Großes Oldtimertreffen

Mühlheimer Käferfreunde geben Gas

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Die Kleine an der Hand von Stefan Till fällt später bestimmt nicht auf einen Typen im Angeberauto rein - als Tochter des Käferstation-Chefs weiß sie, worauf es ankommt.

Mühlheim - Bis in die Siebziger bestimmte er das Straßenbild. Der Kugelige von Volkswagen bekam seinen Namen wegen seiner Ähnlichkeit mit einem relativ symphatischen Insekt. Der Käfer galt als Synonym für kleine Kosten und große Verlässlichkeit. Von Stefan Mangold

Damals beschränkte er sich noch auf die reine Funktion, auf den Transport seiner Insassen von A nach B. Wer protzen wollte, musste sich auf andere Modelle kaprizieren.

Diese herzlosen Zeiten sind längst vorbei. Er habe nicht das Gefühl, „ich bin zu langsam, wenn ich keine 120 Stundenkilometer fahre“, drückt es Stefan Till aus Freigericht aus, einer der Besucher auf dem Käfer- und Oldtimertreffen der Mühlheimer Käferfreunde. Hinterm Sportzentrum an der Anton-Dey-Straße organisiert der Club bereits zum 14. Mal die Drei-Tage-Sause mit Teilemarkt, Zeltdisko, Fachsimpeln.

Das früher eher biedere Image der Modelle zieht heute einen anderen Typus Fangemeinde an. Die Käferfreunde-Vorstandsmitglieder Oliver Bruneß (41) und Andreas Becker (45) beispielsweise kann man sich nicht auf VW-Golf-Treffen junger Männer wie in Villach vorstellen, wo es darum geht, vor grölenden Massen Reifen zum Platzen zu bringen und sich selbst ordentlich zu betanken. In Mühlheim ist’s netter.

VW Käfer Treffen in Mühlheim

Oldtimer und vor allem VW Käfer gab es beim Treffen der Käferfreunde Mühlheim zu bestaunen. Im Rennen des Motorsportclubs konnten Fahrer zeigen, was in ihren Autos steckt.

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Dazu tragen auch Maria und Reinhard Wollenberg aus Senden in Westfalen bei. Auf dem Weg zum Urlaub am Großglockner macht das Paar Zwischenstation am Main. Den fast 30 Jahre alten VW Bus des Typs T2b, ein ehemaliger Krankentransporter, kaufte Reinhard 2007 in Stuttgart. Mit enormen Aufwand restaurierte er den Bus. Seitdem kutschieren die Wollenbergs mit ihrem Schlafzimmer auf Rädern „bis nach Norwegen“, erzählt Maria. Treffen wie in Mühlheim besuchen sie regelmäßig.

Anders als anfangs lassen die Käferfreunde heute auch andere Modelle auf der als Park- und Campingplatz dienenden Wiese zu. Für die Abkehr vom Purismus habe gesprochen, „dass die Gemeinde kleiner wird“, sagt Andreas Becker, der Pressewart. Also sind auch andere Marken als VW willkommen, „Hauptsache, es sind Oldtimer“. Deshalb finden sich auch Trabant und Ferrari.

Oliver Bruneß, Schriftführer der Käferfreunde, fuhr gleich nach bestandenem Führerschein einen Käfer, „den gab es in der Familie“. Er ist dran hängengeblieben und glücklich damit. Es ist ein Hobby, das handwerkliches Geschick verlangt: „Inspektionen und Reparaturen machen fast alle selbst.“ Die meisten Ersatzteile kann VW nicht mehr liefern. Billige Nachbauten aus Asien „sind meist von schlechter Qualität“, warnt Becker vor mutmaßlichen Schnäppchen.

Wettkämpfe beim Oldtimertreffen

Die wenigsten fahren ihren Käfer durch den Alltag, bei Regen schon gar nicht. Stefan Till (45) und sein grauer Käfer aber schon. Till gestaltet die Internetseite der Käferstation, eine Mühlheimer Werkstatt, die Autos bis aus Spanien bekommt, um sie zu reparieren.

Null PS, aber Spaß: Am Start zum Bobbycar-Rennen.

Wettkämpfe gibt’s hier beim Treffen ebenfalls. Das Beschleunigungsrennen über eine Achtelmeile, 201 Meter, organisiert der Motor-Sport-Club Mühlheim. Wen hier das Gefühl beschleicht, die Karossen seien flotter als zu Ludwig Erhards Zeiten, braucht seine Sinne nicht in Zweifel zu ziehen. Die Motoren unter der Haube haben Bumms; einer zischt mit 235 PS aus den Startlöchern. Ohne Tuning kommen die Bobbycars bei ihren Duellen aus. „We drive for Kendra“ lautet der Titel der Rennen eins gegen eins, das „Fulla Groffd“ aus der Nähe von Erlangen veranstaltet. Der Erlös soll beitragen, der spastisch gelähmten Kendra (6) aus Rahmstal eine Delfintherapie in den USA zu finanzieren.

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