Vorfreude auf die Rente

Das Modell des Miniatur-Bahnclubs Stellwerk soll in 25 Jahren fertig sein

Vereins-Sprecher Martin Söhngen hat auch während Corona die Leidenschaft für sein Hobby nicht verloren. Mit den anderen Stellwerkern trifft er sich momentan einmal im Monat zum virtuellen Bastelabend.
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Vereins-Sprecher Martin Söhngen hat auch während Corona die Leidenschaft für sein Hobby nicht verloren. Mit den anderen Stellwerkern trifft er sich momentan einmal im Monat zum virtuellen Bastelabend.

Der Lockdown trifft den Verein Stellwerk nicht so hart wie andere Ehrenamtliche. Der Fahrplan des Miniatur-Bahnclubs in den ehemaligen Räumen der Schreinerei Noll ist ohnehin nach einer anderen Zeitrechnung aufgestellt. Den Modellbauern war schon klar, als sie vor fünf Jahren vom Offenbacher Stellwerk nach Mühlheim zogen, dass ihr Projekt über Dekaden läuft. Ein Blick in die Eisenbahn-Welt im H0-Format.

Mühlheim – Die Gemeinschaft zählt 35 Mitglieder, aktiv tätig sind normalerweise 15 im Alter von 30 bis 85 Jahren. Der älteste ist Hans Wittmann, seit drei Jahre dabei und einer der emsigsten: „Der hat einen Narren an unserem Plan gefressen“, würdigt der Stellwerk-Sprecher Martin Söhngen.

Der Altersunterschied ist für die Bastler unbedeutend, der Beruf auch: Vom Informatiker über den Dachdeckermeister, Installateur, Messebauer und Elektriker bis zum aktiven Lokführer sind ganz unterschiedliche Talente vertreten. „Uns verbindet das gemeinsame Interesse.“

Dabei sind die Stellwerker kein eigenständiger Verein, betont Söhngen, sondern eine Freizeitgruppe innerhalb der Stiftungsfamilie BSW und EWH aus Bahn-Sozialwerk und Eisenbahner Waisenhort, der Kinder von verunglückten Bahn-Mitarbeitern betreut.

Zwischen Juli und Mitte Oktober vergangenen Jahres fand ihr Vereinsleben, wie bei vielen anderen auch, nur unter strengster Beachtung der Coronaregeln statt. „In dieser Zeit haben wir die Bahnhofseinfahrt mit Weichen ausgestattet, die bestand bis Anfang des Jahres nur aus einer Improvisation“, erklärt Söhngen. Jetzt tüfteln sie an dieser Stelle über ein „finales Design“, brüten über Steuerung und Programmierung. „Die ersten Antriebe für die Weichen sind installiert, damit sie schaltbar sind“, deutet er auf die Stelle vor dem Bahnhofsgebäude.

Für den Internationalen Tag der Modellbahn 2020 am 2. Dezember, hatten sie schon eine Ausstellung geplant. Doch dann musste der Verein davon absehen. Die Umsetzung von eines Hygienekonzeptes sowie Einbahnstraßen und Belüftung wäre für die Verantwortlichen kaum zu stemmen gewesen.

„Jetzt kommen wir nur mental weiter“, sagt Gruppenleiter Stefan Uhlig. Einmal monatlich gebe es freitags einen virtuellen Bastelabend. Zudem arbeiten manche an einer eigenen Anlage daheim, fotografieren an Bahnstrecken neue Modelle auf Überführungsfahrten oder spielen historische Fotos ein.

Es wird aber auch weiter philosophiert über das geplante Stadtbild mit Gebäuden, Straßen und Autos. „Wir überlegen, an welche Position die Kirche hinkommt, entscheiden uns für Altstadt-Bausätze und Häuser-Typen“, so Uhlig. Vieles werde aber erst vor Ort entschieden. Denn die Pläne seien zwar dreidimensional, ließen sich mit der Software jedoch nicht weiterentwickeln. Die Anlage wird fertig, „wenn wir in Rente gehen, dann geht’s rund“, freut sich Söhngen. 25 Jahre seien dabei realistisch. „Unser Ziel ist nicht, so schnell wie möglich fertig zu werden, wir haben schließlich keinen kommerziellen Hintergrund.“ (Von Michael Prochnow)

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