Von der Kunst des Shampoomachens

Dietesheimerin Christina Appel gewährt Einblick in ihr „Labor“

Neben Shampoo kreiert Christina Appel auch sogenannte Badebomben.
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Neben Shampoo kreiert Christina Appel auch sogenannte Badebomben.

Christina Appel kreiert Shampoos. „Es ist Spaß an der Freude und Neugier“, erklärt sie ihren Erfindergeist, manchmal treibt sie schlicht die Not. So verursachen handelsübliche Haarwaschmittel gerötete oder juckende Haut bei der Neu-Dietesheimerin. Also forschte die gebürtige Gelnhäuserin so lange, bis sie die optimale Rezeptur für ihr Haupt gefunden hatte.

Mühlheim – Appel erinnert sich noch gut. Sie hatte gerade die Haare gefärbt, da ist ihr Kopf so angeschwollen, dass sie vier Tage im Krankenhaus verharren musste. Zudem vertrug sie einfache Pflegemittel nicht mehr. „Auch Bio-Seifen, sehr gute Produkte aus der Region, habe ich nicht vertragen.“ Drogerien und Apotheken gaben ihr Proben verschiedener Produkte mit, doch selbst hypoallergene Mittel, deren Zusammensetzung auf empfindliche Haut Rücksicht nimmt, ließen keine beschwerdefreie Reinigung zu.

„Die Frage war, wie wasche ich meine Haare?“, schildert Christina Appel ihre Situation. „Ich gebe nie auf“, lautete ihre trotzige wie energische Antwort auf die Misere. „Kernseife macht die Haare stumpf“, fand die junge Frau rasch heraus. Eine Mitauszubildende, die sich auch auf den Beruf der Altenpflegerin vorbereitete, siedete seit Jahren Seife und wusste, vier Prozent Überfettung in der sonst fettfreien Seife helfen Haut und Haar.

Die kreative Dietesheimerin testete Rezepte von Siederinnen einer Internetgruppe, schuf einen „Dunklen Engel“ aus natürlichem Kokos-, Oliven-, Rizinus-, Trauben-, Mandel- und Jobobaöl. Von den einzelnen Zutaten müssen zwischen 200 und zwei Gramm zu einem Sud aus Essig mit Wasser gegeben werden. „Das muss sehr exakt ermittelt werden, da hilft ein Seifenrechner im Internet, der sagt auch, wie viel Ätznatron hinzugefügt werden muss.“ Je nach erwünschtem Überfettungsgrad werden zwischen vier und sechs Prozent eingeträufelt.

Wochenlang im Badezimmer experimentiert

Die Expertin suchte nach weiteren Alternativen, experimentierte wochenlang im Badezimmer, unter anderem mit Roggenmehl. „Das gab eine Riesensauerei, ich musste das ganze Bad putzen“, erinnert sie sich an die ersten Schritte zum Shampoo mit der ganz persönlichen Note. In ihrer Seife stecken nun ein pulvriges Tensid, Shea-Butter und Speisestärke, die in eine Form gepresst werden und eine Stunde im Gefrierfach verweilen müssen. Die Komposition wird entweder mit dem Pinsel oder als Brei aufgetragen, erläutert sie, je nach Verarbeitung.

Mittlerweile fertigt sie ihre Kreation innerhalb von drei Stunden. Viele Zutaten bekommt sie im Supermarkt, dazu „eine halbe Stunde Spaß“. Auf diese Weise entstehe auch so manches Geschenk – oder Ware für den Flohmarkt. Bei aller Zähigkeit weiß Christina Appel, wo die eigenen Grenzen liegen: „Manche Versuche sollte man bleiben lassen, da sind die industriell gefertigten Angebote von der Qualität mindestens gleichwertig und erheblich günstiger“, lernte sie. „Make up geht selbstgemacht gar nicht.“

Die Anleitung zur Herstellung von Cremes, Bodylotion und Lippenpflege halte das Internet mit den alten Hobbythek-Sendungen von Jean Pütz im Fernsehen bereit – und kurioserweise die Seite der Thermomix-Geräte. Do-it-yourself lohne sich oft, denn „die Liste der Inhaltsstoffe der Hygieneartikel ist unendlich“ und „der Mensch kann auf alles reagieren“. Auch eine Badebombe stammt aus dem Labor an der Obermainstraße. (Michael Prochnow)

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