Vergebliche Bemühungen

Wirt der Mühlheimer „Kleinen Kneipe“ erwartet einen schweren Monat

Auch einen ehemaligen Hühnerstall hat Thinh Ngoyen Van (links), Wirt der „Kleinen Kneipe“, nach Corona-Regeln hergerichtet. Bislang sind die Besucher begeistert. Dennoch: Ab Montag muss der Gastronom wieder auf Lieferservice setzen.
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Auch einen ehemaligen Hühnerstall hat Thinh Ngoyen Van (links), Wirt der „Kleinen Kneipe“, nach Corona-Regeln hergerichtet. Bislang sind die Besucher begeistert. Dennoch: Ab Montag muss der Gastronom wieder auf Lieferservice setzen.

Zwei urgemütliche Hütten stehen im Hof der „Kleinen Kneipe“, gezimmert von Schreinermeister und Vereinsmensch Peter Helmle. Sie dienten bisher als Verkaufsstände bei Kerb und Weihnachtsmarkt. Thinh Ngoyen Van, der Wirt der beliebten Gaststätte an der Hausener Straße, hat sie coronagerecht umgebaut und ausgestattet. Jetzt sieht es allerdings so aus, als wären alle Mühen vergeblich gewesen.

Mühlheim – „Aufgrund der beschlossenen Verordnung können wir bis Ende November keine gemütlichen Plätze zur Verfügung stellen“, schreibt der Gastronom seinen treuen Besuchern in seinem Newsletter enttäuscht. „Die Kunden äußern Mitleid mit mir“, berichtet er und ist niedergeschlagen: „Ich werde einen schweren Monat haben. Wir haben wegen Corona so viel vorbereitet, uns so viel Mühe gegeben, und jetzt?“

Wie für viele Kollegen erscheint auch für Ngoyen Van das Verbot wie ein Schlag ins Gesicht. Jede Hütte bietet Platz für fünf Personen, mit einer Gasheizung und einem elektrischen Kamin mit flackernden Flammen im Retro-Stil, mit Tisch, Stühlen und Postern im alpenländischen Stil ausgestattet, all das verleiht dem Räum eine besondere Atmosphäre. Dazu hat der Wirt einen ehemaligen Hühnerstall hergerichtet, mit Laternen, Holzrädern und historischen Gartengeräten dekoriert. Am großen Tisch für zehn Personen hat er Plexiglas-Trenner montiert. „Umsonst“, sagt er.

Auch ein großes Zelt hat der Pächter mit Heizstrahler für Raucher ausgestattet. Im Gastraum können bis jetzt 20 Leute Platz nehmen – früher waren es 35. „Die Leute sind alle begeistert, fast jeden Abend ist alles ausgebucht“, berichtet der emsige Unternehmer. Alle 14 Tage veranstaltet er ein Schlachtfest, dann gibt es Platten mit Haxe, Leiterchen, Haspel und gekochtes Rippchen, „alles hausgemacht“, wirbt Thinh Ngoyen Van.

Erneuter Umstieg auf Liefer- und Abholservice

Seine Spezialität aber ist das Sitzhähnchen aus dem Steinbackofen, eine eigene Kreation. „Das Fett fließt so nach unten, das Fleisch wird knusprig“, erläutert der kreative Restaurantfachmann. Auf seiner Speisekarte finden sich außerdem Rinderrouladen und geräucherte Forellen aus Seligenstadt, Nudeln mit Hühnerfleisch, knusprige Ente und auch vegetarische Varianten, Gemüse und Suppen, Salat nach asiatischer Art.

Thinh Ngoyen Van ist aufgewachsen in Hai Phong in Vietnam. Seine Eltern kamen vor 40 Jahren zum Arbeiten in die DDR, er begann mit 20 in Eisenach Landmaschinen zu montieren, bewährte sich aber schon früh als Hobbykoch. 1990 ging der junge Mann in den Westen, war zunächst noch im Maschinenbau tätig. 2000 machte er sein Steckenpferd zum Beruf, startete in Limburg und Klein-Auheim in der Gastronomie. Vor viereinhalb Jahre übernahm der 59-Jährige das Lokal in Lämmerspiel, freut sich über treue Stammgäste und viel Laufkundschaft. Den erneuten Lockdown versuchen er und seine Ehefrau Anna nun wieder mit Liefer- und Abholservice zu überstehen. (Michael Prochnow)

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