Weiße Vögel zu vermieten

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Michael Schmitt mit Hochzeitstaube. 

Mühlheim - Die Queen hat wieder nicht angerufen. Hat sie damals bei Charles und Diana nicht getan, auch nicht bei Charles und Camilla - was Michael Schmitt auch angesichts der Verwerfungen im englischen Königshaus sicher nicht erwartet hätte. Von Barbara Hoven

Und heute, wenn Enkel William und seine Kate heiraten, wird die Welt auch nicht erfahren, welch edles Federvieh der Mühlheimer sein Eigen nennt. Aber Schmitt ist nicht traurig. Er hätte der Monarchin sowieso absagen müssen. Bei Charles und Diana, weil er 1981 zwar gerade mit der Brieftaubenzucht anfing, aber noch längst keine weißen Hochzeitstauben hatte. Und bei den anderen monarchistischen Ja-Sagern, weil ein Hochzeitstauben-Dienstleister wie Schmitt, der was auf sich hält, seine Tiere auch für royale Kundschaft nicht weiter als 50 Kilometer fliegen lässt.

Aber auch in diesem Radius um seinen Taubenschlag herrscht genug Liebe unter den Menschen, um unter dem Bilanzstrich von Michael Schmitts Nebenerwerbs-Hobby recht zuverlässig eine weiße Null stehen zu lassen. Was der 44-Jährige einnimmt, wenn er seine weißen Tauben bei Hochzeiten in der Region fliegen lässt, reicht, um das Futter seiner restlichen Tiere zu finanzieren.

Insgesamt 50 Hochzeitstauben

50 Hühner und 120 Tauben hält der Mühlheimer auf dem Gelände des Geflügelzuchtvereins Erlenbruch in Offenbach, darunter rund 50 Hochzeitstauben. Seit mehr als fünf Jahren züchtet er neben anderen Taubenarten auch die schneeweißen Tiere, die als Symbol für Liebe, Frieden und Fruchtbarkeit bei Hochzeiten immer beliebter werden. „Ich habe mit der Zucht der weißen Tauben begonnen, weil die Nachfrage immer größer wurde“, sagt Schmitt.

Zwischen zwei und 25 Tauben bringt er auf eine Hochzeit mit – je nachdem, wie viele die Auftraggeber wollen und wie viel sie zahlen wollen. Doch die Tierliebe verlange Einschränkungen: „Wenn es regnet, auch bei Nebel oder Schnee können die Tauben nicht starten, dann gibt es einen Anruf von mir, dann geht´s definitiv nicht“, betont Schmitt. „Denn die Tauben brauchen Sonne, um sich zu orientieren und nach Hause zu finden.“ Das ist auch der Grund, warum Schmitt seine Tauben nur von Mitte April bis Anfang Oktober bei Hochzeiten fliegen lässt. Wenn das Wetter mitspielt, finden die Tiere nach dem Auslass selbständig zu ihrem Heimatschlag in Offenbach zurück.

Und wie genau läuft das mit den Hochzeiten und den Tauben? In einem geschmückten Korb bringt Schmitt die Tiere vor die Kirche. „Wenn das Brautpaar dann heraus kommt, bekommt es von mir je eine Taube in die Hand, dann werden erstmal Fotos geschossen“, berichtet der Züchter. Meistens richtet dann ein Verwandter ein paar liebe Worte an das Brautpaar, bevor der Käfig geöffnet wird und die übrigen Tauben gen Himmel flattern.

Taubenkot auf dem Hochzeitskleid

Dann erzählt der „Ur-Mühlheimer“, wie Schmitt sich selbst bezeichnet, davon, dass es ab und zu auch mal Bräute gibt, denen die Überraschung mit den Tauben nicht ganz geheuer ist. „Wenn es darum geht, die Taube anzufassen, sind manche Frauen skeptisch“, sagt Schmitt und schmunzelt. „Aber dann beruhige ich immer und sage, dass ich noch keine Braut erlebt habe, die sich nicht getraut hat.“

Nur einmal sei die Überraschung nach hinten losgegangen: „Da hat eine Taube der Braut aufs Kleid gekotet.“ Doch die Braut nahm’s locker, sofort war eine Brautjungfer zur Stelle, die das Kleid sauber machte. Wieder muss Schmitt lachen: „So sind Tiere halt, sowas kann vorkommen.“

Er muss es wissen, beschäftigt er sich doch seit 1980 mit der Brieftaubenzucht. Jeden Morgen, wenn er von Mühlheim aus zur Arbeit nach Niederrad fährt, legt er einen Zwischenstopp in Offenbach ein, um seine Tiere zu versorgen. Und abends auf dem Rückweg einen weiteren. Auch Söhnchen Tim, gerade mal sieben Jahre alt, züchtet bereits Tauben und begleitet Papa zu Ausstellungen.

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