlheims eröffnet.

„Einmal fest in die Maske husten, bitte!“ Lange warten müssen Mattis und Romy nicht, bis sie an der Reihe sind. Jetzt beugt sich ein blaues Männchen mit Schild und einer Pistole aus dem Juz-Fenster. Das kräftige Räuspern und die Temperaturmessung mit dem Handgerät sollen sicherstellten, dass die Kinder nicht erkrankt sind. Dann reißt der Mann im Plastikgewand das Tütchen mit dem Stäbchen auf, es kann losgehen.

Mühlheim - Vor einer Woche hat das zweite Testzentrum auf das Coronavirus in der grünen Lunge der Mühlenstadt eröffnet. Doch bis zum Wochenende haben erst wenige Menschen den Weg in die Rodaustraße gefunden, berichtet Martin Stein. Er ist einer von zwei Blauberockten, die an den beiden geöffneten Fenstern des Bistros im Jugendzentrum auf Kundschaft warten. „Umsonst“, bemerkt er und meint so manche Stunde, in der kaum ein Testwilliger mit oder ohne Online-Termin vor dem Sims den Rachen aufgerissen oder den Kopf in den Nacken gelegt hat.

„Mund geht auch“, erklärt Stein einem besorgten Ehemann, „aber Nase ist sicherer“. Wer zu Blutungen im Riechorgan neigt, blutverdünnende Medikamente einnimmt oder Schmerzen an der Scheidewand verspürt, dem kann die Probe aus dem hinteren Mundraum genommen werden, lernt der Besucher. Auch bei Romy fährt Stein mit dem XXL-Wattestäbchen vorsichtig die Schleimhaut im Rachen ab, was die Fünfjährige geduldig über sich ergehen lässt.

Ihr Vater stellt ihren kleinen Bruder aufs Fensterbrett, was dem Tester von schräg unten freie Sicht auf saubere Milchzähne freigibt. „Ich mache sonst Steins Tivoli“, stellt sich der Chef der heiteren Bühnen in Hanau und Rodenbach vor. Die Theaterhäuser haben seit mehr als einem Jahr ihre Tore geschlossen, darum arbeiten jetzt auch mehrere seiner Schauspieler in den Einrichtungen der Medizintestzentrum GmbH, das Paschalis Papadopoulos von der Schloss-Apotheke Rumpenheim und Moritz Breitenbach vom Zahnforum Bürgel betreiben.

„Das machen sogar Piloten und Flugbegleiterinnen“, weiß der Hanauer. Sein Kollege Reiner Wilkus ist Frührentner, war bei einer Bank beschäftigt. „Es sind einfache Arbeitsschritte“, findet er, „den Stab mit dem Sekret in eine Flüssigkeit tauchen, das Gemisch auf das Corona-Kit träufeln. Erscheint ein Streifen im Display, ist die Probe negativ, bei zwei positiv.“

Dann wird der QR-Code von der Anmeldung mit einem Handy gescannt, das Ergebnis angeklickt und an den Kunden geschickt. Liegt ein positiver Befund vor, geht die Nachricht auch ans Gesundheitsamt, die betroffene Person wird aufgefordert, noch einen PCR-Test zu machen und in Quarantäne zu gehen. Ganz selten spuckt der Computer das Resultat „nicht erkennbar“ aus – „dann ist zu wenig Sekret entnommen oder irgendetwas kaputt“, so Stein.

In den ersten Tagen mussten immer wieder Mitarbeiter aus Früh- und Spätschicht zum Zentrum auf dem Best-Gelände abgezogen werden. „Dort warten die Leute oft 20 Minuten“, weiß Stein, „vor allem am Wochenende und montags“. Im Dosenhart lassen sich nämlich zahlreiche Mitarbeiter der Betriebe im Industriegebiet auf Covid-19 überprüfen. Für Mattis und Romy geht’s jetzt in den Zoo, viermal negativ! (Michael Prochnow)

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