Viele Anfragen für Demenzgruppe

Das Projekt „Herbstzeitlose“ schafft Entlastung für pflegende Angehörige

Zu Besuch bei den „Herbstzeitlosen“: Bürgermeister Daniel Tybussek (hinten, Zweiter von rechts) und Erster Stadtrat Dr. Alexander Krey (hinten, Dritter von rechts).
+
Zu Besuch bei den „Herbstzeitlosen“: Bürgermeister Daniel Tybussek (hinten, Zweiter von rechts) und Erster Stadtrat Dr. Alexander Krey (hinten, Dritter von rechts).

Sie plaudern über die Bäckereien in der Stadt, in denen es noch nach selbst gebackenem Brot duftet, und über die letzten Metzgereien, die feurige Spezialitäten zubereiten. Sie schimpfen über die Fähre, mit der sie nicht mehr ihren Besuch zum Äppelwoi über den Main begleiten können. Bürgermeister Daniel Tybussek besuchte gestern mit Erstem Stadtrat Dr. Alexander Krey die „Herbstzeitlosen“. So nennt sich die Gruppe der Arbeiterwohlfahrt Obertshausen, in der sich an Demenz erkrankte Bürger mit haupt- und ehrenamtlichen Helfern treffen.

Mühlheim –Normalerweise servieren die Begleiter Kaffee, Tee und Wasser, Gebäck und Obst, basteln mit den Menschen, die Erinnerungen verloren haben, malen, singen, kochen und unternehmen Ausflüge. „Die Aktivitäten richten sich nach der Atmosphäre und nach der Zusammensetzung der Runde“, erläuterte Fachbereichsleiterin Ulla Moser aus dem Ingeborg-Kopp-Haus in Hausen. Bei Spaziergängen wird für jeden Rollstuhl eine Person gebraucht, die ihn schiebt. Sind viele Gehbehinderte dabei, bleibt die Gemeinschaft im schönen Innenhof der Anlage an der Fährenstraße. Die Treffen dienen auch der Entlastung der Pflegenden, die meistens Angehörige sind. Sie können sich von den erfahrenen Mitarbeitern beraten lassen, die auf Wunsch auch Hilfe für den Alltag vermitteln. Vor 18 Jahren gingen die „Herbszeitlosen“ als erstes Projekt dieser Art im Kreis Offenbach an den Start. Es führte auch zu einer der ersten Kooperationen auf kommunaler Ebene: Die Städte Obertshausen und Mühlheim schlossen sich zur Finanzierung des Angebots zusammen, 2014 wurden die ersten Verträge unterzeichnet. Auch der Kreis und die Pflegekassen beteiligen sich. Gab es vor der Pandemie fünf Treffen pro Woche in beiden Orten, sind jetzt nur zwei möglich, fährt die Leiterin fort.

Seit Juni haben sie wieder geöffnet, allerdings für jeweils nur fünf Gäste, diesmal alle aus Mühlheim. Anfang August soll auch die zweite Gruppe starten, hofft Ulla Moser, „es gibt sehr viele Anfragen aus der Stadt“. Die Zeit dienstags von 9 bis 12 Uhr sei auch ein „Schnuppertermin“ für Neue und Angehörige. Sie sollten vollständig geimpft sein, „das wichtigste Mittel, um Sicherheit zu erlangen“. Die Sprecherin wird vor Ort von Awo-Mitarbeiterin Karin Schön sowie der Ehrenamtlichen Hanne Seibel unterstützt, die auch Einzelbetreuung übernimmt. Auch Alexandra Banos aus Obertshausen hilft mit, lässt die älteren Menschen Sprichwörter ergänzen. „Alle, die mitmachen, sind in mehreren Einheiten geschult“, betonte die Sprecherin.

Die Truppe pflegt enge Kontakte zu anderen Organisationen. Diese Vernetzung wollen sie in der „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ im September ausbauen, kündigte Awo-Vorstandsmitglied Silvia Acemi an. Am Dienstag, 14. September, laden sie von 9 bis 12 Uhr zu einem „Tag der offenen Tür“ ein, dann werden Flur und Nebenräume für Informationen geöffnet, während nebenan die Gruppe läuft. Krey unterstrich die Bedeutung des Projekts. Die Stadt plane einen runden Tisch für die Seniorenarbeit. (Von Michael Prochnow)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare