Vatroslav Zupancic tritt sein Amt an

Neuer Pastor für evangelisch-methodistische Gemeinde

Mühlheim - Die Mühlheimer evangelisch-methodistische Gemeinde bekommt einen neuen Pastor. Im Gottesdienst diesen Sonntag wird Vatroslav Zupancic sein Amt antreten. Von Marcus Reinsch 

Vatroslav Zupancic

Vatroslav Zupancic ist jemand, der menschliche Abgründe nicht nur aus dem bequemen Sicherheitsabstand mitteleuropäischer Nachrichtensendungen kennt. Er wurde im Jahr 1974 zwar im Hochsauerland geboren. Doch als Sohn einer kroatischen Gastarbeiterfamilie, die zu Beginn seiner Grundschulzeit zurück nach Zagreb zog, holte ihn nach seinem Abitur der Krieg ein. Er diente beim Militär, seine „Fronterfahrungen intensivierten in mir die Fragen nach dem Sinn des Lebens und was nach dem Tod kommt“. Antworten hat er für sich im Glauben gefunden. Das wird auch die evangelisch-methodistische Gemeinde in Mühlheim zu spüren bekommen – Vatroslav Zupancic ist ihr neuer Pastor. Offiziell in sein Amt eingeführt wird er im Gottesdienst an diesem Sonntag, 2. September, 14.30 Uhr, in der Christuskirche (Südring).

Als Kind wuchs Zupancic zweisprachig auf. Dass er neben Deutsch schon Kroatisch konnte, half ihm, als er sich in sehr jungen Jahren in einem Land wiederfand, in dem zwar seine Wurzeln liegen, das ihm aber natürlich erstmal fremd gewesen sein muss. Auch damals in Zagreb war seiner Familie der christliche Glaube nicht fern. Er war traditionell römisch-katholisch und Vatroslav ging zum Jugend-Glaubensunterricht, wo er „einige Grundlagen des christlichen Glaubens lernte, aber keine persönliche Beziehung zu Gott und der Bibel kannte“. So beschreibt er es in seinem Lebenslauf für die evangelisch-methodistische Kirche.

Dann brach der Krieg aus – und nach diesen Jahren, in denen sich keiner der Gegner die Hände ernsthaft in Unschuld waschen konnte, begann Zupancic Mitte der Neunziger zu arbeiten, genoss das Einkommen, die Jugendzeit mit Freunden. „Doch die wichtigsten Lebensfragen blieben für mich unbeantwortet.“

Er fand Kontakt zu einer Jugendgruppe aus einer evangelischen Freikirche, „erkannte viele Antworten auf meine Fragen und erlebte eine christliche Bekehrung“. Die führte zur Berufung in den Predigtdienst, zu einer Ausbildung zum Laienprediger auf der Bibelschule und ab 2003 zum Dasein als Diakon und Prediger. „Gott legte mir mehr und mehr die Evangelisation und Mission im pastoralen Bereich ans Herz“, sagt Zupancic.

Im Jahr 2005 wurde er in Vollzeit als Beauftragter für kirchliche Öffentlichkeitsarbeit in der Kirche angestellt, 2006 bekam er das Stipendium vom Haggai International Institute for Advanced Leadership, einer Schule für christliche Führungskräfte im US-amerikanischen Maui. Danach setzte er seine theologische Ausbildung an der Evangelischen Theologischen Hochschule in Osijek fort, bevor er an der Universität Zagreb den Master-Abschluss in Geschichte mit dem Thema „Deutsche evangelische Kirche in kroatischen Gebieten“ machte. Zu dieser Zeit war er auch Stipendiat der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung.

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Im Jahr 2014 schließlich wurde Vatroslav Zupancic wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Kirchengeschichte an der Bibelschule in Zagreb. „Mein kirchengeschichtliches und persönliches Interesse brachten mich dem Methodismus nahe, der leider in Kroatien wenig Tradition hat.“ Zum Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr wurde sein Buch „Die Suche nach Heimat-Geschichte von deutschen Evangelischen in Kroatien“ veröffentlicht.

Als er vor drei Jahren wegen der Promotionsvorbereitung nach Deutschland kam, trat er in Kontakt mit der evangelisch-methodistischen Kirche in Leinfelden-Echterdingen. „Hier fand ich herzliche Aufnahme in die Gemeinde, engagierte mich im Predigtdienst im Bezirk und darüber hinaus.“ Ab Januar 2017 wirkte er dann im Seniorenzentrum Martha-Maria in Stuttgart als Seelsorger, bewarb sich für den Vollzeitdienst in der evangelisch-methodistischen Kirche, die ihn nun nach Mühlheim schickt.

Seine Wünsche und Ambitionen seien auf den pastoralen-theologischen Dienst in der Gemeinde und in kirchlichen Werken fokussiert. Immer wieder lege Gott ihm ans Herz, „dass wir Christen für unsere Nachbarn da sein sollen“. Zupancic ist seit 2006 mit Danijela, einer Professorin für Kirchenmusik an der Universität Zagreb, verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder: Marija (11) und Lovro (9).

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