Von der Spontanität leben

Die Mitglieder der Kirchturm-Komödianten treten vor die Kamera

Thomas Schwab und Carolin Arndt stehen in einem Computer-Laden, in dem Schreibmaschinen unbekannt sind.
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Thomas Schwab und Carolin Arndt stehen in einem Computer-Laden, in dem Schreibmaschinen unbekannt sind.

Bühne frei, it’s Showtime. An einen Blockbuster reicht es vielleicht noch nicht heran, aber die Stars aus den Dietesheimer Studios sind von den Brettern, die die Welt bedeuten, auf die Leinwand umgezogen. „Die Kirchturm-Komödiante’ lebe’ noch!“, verkündet Kolpingbruder Günter Constantin auf der Facebook-Seite der Truppe im Internet. Dort sind auch die ersten Produktionen zu bewundern, mit denen sie die Einschränkungen der Pandemie umschiffen.

Mühlheim – „Wege’ Corona habe’ die da zu!“. Stefan Heberer fällt es wie Schuppen von den Augen. Mit dem Text des geplanten Stücks unterm Arm steht der Motor der Theatergruppe vor verschlossenen Türen. Und noch bevor er die Kameraden informieren kann, rütteln auch die am Haupteingang des Pfarrheims. So versammelt sich die vor den Aufnahmen aufs Virus negativ getestete Runde also vor der Kamera auf einer Holzbank zwischen der Pfarrkirche St. Sebastian und ihrem abgeriegelten Spielort.

Einfach proben gehe mit Mundschutz nicht, und mit Abstand könne man zwar den Text vortragen, aber keine Handlung einstudieren. Also haben die „Komödianten“ ihr für diesen Herbst geplantes Stück auf November 2022 verlegt. „Alle Beteiligten bedauern das“, heißt es. „Besser als die Dunkelheit zu verfluchen ist es, eine Kerze anzuzünden“, zitiert Heberer im Video mit einem lodernden Docht im Dunklen den einstigen Frankfurter Zoo-Direktor Dr. Bernhard Grzimek.

Von ihrem „Ass im Ärmel“ prahlen die Mitspieler dann vorm Gartenhaus, „wir haben nämlich noch Plan B und C in de’ Schublad’“. Über viele Jahre waren die Zuschauer „Gäste bei uns, jetzt kommen wir zu euch zu Hause“. In den nächsten Wochen wollen sie immer donnerstags „etwas ins Netz stellen“, das bei der Theaternacht im Schanz vorgestellte „Hausmeister-Kabarett“ aufzeichnen, Sketche spielen, Witz erzählen oder eine Lesung anbieten. Zum Beispiel über den „Mord im Kühlschrank“, der jetzt online ist.

„Wir nehmen uns die Freiheit, nicht nur Klamauk zu produzieren, sondern auch mal etwas Ernstes, mal eine andere Seite zu zeigen“, verkündet Sprecher Heberer und fügt gleich hinzu, „aber, es ist immer was Heiteres dabei“. Zwei Werke sind bereits zu sehen, mindestens vier weitere folgen. Darunter ist auch das „Kartenspiel“ von Bruce Low und das „Puzzle des Lebens“. Die ersten Szenen werden pompös mit Festival-Musik eingeleitet, laufen drei, vier Minuten oder auch nur eineinhalb. „Das wird nie perfekt sein“, betont der Mitinitiator, „da liegt der Textzettel auf dem Tisch, die Geschichten werden kurz geprobt, improvisiert und rausgehauen“, lautet die Ansage, „nicht wochenlang dran herumdoktern“.

Die Reaktionen seien überwiegend positiv, der erste Beitrag wurde im Netz schon 70-mal geteilt. Der harte Kern gab den Anstoß für die virtuellen Auftritte, die Familie von Rita Bauer und den Brüdern Thomas und Stefan Schwab sowie Stefan Heberer. „Es ist wichtig, das wir etwas unternehmen, damit die Gruppe nicht auseinanderfällt“, sagt er. Wichtig sei auch, „dass die Leute sehen, dass es uns noch gibt. Wer jetzt präsent ist, der überlebt auch die Pandemie“, argumentiert er für alternative Aktivitäten der Vereine.

„Wenn wieder geöffnet wird, kann Dietesheim was erlebe’“, versprechen die Mimen. „Was glaubt ihr, wie schnell die Plakate draußen hängen.“ Bis dahin: „Bleibt gesund.“ Und denkt daran: „Immer donnerstags ist Showtime.“ (Von Michael Prochnow)

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