Unterwegs mit Horst Baier und Angestellten des HSGB auf dem Lämmerspieler Rundweg

Vorbei an Streuobstwiesen und Reben

Betriebsfeier an der frischen Luft: Karl-Heinz Stier (Mitte) und Horst Baier liefern Mitarbeitern des Hessischen Städte- und Gemeindebundes Informationen über den Lämmerspieler Rundweg.
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Betriebsfeier an der frischen Luft: Karl-Heinz Stier (Mitte) und Horst Baier liefern Mitarbeitern des Hessischen Städte- und Gemeindebundes Informationen über den Lämmerspieler Rundweg.

Mühlheim – Mit Betriebsfeiern in geschlossenen Räumen schaut es zu Corona-Zeiten trübe aus. Daher hatte Bernd Klotz, der Pressesprecher des Hessischen Städte- und Gemeindebunds (HSGB), die Idee, stattdessen spazieren zu gehen. Da bietet sich der insgesamt 7,7 Kilometer lange Lämmerspieler Rundweg an. Über den führte Horst Baier von der Geschichtsgruppe Lämmerspiel die Angestellten des HSGB.

Betriebsrätin Manuela Siedenschnur begrüßt zum Start vor dem Lämmerspieler Friedhof an der Steinheimer Straße rund 30 Kollegen. Horst Baier bemerkt, die veränderte Verkehrsführung in Mühlheim habe dazu geführt, „dass sich das Aufkommen hier deutlich erhöhte“. Ansonsten dürfen sich die Lämmerspieler über einen Nebeneffekt der Pandemie freuen: Niemand muss gegen Flugzeugkrach anschreien.

Nach 300 Metern Richtung Osten zeigt Baier das Foto eines Bombentrichters. Nach dem Krieg nutzte die örtliche Lederindustrie das Loch, um nonchalant Abfälle zu entsorgen. Baier deutet an, in der längst überwachsenen Mülldeponie dürften auch Giftstoffe lagern. Kurz darauf zeigt der pensionierte Berufsschullehrer auf die ornithologisch erklärende Tafel des Vogelzucht- und Schutzvereins Lämmerspiel, der zu den Klubs gehört, die unter dem Dach der Lämmerspieler Ortsvereine (LOV) den Rundweg initiierten und im Mai 2018 einweihten.

Anfangs habe es von Behördenseite den Vorschlag gegeben, die ersten Meter über die Autostraße führen zu lassen. Für die LOV sei das keine Option gewesen, „dann hätten wir es gelassen, viel zu gefährlich“. Bürgermeister Daniel Tybussek habe sich nach einer Ortsbegehung schließlich dafür ausgesprochen, den Rundweg gegenüber vom Waldparkplatz zu starten. Nach viel Schriftverkehr der Initiatoren mit der Unteren Naturschutzbehörde ließ die Stadt den verwilderten gut 150 Meter langen Abschnitt der historischen Handelsroute vom Spessart über Dietesheim nach Frankfurt für 12 000 Euro in einen begehbaren Weg zurückverwandeln.

An der Steinkaute erzählt Baier, wie sich dort die Lämmerspieler für den Bau ihrer Häuser die Basaltbrocken holten. Aus der Quelle unter der Brücke sprudelte es noch vor Kurzem in Trinkwasserqualität, „nach der Trockenheit der letzten Jahre sieht man nur noch feuchte Erde an der Stelle“.

An der „Heinz Bruch Ruhe“, benannt nach dem 2018 verstorben langjährigen Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, erzählt Baier von der Historie des Areals, das die Lämmerspieler im 14. und 15. Jahrhundert als Weinanbaugebiet nutzten. Während der „Kleinen Eiszeit“ wuchsen die Trauben nur noch so dürftig, dass die Obrigkeit befahl, stattdessen Obst anzubauen. Ab den späten 1960er-Jahren lohnte sich der Anbau für die privaten Parzellen-Eigentümer nicht mehr. Das Gebiet verwilderte, bis auf Initiative der Schutzgemeinschaft der Gailenberg wieder zur großen Streuobstwiese mutierte, „ohne die Schutzgemeinschaft wäre das nicht passiert“.

Karl-Heinz Stier erzählt an den 99 Reben, wie die Interessengemeinschaft der Lämmerspieler Weinbauern vor 27 Jahren entstand. Das Grundstück stellte Reinhold Best zur Verfügung. Anfangs habe die Untere Naturschutzbehörde verlangt, den Zaun um die Weißburgunder-Reben wieder zu entfernen. Das revidierte die Obere Naturschutzbehörde auf das Gutachten eines Jägers hin, der bemerkte, „das Wild braucht einen Tag, um alles abzufressen“. Je nach Wetter wirft der von ehrenamtlichen Helfern gepflegte Wingert zwischen 100 und 220 Liter Qualitätswein ab.

Horst Baier führt die Gruppe noch am Galgenberg vorbei, auf dem das Steinheimer Gericht letztmals 1734 einen Delinquenten erhängen ließ. An anderer Stelle wuchsen durch eine Laune der Natur die Siebeneichen aus einer Wurzel. Auf der Kuppe vor dem Dietesheimer Wald zeugt ein halber Hektar schwarzer Wiese von dem Brand am 8. August. Nach Auskunft von Einsatzleiter Matthias Luniak gelang es den Wehren aus Mühlheim und Obertshausen, mit 6500 Litern Wasser das Feuer in Schach zu halten.

Von Stefan Mangold

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