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Stadtverordnete befassen sich mit der Seniorenarbeit

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Von: Stefan Mangold

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Die städtische Seniorenhilfe und die Bürger- und Seniorenhilfe stellen ihre Arbeit vor.  (Symbolbild)
Die städtische Seniorenhilfe und die Bürger- und Seniorenhilfe stellen ihre Arbeit vor. (Symbolbild) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Menschen werden zwar immer älter, bleiben aber oft nicht fit und sind daher auf Hilfe angewiesen. Im Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung präsentierten Carmen Diamantis und Rainer Kraft die Arbeit der Bürger- und Seniorenhilfe Mühlheim. Zuvor referierten Susanna Northmann-Lang und Fachbereichsleiter Olaf Burmeister-Salg über die Aufgaben der Seniorenberatung der Stadt.

Mühlheim – Northmann-Lang berichtet von 303 Kontaktaufnahmen in den ersten vier Monaten des Jahres. Anhand der Themen lässt sich erkennen, wo es Senioren und ihre Angehörigen besonders drückt, „44 Mal ging es um Pflegeberatung, 54 Mal um Grundsicherung im Alter“. Ansonsten drehen sich die Gespräche etwa um Wohnungssuche oder den Umzug in ein Altersheim. Manche kommen auch mit den seelischen Folgen nicht klar, wenn Einsamkeit einkehrt, weil der Partner verstarb, mit dem man die meiste Zeit des Lebens verbrachte. Ein weiteres Thema seien Patientenverfügungen.

Die Seniorenberatung könne auf ein „gemeinwesenorientiertes Netzwerk zugreifen“. Man stehe in Kontakt zu allen relevanten Gruppen, „wie etwa zu den Herbstzeitlosen von der Awo, die sich um Demente kümmern“. Natürlich herrscht auch zur Bürger- und Seniorenhilfe Mühlheim (BSHM) enger Kontakt.

Bei deren letzten Jahreshauptversammlung im November 2021 hatte sich die langjährige Vereinsvorsitzende Ilse Picard nicht mehr zur Wahl gestellt. Seitdem führt ein Vorstandskollektiv, dem Carmen Diamantis und Rainer Kraft angehören.

Im Sozialausschuss sitzen auch junge Stadtverordnete, die sich mit Sicherheit nicht vorstellen können, wie sich das Alter anfühlen kann, wenn sich etwa der Weg zum Supermarkt zu einem unüberwindbaren Hindernis entwickelt. Wer jetzt Ende zwanzig ist, kann schon Punkte für später sammeln, wie Rainer Kraft ausführt. Wer beispielsweise Einkäufe übernimmt, kann darauf hoffen, dass die geleistete Hilfe dereinst auf ihn zurückfällt.

Die Stadt unterstütze die BSHM vor allem indirekt, „wir sind dankbar, für unser Büro an der Goethe-Straße keine Miete zahlen zu müssen“. Dort addiere sich ein Großteil der jährlich geleisteten gut 1 250 Arbeitsstunden. Bürgerinnen und Bürger tragen etwa ihre Probleme vor, wenn es etwa darum geht, die Mutter zum Arzt zu fahren, weil die Kinder das organisatorisch nicht leisten können. Die BSHM organisiert auch Fahrten zu Behörden, ebenso Hausbesuche oder gemeinsame Spaziergänge. Wenn im Haushalt kleinere Reparaturen anfallen, übernehmen das Helfer mit handwerklichem Geschick. Einen garantierten Anspruch auf bestimmte Leistungen könne jedoch niemand geltend machen, „schließlich arbeiten wir alle ehrenamtlich“. Rainer Kraft hofft, dass sich zu den aktiven Mitgliedern noch einige hinzugesellen. „Uns geht es wie den meisten Vereinen: Wir haben Nachwuchsprobleme.“

Um laufende Kosten zu decken, bezahlen Bedürftige pro erster geleisteter Stunde 2,50 Euro, für jede weitere fallen 1,50 Euro an, für jeden gefahrenen Kilometer 50 Cent. Über Zuwendungen von Spendern und Sponsoren finanziert der Verein ein Auto, das als rollende Werbefläche des Mühlheimer Einzelhandels zum Arzt nach Hanau oder zum Nachlassgericht nach Offenbach fährt. Um die laufenden Kosten des Autos zu decken, „spendete jemand 5 000 Euro“.

Rainer Kraft vergleicht die Arbeit der BSHM mit einem Eisberg: „Die größte Masse liegt unter dem Wasser, nur der kleinere Teil ragt raus.“ Aktionen wie Feste oder Ausflüge strahlten nach außen, „das meiste, was wir leisten, passiert jedoch im Verborgenen“. (Stefan Mangold)

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