„Brumsumsel“ nicht zu schlagen

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Nicht nur auf dem Wasser, auch an Land wurde bei der vom MRV organisierten Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“ jede helfende Hand gebraucht.

Mühlheim - „Brumsumsel“ – das klingt nicht unbedingt nach Kraft und Tempo. Trotzdem ist das Gespann mit diesem Namen der absolute Gewinner beim „Rudern gegen Krebs“. Von Michael Prochnow

Oder sind es doch die Patienten, die nach Krebsoperationen und Reha-Maßnahmen mit Sport wieder auf die Beine – und zurück in die Gesellschaft finden? Rund 20.000 Euro erzielte die Stiftung „Leben mit Krebs“ am Sonntag allein aus der Startgebühr der 80 Mannschaften bei der Benefiz-Regatta beim Mühlheimer Ruderverein (MRV). Damit sollen speziell begleitete Bewegungsangebote mitfinanziert und die Qualifizierung von Therapeuten unterstützt werden.

Im „Brumsumsel“-Vierer saß das Team von Professor Elke Jäger von der Onkologie und Hämatologie am Frankfurter Nordwest-Krankenhaus. Ihm folgte im Super-Finale die Mannschaft der Stiftung aus Mainz-Kastel und eine weitere Vertretung der Nordwest-Klinik, die sich herausfordernd „Hasta la vista“ nannte, „Auf Wiedersehen“. Einen stolzen dritten Platz in der gemischten Klasse holte der Vierer der Friedrich-Ebert-Schule. Das Team vom Autohaus Best errang bei den Männern Bronze, die Radfahrer von RC Adler landeten auf Rang Fünf.

In den schnellsten Booten ruderten erfahrene Sportler mit, verrieten die Sieger. Dabei gerieten Zeiten und Ränge bei der Großveranstaltung auf dem Main an der Fähre in den Hintergrund. Viel wichtiger war das Gemeinschaftsgefühl , wie Andreas, Aktiver aus einem der Boote mit Krebs-Patienten der Asklepios-Klingen Langen und Seligenstadt formulierrte. Aus ihren Reihen gingen allein rund 30 Boote an den Start. Teamgeist, das „Kräftigungsprogramm für den ganzen Körper“, das Stärken von Ausdauer, Koordination und Gleichgewicht sowie das Bewusstsein, etwas Gutes für seine Gesundheit getan zu haben, fördern den Heilungsprozess, informierte die Sportwissenschaftlerin Victoria Heppenheimer.

Begeistert schwärmten sie und die Betroffenen von der vorbildlichen Organisation der Gastgeber vom MRV. Dort fand sich fast zu jeder Tageszeit, sogar am Wochenende, immer ein Trainer, der bereit war, mit Geduld und Einfühlungsvermögen die Quartetts auf den Wettkampf vorzubereiten. Den Gästen wurde der Puls gemessen, Betreuer kümmerten sich um die Boote, lobte Andreas. „Das Rudern bringt 100 Prozent Lebensqualität“, freute sich der Asklepios-Patient. Er fühle sich „sozial eingebunden“, was ihn aus eine „depressiven Loch“ herausholte. Seine Kameradinnen vom Team Phoenix 2 pflichten ihm bei, sie üben sich sonst mit Therapeutin Heppenheimer in Nordic Walking und Gymnastik. Im kommenden Frühjahr wollen sie wieder in die schlanken Wassersportgeräte steigen.

Mehr als 100 MRV-Mitglieder halfen auf dem Wasser, hatten sich als Steuermänner und -frauen zur Verfügung gestellt oder begleiteten das Ein- und Aussteigen, managten Start und Ziel. Viele hatten Kuchen gebacken, gegrillt oder an den Theken gestanden, würdigte MRV-Vorsitzender Stefan Mieth das Engagement seines Vereins. Ihm bleiben die Einnahmen aus dem Speisen-Verkauf und das Trainingshonorar für Nachwuchsarbeit und Geräte. Mit Booten hätten außerdem benachbarte Clubs ausgeholfen, bedankte sich Mieth für die tatkräftige Unterstützung.

Mehrere Sponsoren förderten die Anliegen, zahlreiche Spender füllten während des Turniers eine Banküberweisung aus. Stiftungssprecherin Jutyna Iskierka zog das Formular der Rembrückerin Roswitha Subtil, die so einen Tablet-Computer gewann. Ideale Wetterbedingungen führten rund 1000 Schaulustige ans Mainufer, Rückenwind beflügelte die Sportler auf dem Fluss. An Land lockten eine Hüpfburg und der Ritt auf dem elektrischen Bulle, Info-Stände bereicherten das Angebot und die Band DADline sorgte mit großen Hits für gute Unterhaltung.

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