Franzosenviertel

Mühlheim: Videotelefonie und kleine Feste für Senioren

Für eine Feier nach der Pandemie: Die Bewohner des Franzosenviertels sammelten Geld und überreichten den Scheck mit gebührendem Abstand an die Mitarbeiter des DRK-Seniorenzentrums. Foto: m

„Beifall und Lobeshymnen hört jeder gerne“, sagt Lara Horn. Sie ist Leiterin des Wohnbereichs 1 im DRK-Seniorenzentrum und sagt zum Freitagsapplaus, „das ist schon schön, wir schätzen das sehr und danken den Leuten im Franzosenviertel“.

Mühlheim - Die Initiative „Nachbarn schützen Nachbarn“ mit ihrer Speerspitze Waltraud Kaiser trat zum dritten Mal an ihre Gartenzäune und auf die Straße, um alle Fachkräfte in Medizin und Pflege, aber auch in anderen Arbeitsfeldern, die in aktuell wichtige Aufgaben erfüllen, zu würdigen. Den Gästen von der Einrichtung an der Offenbacher Straße überreichte die Sprecherin einen Scheck.

Mit den 500 Euro der Anwohner aus der St. Priest- und den umliegenden Straßen sollen die Mitarbeiter des Hauses ein Fest fürs ganze Team feiern – wenn die Krise einmal zu Ende geht. Neben den Vertretern des Rot-Kreuz-Heims kamen diesmal der Landtagsabgeordnete Ismail Tipi, Bürgermeister Daniel Tybussek und Erster Stadtrat Dr. Alexander Krey in die Siedlung östlich der Altstadt. Tipi lud die „Engel“ im Pflegedienst zum Mittagessen nach Wiesbaden ein.

Sie führen jetzt auch regelmäßig Telefongespräche mit den Angehörigen, um zu informieren. Damit die Bewohner mit ihren Kindern und Enkeln kommunizieren können, haben Techniker Voraussetzungen für Videotelefonie geschaffen, teilt Einrichtungsleiter Richard Brinkmeyer mit. An zwei Tagen in der Woche können Termine für Sprechzeiten vereinbart werden. Zudem können die älteren Menschen das Außengelände zur Goetheschule hin nutzen.

Schwierig sei die Situation für Demenzkranke, die nicht verstehen, warum sie keinen Besuch bekommen, nicht vor die Tür oder wie gewohnt ins Café Stern dürfen. „Die Wohnbereiche gestalten darum Feste in kleinen Kreisen, um die Bewohner bei Laune zu halten“, erläutert Tamara Petkovski von der Gruppe 2. Das bedeute freilich organisatorischen Mehraufwand für die 82 Pfleger.

Durch die frühzeitige Schließung des Gebäudes für Besucher sei unter den 90 Bewohnern noch kein Corona-Fall aufgetreten, betont Katharina Gawreljnk vom Bereich 3. Masken werden daher im Gebäude noch nicht getragen, für den Ernstfall stünden aber ausreichend Exemplare bereit. Selbst genähten Mund-Nase-Schutz brachten zwei Damen des Nähkreises der Adventgemeinde zu dem Treffen mit Abstand mit.

Das Musikprogramm begann außerplanmäßig mit durch Masken gedämpfte Glückwünsche zum 14. Geburtstag für die ehemalige Kinderprinzessin Jasmin. Auch die „Freude schöner Götterfunken“ klang dadurch stumpf. Aber Martin Kießwetter hatte sein Keyboard und zwei Lautsprecherboxen in seiner Einfahrt aufgebaut, um der Europahymne einen kräftigen und fröhlichen Klang zu verleihen.

Die Texte zum Mitsingen hatte Waltraud Kaiser mit ihren Helfern ausgedruckt. Sie wählten Lieder, die irgendwie zur veränderten Welt passen. Die Initiatorin der 1997 gegründeten Gemeinschaft drückte noch einmal die Hochachtung gegenüber den Menschen aus, „die mit Leib und Seele dafür sorgen, dass alles weiter läuft“.

Von Michael Prochnow

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