Wanderer lesen den Wald

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Eröffnung der Wandersaison mit Mehrwert: Die Eingehtour der Naturfreunde führte zu Revierförster Knud Dockendorf. Der erklärte die Bedeutung des Waldrands für die heimische Tierwelt.

Mühlheim - Fitness für Körper und Geist: Die Mühlheimer Naturfreunde haben bei ihrer Eingehtour Wohlbefinden und Wissen gemehrt.

Peter Seifert, Fachgruppenleiter für Wandern und Radfahren, lotste fast 50 Teilnehmer vom Naturfreundehaus am Maienschein durch den Stadtwald und über den Gailenberg zum Grünen See in den Steinbrüchen. Einen Stopp legten die Wanderer für ein Treffen mit Revierförster Knud Dockendorf am westlichen Ausläufer des Gailenberges ein. Der Fachmann erklärte die Bedeutung des Waldrands für die heimische Tierwelt. „Baumarten wie Eiche, Kiefer und Kirsche bilden hier einen verhältnismäßig natürlichen Waldrand. In Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund (NABU) wurde die Flora durch Ansiedlung von Eibe, Weißdorn und Feldahorn erweitert“, berichtete er.

Das Ziel aller Hege und Pflege: Der Bereich zwischen den Streuobstwiesen und dem Wald sollte aus einer Übergangszone von drei Metern bestehen, besetzt mit Kräutern, einer Zehn-Meter- Strauchzone und einer höheren, 15 Meter breiten Übergangszone. Das biete dem Wald bei starken Winden Schutz. Ohne Waldwirtschaft würde sich der Wald im Laufe der Jahre ausbreiten und die Streuobstwiesen von den Rändern her verkleinern, so der Fachmann.

Der Waldrand habe unter anderem für die Artenvielfalt der Pflanzen eine große Bedeutung. Die besonderen Lichtverhältnisse dort erlaube Pflanzen, die im Wald nicht gedeihen können, gutes Wachstum. Der hohe Pflanzenreichtum wiederum mache den Waldrand für viele Tierarten attraktiv, weil sie hier ausreichend Nahrung in Form von Blättern und Zweigen, Nektar und Pollen finden. Außerdem viele Versteckmöglichkeiten und Brutstätten, beispielsweise für den Neuntöter, der Mäuse und Amphibien frisst. Im Schutz des Waldrandes könnten außerdem viele Tiere von einem Biotop zum anderen gelangen, um sich mit anderen Populationen zu vereinen. Das verhindere das Aussterben von Tierarten.

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„Schwarzwild ist im Mühlheimer Stadtwald stark im Vormarsch, Rehwild in ausreichender Zahl vorhanden. Rückläufig ist dagegen der Bestand an Niederwild wie Hase und Kaninchen. Ebenso nimmt die Zahl der Fasane ab“, berichtete Dockendorf.

Der Förster brachte auch Licht in die Farbkodierungen an den Bäumen. Weiße, aufgesprühte Striche an den Bäumen grenzten die Ränder der Rückegassen für die Waldmaschinen ein. Normalerweise folge jedem Waldstück von 20 Meter Breite eine vier Meter breite Rückegasse, so Dockendorf. Rote Striche kennzeichnen Bäume, die gefällt werden sollen. Schwarze Ringe dagegen sind sogenannte Zukunftsbäume, die hochwertig sind und möglichst lange erhalten werden müssen.“

Nummernschilder an Wegkreuzungen weisen Waldabteilungen aus. Anhand der Dokumentation wisse der Revierförster, welche Baumarten darin vorkommen, wie alt die Bäume sind, welche Bodenqualität das Areal aufweist und wie viel Holz momentan auf der Fläche steht. - peba

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