Erfolgreich eingemischt

Waltraud Kaiser beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten

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Zu Besuch beim Bundespräsidenten: Frank-Walter Steinmeier hat auch Waltraud Kaiser zu seinem Neujahrsempfang im Schloss Bellevue eingeladen. Dabei war auch Steinmeiers Ehefrau, Elke Büdenbender (links).

Mühlheim/Berlin - Ob als Stadtverordnete oder mit ihrem jahrzehntelangen ehrenamtlichen Engagement: Waltraud Kaiser hat in Mühlheim Spuren hinterlassen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lud sie nun zum Neujahrsempfang ein. Von Michael Prochnow

Jetzt bloß nicht stolpern! Also, erst ihm die Hand geben, noch ein gutes neues Jahr wünschen, erst dann seiner Frau. Zu dem Mann mit Krawatte und Fotoapparat drehen, noch einmal die Hand geben und abtreten. Der Auftritt muss geübt werden, schließlich ist man nicht jeden Tag zu Gast beim Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

Auch Waltraud Kaiser nicht, und die ist mit so manchem Polit-Promi auf Du und Du. Jemand von ihnen muss sie bei der Staatskanzlei in Wiesbaden verpfiffen haben, sie, und dass sie seit 50 Jahren ehrenamtlich aktiv ist. Beim Neujahrsempfang im Schloss Bellevue sollte sie nun dafür geehrt werden. Neben der Mühlheimerin wurden 73 Gleichgesinnte aus der ganzen Republik aufgerufen. Der Aufenthalt begann am Abend vorher mit einer Schlossführung, erzählt die Frau aus dem Franzosenviertel. Danach haben sie den Ablauf des Empfangs durchgesprochen, wie sie aus dem Nebenzimmer eintreten, wie sie sich verhalten sollen.

Waltraud Kaiser überreichte Steinmeier „Eine Stadt wehrt sich erfolgreich“, die Dokumentation, die sie mit Dr. Sigmund Drexler und Thomas Schmidt über den erfolgreichen und ersten Volksentscheid verfasste, der 2005 mit 97 Prozent Zustimmung die Privatisierung der Stadtwerke verhinderte. So ist sie, die „Kaiserin“, sie mischt sich ein, zeigt auch der Politik Wege und Grenzen auf. 1972 bis 2001 tat sie das als Mitglied der CDU. 20 Jahre saß sie im Vorstand der Frauen-Union, zehn Jahre im Führungsgremium des Stadtverbands. 14 Jahre war sie Stadtverordnete, davon zwölf Jahre Vorsitzende des Sozialausschusses, vier Jahre stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Sie erhob ihre Stimme im Kuratorium der Sozialstation und der Bürgerhaus GmbH, bis heute bei „Rettet Kinder – Rettet Leben“ und als Beirat der Lebenshilfe für Stadt und Kreis Offenbach, die sich ebenfalls um Menschen mit Behinderungen kümmert.

Besonders bewegt sie bis heute der Einsatz für die herzkranke Senada. Sie setzte 1991 durch, dass das bosnische Mädchen mit Mutter und Schwester einreisen durfte, gewann mit einer Spendenaktion die benötigten 40 000 Mark für die Operation, sorgt aber auch dafür, dass die Familie – wie abgemacht – wieder zurück in die Heimat reist.

1993 hob die Assistentin in der kieferorthopädischen Praxis ihrer Tochter den Förderverein des Friedrich-Ebert-Gymnasiums mit aus der Taufe, ’94 gehörte sie zu den Gründern des Präventionsrats, leitete den Arbeitskreis Sicherheit und Projekte gegen Gewalt. Das bringt Mühlheim 1997 den ersten Preis der erstmalig verliehenen Auszeichnung des Landespräventionsrats ein. Bis heute führt Waltraud Kaiser die Aktion „Nachbarn schützen Nachbarn“, 1996 war sie zudem beim Start der Bürger- und Seniorenhilfe dabei.

Die Fähre wieder in Fahrt zu bringen sei „nur ohne Parteipolitik möglich, dann machen die Leute auch mit“, ist die Sprecherin der Initiative überzeugt. „Ich bin die Lokomotive, ich kenne mich aus“, analysiert sie selbstbewusst. „Die Leute machen mit, aber wenn ich nicht funktioniere, dann fällt Vieles auseinander.“ Der Gastgeber lobte in seiner Tischrede die Besucher, weil sie „ihr Dorf oder ihre Kleinstadt ganz einfach deshalb beleben, indem sie andere mit ihrer positiven Lebenseinstellung anstecken.“ Und weil sie überall Menschenwürde, Weltoffenheit und Toleranz gegen Anfechtungen verteidigten“

„Ich hab’ im Hotel nur kurz geschlafen und war wie viele andere ziemlich aufgeregt“, gesteht Waltraud Kaiser. Doch das hat sich gelohnt, sie habe viele interessante Leute kennengelernt.

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