Viel weiße Farbe gelassen

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Leon gestern Nachmittag am Zebrastreifen an der Stauffenbergstraße. Die meisten Autos fahren einfach achtlos vorbei, ignorieren sowohl Schilder als auch Streifen. Der Neunjährige geht nur noch in Begleitung seiner Mutter oder Oma zur Schule.

Mühlheim - Leon steht zweimal am Tag vor dem Problem - wobei dieses Problem im Moment gar nicht so gut erkennbar ist. Denn der Zebrastreifen an der Ecke Staufenbergstraße/Steinheimer Straße hat in den vergangenen Monaten viel weiße Farbe gelassen, ist höchstens noch rudimentär erkennbar. Von Heiko Wiegand

Ein Zebrastreifen als Problem? „Die Autos halten einfach nicht an - morgens nicht, wenn ich in die Schule gehe. Und nachmittags auch nicht. Das macht sowieso überhaupt gar keinen Unterschied, wann ich hier stehe. Nie halten die!“ Leon, der neunjährige Bub aus der Stauffenbergstraße, besucht die vierte Klasse der Brüder-Grimm-Schule und steht an diesem Nachmittag sauer an „seinem“ Zebrastreifen.

Und tatsächlich: Die ersten vier Autos, die von Steinheim kommend in Richtung dieses hart am Rand der Kreuzung gelegenen Fußgängerüberwegs abbiegen, lassen sich von Schildern und Streifen keineswegs bremsen, fahren einfach weiter. Obwohl sich Leon, deutlich sichtbar mit buntem Schulranzen auf dem Rücken, am Zebrastreifen aufgebaut hat.

Stadtautobahn ist „maßlos übertrieben“

„Das ist immer so hier“, klagt auch Großmutter Brigitte Fiedler. Der Grundschüler darf deshalb an dieser Stelle nur noch mit Begleitschutz über die Straße. Wenn Mama Beate im Büro ist, eilt Oma Brigitte zu Hilfe. Man hat sich organisiert. Denn die Stauffenbergstraße mutiere mittlerweile eher zur Stadtautobahn zwischen dem Hanauer Stadtteil und Mühlheim, regen sich die Eltern auf. Zudem werde seit einiger Zeit ein Kleinwagen just auf der Höhe des Überwegs abgestellt - und das auch noch falsch rum. Nachdem die Eltern Polizei und Ordnungsamt informiert hatten, wandte man sich an uns.

Erster Stadtrat Heinz Hölzel, im Rathaus auch zuständig für Ordnungsangelegenheiten, hat im Gespräch mit unserer Zeitung bereits Ende vergangener Woche zugesagt, dass man sich ums Streichen kümmere, sobald das Wetter besser werde. „Das war eben in den vergangenen Monaten wegen des Schnees und dauernden Regens nicht möglich“, erklärt Hölzel auf Anfrage. Die Bezeichnung „Stadtautobahn“ im Zusammenhang mit der Stauffenberg hält er allerdings für „maßlos übertrieben“. Außerdem seien „in Tempo-30-Zonen Zebrastreifen eigentlich nicht mehr zulässig. Wir kommen hier lediglich den Bürgern entgegen und hoffen somit, die Situation insgesamt etwas entschärfen zu können“, entgegnet der Ordnungsdezernent auf die Vorwürfe aus dem direkt am Feldrand gelegenen Viertel.

Und wenn es sich bei dem Kleinwagen immer um den selben handele, könne man sich in solchen Fällen durchaus mit einer Anzeige an die Stadt wenden. „Die wird vertraulich behandelt. Der Falschparker weiß also nicht, wer sich an uns gewandt hat. Wir reagieren dann umgehend und verwarnen den Autofahrer.“ Aber eine konkrete Anzeige zu machen, davor schreckten viele Bürger zurück - „man will es sich ja mit seinen Nachbarn nicht verderben.“ Im konkreten Fall, so Hölzel gestern, sei die Stadt bereits erfolgreich aktiv gewesen: „Zwei Ordnungspolizisten haben den notorischen Falschparker ausfindig gemacht und sich mit ihm unterhalten. Er hat uns gegenüber Besserung gelobt und versprochen, dass er seinen Wagen in Zukunft nicht mehr an dieser Stelle parken wird.“

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