Das Leben des Bibers erforscht

Verein Zugpferd bietet Erlebnistage, bei denen sich alles um den Nager dreht

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Viel zu entdecken: Der Nachwuchs tauchte in die verschiedenen Lebenssituationen des Bibers ein.

Wenn er wüsste, welche Ehre ihm da im Mühlheimer Wald zuteilwird! Er würde vielleicht die Zahnzwischenräume mit einem feinen Schilfblatt reinigen und sein samtweiches Fell noch einmal mit den gerundeten Krallen durchkämmen. Wäre er bloß nicht so furchtbar schüchtern .

Mühlheim – Beim Verein Zugpferd haben sie aus Anlass des zurückgekehrten Bibers eine eigene Safari eingerichtet – freilich ohne dem scheuen Neubürger zu nahe zu kommen.

Joel Ortiz stammt aus Kuba. In seiner Heimat hat er Malerei studiert und Animationsfilme produziert. Die Erfahrungen daraus brachte er zum Zugpferd mit, wo er ein mäanderndes Bachbett aus Styropor, Dichtschlämmen und wasserfester Farbe auf einer Unterlage gestaltete. Die Landschaft stattete er mit Erde, Blättern und kleinem Geäst aus, die er auf dem Gelände fand, und fasste sie mit Hölzern ein. Jeder Biber würde vor Vergnügen jauchzen.

Dessen Arbeit übernahmen zum Auftakt des Projekts die Schüler der Klasse 4b der Lämmerspieler Brüder-Grimm-Schule. Versiert schichteten sie an dem Modell unter der schwarzen Jurte die kleinen Stöckchen an einer Engstelle des Mini-Bachbetts auf. Der Gießkannen-Test sollte zeigen, ob das Gebilde als Biber-Behausung taugt: Wasser floss bis zum Damm und staute sich dort – Auftrag erfüllt.

Stephanie Lehrian und das Team von Bio Frankfurt hatten noch weitere Stationen zur Erforschung des Biber-Lebens vorbereitet. So sollten die jungen Besucher die Kontur des Tieres mit einer Schnur legen. Dabei staunten die Mädchen und Jungen nicht schlecht, dass allein der Schwanz, die Kelle, rund einen Meter lang ist. Die Mitarbeiter in dem Netzwerk für Biodiversität luden auch ein, Formen von Vorder- und Hinterpfoten in Lehm zu drücken, um die Spuren der Nager besser zu erkennen.

Dann sollten die Kinder eine Mohrrübe in der Mitte allein mit den Vorderzähnen rundum abnagen. So sah sie aus wie eine Sanduhr – oder ein vom Biber bearbeiteter Ast. Mit dem fettgetränkten Löschpapier dokumentierten die Biologen, wie ein gut eingefettetes Fell Wasser abstößt. Sie hatten außerdem einen Biberschädel mitgebracht, an dem sie die Zähne markiert hatten. „Er wird oft mit Nutrias oder der Bisamratte verwechselt“, wusste die Lehrerin. Sie zeigte den Viertklässlern großformatige Fotos von der geschützten Art.

Auch Bürgermeister Daniel Tybussek wunderte sich über das samtweiche Fell, das hätte er sich „viel rauer vorgestellt“. Er lobte das Projekt, die Zusammenarbeit zwischen Zugpferd und den Pädagogen aus Frankfurt.

Die Gruppe spazierte noch zur nahen Rodau. Ein Exemplar des Staudamm-Konstrukteurs bekamen sie nicht zu Gesicht. Biber sind nicht nur sehr scheu, sondern auch vorwiegend in der Dämmerung aktiv. Mit kleinen Feldstechern ausgestattet konnten die jungen Naturforscher jedoch Spuren entlang des Bachs ausmachen. Zur Stärkung gab’s von den Zugpferd-Mitarbeitern Pizza aus dem Steinofen.

Gruppen können das Programm nach Anmeldung absolvieren, zugpferd-ev.de.

VON MICHAEL PROCHNOW

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